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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der sechste Tag. Neunte Homilie. (Gen 1,24-26)
IV. Kapitel. Vorbildliche Eigenschaften der Tiere; die Arbeitsamkeit der Ameisen, die Treue des Hundes, die Kindesliebe des Bären. Der wunderbare Instinkt der Tiere: kranke Tiere (Bär, Schlange, Schildkröte, Fuchs) kennen ihre Arznei. Tiere (Schwalbe, Ameise, Schaf, Igel) als Wetterpropheten. Sicherheit des Tierinstinktes. Die Natur die beste Lehrerin, die selbst die wilde Bestie (Tigerin) zur zärtlichsten Mutter wandelt. Der Spürsinn des Hundes; der Hund als Wächter und Rächer seines Herrn. Das Lamm das Bild der Kindesunschuld, seine Anhänglichkeit an das Mutterschaf. Der Tierinstinkt äußert seine Funktionen vom ersten Dasein an. Der Knoblauch nicht Speise, sondern Medizin; die beste Medizin das Fasten. Der feine Instinkt selbst kleiner Tiere.

23.

Niemand zweifelt wohl, daß der Hund keine Vernunft besitzt. Und doch, wenn man seinen Scharfsinn beobachtet, möchte man meinen, er bediene sich bei seinem feinen Spürsinn der Vernunfttätigkeit. Was beispielsweise kaum die wenigsten an den Schulen fertig zu bringen vermögen, ob sie auch ihr ganzes langes Leben im Lernen zubringen, syllogistische Kettenschlüsse zu machen, darauf verstehen sich, wie sich leicht einsehen lassen wird, die Hunde kraft natürlicher Belehrung. Entdeckt nämlich ein Hund die Spur eines Hasen oder Hirsches und gelangt er hierbei an eine Wegscheide, an eine Art Wegkreuzung, die nach vielen Richtungen auseinanderführt, so überlegt er, während er die einzelnen Pfadmündungen abläuft, still für sich und äußert gleichsam mit dem Scharfsinn, mit welchem er die Spur auffindig macht, die syllogistische Schlußfolgerung: "Entweder schlug er diese Richtung ein oder jene oder bog gewiß in diesen Seitenpfads ein; nun aber nahm er weder letzteren noch ersteren Weg, also bleibt nur übrig, daß er zweifellos dieser Richtung hier folgte". Was Menschen trotz langen, regelrecht geschulten Denkens kaum fertig bringen, ergibt sich für die Hunde auf natürliche Weise: Erst überzeugen sie sich vom Unrichtigen, sodann gelangen sie nach Ausscheidung des Falschen zur Wahrheit. Vergeuden nicht die Philosophen ganze Tage mit der Zerlegung der [syllogistischen] Sätze auf dem Staubtisch? Sie tragen jeden einzelnen mit dem Stifte ein, löschen zunächst von den dreien, da ja notwendig nur einer wahr sein kann, zwei als irrtümlich aus und stellen schließlich fest, daß nur der übrig gebliebene sich als wahr herausstelle.

Wer wäre so hilfsbeflissen und dienstgefällig [wie die Hunde]? Verstehen sie doch für ihren Herrn selbst auf Räuber loszustürzen, verwehren Fremden bei Nacht den Zutritt und sind bereit, sei es für ihre Herren zu sterben, sei es mit ihren Herren mitzusterben. Schon oft haben desgleichen Hunde im Fall einer Mordtat deutliche Spuren zur Überführung der Schuldigen aufgedeckt, so daß man schon so manchesmal ihren stummen Zeugenaussagen Glauben schenkte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger