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Tertullian († um 220) - Über die Geduld (De patientia)

13. Den Leib befähigt die Geduld zur Abtötung, Übung der jungfräulichen Enthaltsamkeit und Ertragung des Martyriums.

So viel über die Geduld, insofern sie einfach ist und einseitig nur in einer Tätigkeit der Seele besteht. Sie eben ist in vielfacher Weise behilflich, auch am Körper sich das Wohlgefallen des Herrn zu erwerben1. Ist sie doch vom Herrn selbst als eine Tugend auch des Leibes öffentlich geübt worden, da der Geist als Herrscher sein Wohnhaus mit Leichtigkeit an den geistigen Eingebungen teilnehmen lässt.

Welches ist also die Tätigkeit der Geduld in der Sphäre des Leibes? Vor allem die Kasteiung des Fleisches, als eine Sühngabe für den Herrn mittels des Opfers der eigenen Verdemütigung, wobei sie Trauerkleidung in Verbindung mit kärglicher Nahrung dem Herrn darbringt, sich begnügend mit einfacher Kost und einem Trunke reinen Wassers, Fasten an Fasten reiht und in Sack und Asche verharret. Diese Geduld des Körpers gereicht dem Bittgebet zur Empfehlung und dem Gebet um Befreiung zur Bekräftigung. Sie ist es, die das Ohr Christi uns öffnet, die Strenge fern hält und die Milde herabruft. So z. B. lebte jener babylonische König, nachdem er den Herrn beleidigt hatte, sieben Jahre in Schmutz und Unflat, fern von aller Menschenweise. Nachdem er das Opfer der Geduld seines Körpers dargebracht hatte, erhielt er seine Königswürde [S. 55] wieder, und hatte, was dem Menschen noch wünschenswerter ist, auch Gott Genugtuung geleistet.

Wenn wir nun gar auf höhere und glückseligere Grade der körperlichen Ausdauer bedacht sind, so ist eben auch die Geduld es, welche in der Enthaltsamkeit des Fleisches Gelegenheit zur Heiligkeit darbietet. Sie ist es, welche die Witwe Witwe bleiben lässt, welche die Jungfrau bewahrt und den freiwillig Verschnittenen zum Himmelreich erhebt.

Was der Kraft der Seele entstammt, das findet im Fleische seine Vollendung, und so kämpft das Fleisch kraft seiner Ausdauer bei den Verfolgungen seinen Kampf. Wenn die Flucht bevorsteht2, so überwindet das Fleisch die Beschwerden der Flucht. Wenn aber die Einkerkerung derselben zuvorkommt, so ist es der Leib, der sich in Fesseln befindet, im Block auf der nackten Erde, im spärlichen Kerkerlicht und in der Verlassenheit von der Welt. Wird man sodann vorgeführt zum Probekampf um die Seligkeit, zu der Gelegenheit, die Taufe zu erneuern, zum Hinaufsteigen an den Sitz der Gottheit selbst, dann kommt es auf nichts mehr an als auf Ausdauer des Körpers. Wenn der Geist zwar willig, das Fleisch aber ohne Ausdauer und schwach ist, wo bleibt da das Heil des Geistes wie des Fleisches selbst? Weiter, wenn der Herr so vom Fleische spricht und es schwach nennt, so weist er auf das hin, dessen man zur Stärkung des Fleisches bedarf, nämlich auf die Ausdauer gegen alles, was zur Ausrottung oder Bestrafung der Gläubigen dient, damit sie Schläge, Feuer, Kreuz, wilde Tiere und Schwerter aufs standhafteste ertragen, Leiden, durch deren Ertragung auch die Propheten und Apostel zum Siege gelangt sind.

1: Nach der Lesart eadem und adlaboret. Kroymann setzt allaboremus.
2: Bei ausbrechender Verfolgung.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Persönliche Schriften (Über das Pallium oder den Philosophenmantel, über die Geduld und an seine Frau)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger