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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der sechste Tag. Neunte Homilie. (Gen 1,24-26)
VIII. Kapitel. Nicht der materielle Leib, nur die geistige Seele, kann Gottes Nachbild sein. 'Seele' nach der Heiligen Schrift auch Bezeichnung für 'Mensch'. Die Entstellung des Nachbildes Gottes im eigenen Innern oder dessen Zerstörung im Nächsten schwere Sünde. Vom "Ruhen Gottes" (Gen 2,3) in der gottnachbildlichen Seele'. "Erkenne dich selbst!" (Mahnungen.) "Hab acht auf dich!" (Warnungen).

46.

Nachdem wir uns von der Gottnachbildlichkeit der Seele überzeugt haben, wollen wir jetzt nun erwägen, ob nicht mit dem Ausdruck "laßt uns den Menschen machen" die Seele gemeint sein könnte. Doch vernimm auch das [aus der Schrift], daß die Seele mit dem Namen 'Mensch ' bezeichnet wird. Es steht nämlich in der Genesis geschrieben: "Die Söhne Josephs aber, welche ihm in Ägypten geboren wurden, waren neun Seelen. Alle Seelen nun, die mit Jakob in Ägypten einzogen, waren fünfundsiebzig". Viel passender heißt es im Lateinischen 'homo', im Griechischen 'anthropos' für 'Seele'. Bezeichnungen die eine von der Menschlichkeit [humanitas], die andere von der Sehkraft herrührend , die zweifellos mehr für die Seele als für den Leib zutreffen. Dazu stimmt so recht auch jener Ausspruch in den Klageliedern des Jeremias: "Gut ist der Herr denen, so auf ihn harren, der Seele, die ihn sucht". Von Menschen spricht er und glaubte die Apposition 'Seele' machen zu sollen; denn besser sucht diese [Gott], wenn sie allein ist und von leiblicher Befleckung und fleischlicher Lust sich fernhält. Nur sie ist gottnachbildlich und dem Herrn Jesus gleichförmig; die aber dem Sohne Gottes gleichförmig sind, sind heilig. Denn so lesen wir es bei Paulus, der da spricht: "Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, denen, die nach dem Ratschlusse zu Heiligen berufen sind. Denn die er vorher erkannt hat, hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden, daß er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt, diese hat er auch verherrlicht". Wird nun die Rechtfertigung deiner Ansicht zufolge dem Leibe oder der Seele nach erteilt? Antworte doch! Indes du kannst nicht zweifeln, da doch die Gerechtigkeit, von 'Rechtfertigung' abgeleitet, eine Tugend der Seele, nicht des Leibes ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger