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Tertullian († um 220) - Über die Geduld (De patientia)

14. Beispiele gottvertrauender Geduld in grossen körperlichen Schmerzen.

In kraft dieser Geduld lässt sich Isaias zersägen und hört nicht auf, vom Herrn zu reden; Stephanus wird gesteinigt und fordert Vergebung für seine Feinde. Gedenken wir auch jenes glückseligen Mannes, der jede Art von Geduldsprobe gegen die Macht des Teufels siegreich bestanden hat, den weder die Wegtreibung [S. 56] seines Herdenreichtums1 an Kleinvieh, weder der gleichzeitige Verlust seiner Kinder durch den wuchtigen Einsturz, noch sein eigenes Geplagtsein durch Wunden des Körpers von der Geduld und von der dem Herrn schuldigen Treue abwendig machte. Der Teufel hat ihn mit aller seiner Macht vergeblich geschlagen. Er ließ sich nicht einmal von der schuldigen Ehrfurcht gegen Gott abbringen, sondern hielt stand, uns zum Exempel und zum Zeugnis, wie man sowohl im Geiste als am Fleische, am Leibe und mit der Seele Geduld zu üben habe, so dass wir weder bei Schaden an zeitlichen Gütern, noch bei Verlust teurer Personen, noch auch bei körperlichen Heimsuchungen unterliegen. Was für eine Trophäe gegenüber dem Teufel hat sich Gott an diesem Manne auferbaut, wie hat er ihn als das Panier seines Ruhmes über seinen Widersacher erhoben, indem er bei jeder herben Botschaft kein anderes Wort aus seinem Munde entschlüpfen ließ als: „Gott sei Dank" und seiner Frau, die, vom Unglück schon verzagt gemacht, zu verkehrten Hilfsmitteln riet, Verweise gab! Wie freute sich Gott, wie wollte der Böse bersten, als Job die unreinen Aussonderungen seiner Geschwüre mit großer Seelenruhe abschabte, und die herausbrechenden Tierchen2 scherzend in die Tiefen und Weideplätze seines auf geborstenen Fleisches zurücktrieb! So hat dieser Krieges- und Siegesheld Gottes, nachdem er alle Geschosse der Versuchung mit dem Panzer und dem Schild der Geduld abgewehrt, auch die volle Gesundheit seines Leibes und den frühern Besitz doppelt von Gott wieder erlangt. Und wenn er gewünscht hätte, dass ihm auch seine Kinder wiedergegeben würden, so hätte er [S. 57] nochmals den süßen Vaternamen hören können. Jedoch er wollte lieber, dass sie ihm am jüngsten Tage wiedergegeben würden. Diese große Freude schob er sich noch auf im Vertrauen auf den Herrn. Er ertrug für jetzt Kinderlosigkeit freiwillig, um nicht ohne irgend eine Übung der Geduld zu leben.

1: der Text bietet illae. Allein der Bau sowie der Sinn des Satzes lassen vermuten, daß hier korrespondierend dem abacti et adempti ein Partizip gestanden hat, welches dem Bericht Job 1,2: die Schafe seien vom Blitz erschlagen, entspricht, etwa igni tactae. Denn nicht der Reichtum, sondern der Verlust desselben war eine Probe der Geduld. Kroymann schließt greges non in Klammern ein.
2: Tertullian meint demnach, daß bei dem Aussatz Jobs ein Ausbrechen von Würmern und Ungeziefer stattgefunden habe.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Persönliche Schriften (Über das Pallium oder den Philosophenmantel, über die Geduld und an seine Frau)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger