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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der fünfte Tag. Siebte und achte Homilie. (Gen 1,20-23)
XXIV. Kapitel. Von den Nachtvögeln. Der Nachtigall Lied ihr süßer Trost in Wachen und Mühen. Die lichtscheue Nachteule das Bild der gottfremden Weltweisheit. Die Fledermaus. Der Hahnenruf nach seiner physischen, sittlichen und heilsgeschichtlichen Bedeutung.

87.

Die Fledermaus [vespertilio], ein unansehnliches Tierchen, hat ihren Namen vom Abendstern [vesper]. Sie hat Flügel und zugleich vier Füße und ist im Gebrauch von Zähnen, die man sonst bei Vögeln nicht zu treffen pflegt. Sie setzt wie die Vierfüßler statt der Eier lebendige Junge ins Dasein, fliegt aber nach Art der Vögel in der Luft, doch gewöhnlich erst zur Zeit der Abenddämmerung. Sie fliegt aber nicht mittels Fittichen irgendwelcher Art, sondern mittels ihrer Flughaut. Von dieser wie von Flugfedern in Schwebe gehalten, fliegt und flattert sie herum. Auch das ist diesem unscheinbaren Tierchen eigen: daß sie sich aneinander heften und gleich einer Traube an irgendeiner Stelle hängen, und der ganze Knäuel sich erst auflöst, wenn je die äußerste sich davon losmacht. Es ist dies das Gebaren einer Liebe, wie sie kaum bei den Menschen auf dieser Welt zu treffen ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger