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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der sechste Tag. Neunte Homilie. (Gen 1,24-26)
IX. Kapitel. Der menschliche Leib der schönste Juwel der Schöpfung, das Spiegelbild des Universums. Das Haupt eine ragende Burg, Thron der Weisheit, beherrschendes Prinzip des Leibes. Die Augen zwei Leuchten, zwei Wächter auf hoher, geschützter Warte. Das Haupthaar Schutz und Schmuck. Die freie Stirne Spiegel der Seele. Die Augenbrauen zwei Schutzwälle. Der Augapfel Sitz des Sehvermögens. Das Gehirn Zentralorgan des freien Bewegungsvermögens und der Sinnesfunktionen. Das Herz Quellpunkt für die Arterien und Herd der vitalen Körperwärme. Der zweck und kunstvolle Organismus des Ohres (Gehörsinn) und der Nase (Geruchsinn). Vorzüge des Tastsinnes. Mund und Zunge als Kau und Sprachorgane. Der Kuß Sinnbild und Unterpfand der Liebe. Die Bedeutung der Gurgel, der Arme, der Hände. Die Hand im liturgischen Dienst. Die übrigen Organe: Brustkasten und Bauchhöhle, Lunge und Herz, Milz und Leber, Gedärme, After, Adern, Knochen, Genitalien, Füße und Knie.

55.

Allererst nun wollen wir uns zum Bewußtsein bringen, daß der Bau des menschlichen Körpers ein Bild der Welt ist. Wie nämlich der Himmel über Luft, Erde und Meer, gleichsam die Glieder des Weltorganismus, hinausragt, so sehen wir auch das Haupt über die übrigen Glieder unseres Körpers hinausragen, [sehen es] als das vorzüglichste unter allen, gleich dem Himmel unter den Elementen, gleich der Burg unter den sonstigen Festungswerken einer Stadt. In dieser Burg thront wie eine Königin die Weisheit nach des Propheten Wort: "Die Augen des Weisen befinden sich in dessen Haupt". Sie hat die geschützteste Lage von allem; aus ihr strömt allen Gliedern Kraft und Fürsorglichkeit zu. Denn was nützt die Kraft und Stärke der Arme, was die Schnelligkeit der Füße, wenn nicht das Haupt wie ihr gebietender Herrscher mit seiner Gewalt sich mit ihnen verbände? Von ihm hängt, wie der Verfall des Ganzen, so der Bestand von allem ab. Was will die Tapferkeit erzielen, wenn sie nicht der Führung des Auges zum Kampfe sich bedienen könnte? Was die Flucht, wenn das Sehvermögen fehlte? Ein Kerker wäre der ganze Leib, vor Finsternis starrend, würde er nicht vom Blicke des Auges erhellt. Was sonach die Sonne und der Mond am Himmel, das sind die Augen am Menschen. Sonne und Mond aind die beiden Leuchten der Welt, die Augen aber glöeichsam die Sterne am Haupte: sie leuchten von der Höhe bestrahlen das Untenliegende mit hellem Lichte und lassen uns nicht von der Finsternis der Nacht eingehüllt werden. Gleichsam unsere Wächter, sind sie Tag und Nacht auf der Hut. Denn sie lassen sich schneller als die übrigen Glieder aus dem Schlafe wecken und spähen wachsam alles ringsum ab; sie befinden sich ja in nächster Nähe vom Gehirn, dem Sitze des gesamten Sehvermögens. Niemand glaube aber, ich sei, weil mein Lob jetzt, vom Haupte weg, den Augen gilt, zu voreilig zu diesen herabgestiegen; denn das Lob des Ganzen in einem Teilgliede nachzuweisen, ist nichts Ungewöhhnliches. Die Augen sind ja sicherlich ein Teil des Hauptes; das Haupt ist es, das mittels der Augen alles zu erspähen, mittels der Ohren das Heimliche zu erlauschen sucht, von verborgenen Dingen erfährt und von Vorgängen vernimmt, die in anderen Ländern spielen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger