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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der fünfte Tag. Siebte und achte Homilie. (Gen 1,20-23)
XXI. Kapitel. Vom Bienenstaat. Wahl der Königin; natürliche Vorzüge prädestinieren sie dazu. Wie kein Volk respektiert das Bienenvolk seine Königin. Der Bienenstock ein Heerlager. Die Biene das Ideal der Arbeitsamkeit. Der Honig Genuß und Heilmittel. Die außergewöhnliche Fruchtbarkeit der Biene.

68.

Sie selbst bestellen sich die Königin, sie selbst schaffen das Volk und bleiben, wenn auch der Königin untertan, doch frei; denn sie halten ebenso fest am Vorrecht ihrer Entscheidung [in der Königinwahl] wie an treuergebener Gesinnung, indem sie dieselbe als ihre Erkorene lieben und ein so gewaltiger Schwarm ehren. Nicht aber das Los bestimmt die Königin. Denn beim Los entscheidet der Zufall, nicht das Urteil, und häufig gibt das blinde Los, das fällt, jedem Letzten den Vorzug vor dem Besseren. Auch nicht der allgemeine Zuruf der unverständigen Menge bestimmt sie; denn diese wägt nicht die Tugendverdienste und erwägt nicht die Interessen des öffentlichen Wohles, sondern treibt in der Unverlässigkeit beweglichen Wankelmutes. Auch nicht kraft der Erbfolgeoder Geburtsrechtes hat sie den Königsthron inne; denn das dem öffentlichen Leben entrückte [Königskind] wird ja unmöglich die nötige Umsicht und Einsicht haben. Nimm dazu die Verhätschelungen und Genüsse, die im zarten Alter gewohnt, selbst den gewecktesten Geist zu entnerven pflegen; sodann den Unterricht der Eunuchen, die zumeist den Sinn des Königs mehr auf den eigenen Vorteil als auf das öffentliche Wohl hinlenken. Den Bienen indes wächst eine Königin heran, die schon durch natürliche Vorzüge deutlich als solche gekennzeichnet wird: so durch hervorragende Körpergröße und schönheit, ferner durch den Hauptvorzug an einem König, die Charaktermilde. Denn trägt sie auch einen Stachel, gebraucht sie ihn doch nicht zur Bestrafung. Es gibt nämlich Naturgesetze, die nicht auf Papier geschrieben, sondern dem sittlichen Bewußtsein eingegraben sind: darnach sollten die, welche die höchste Macht innehaben, in der Bestrafung besonders milde verfahren. Doch selbst jene Bienen, die den Anordnungen der Königin nicht folgen, überantworten sich selbst dem rächenden Strafgerichte: sie sterben vom eigenen Stachel getroffen. Das Perservolk soll heute noch an diesem Brauch festhalten, wonach Schuldige zur Sühne ihrer Tat selbst das Todesurteil an sich vollstrecken. Keine Völker nun, nicht die Perser trotz ihrer äußerst strengen Gesetze für die Untertanen, nicht die Inder, nicht die sarmatischen Stämme bringen ihrem König so große Ehrfurcht und Ergebenheit entgegen wie die Bienen: keine wagt das Haus zu verlassen, keine auf Weide zu ziehen, bevor nicht die Königin auszieht und die Führerrolle im Fluge übernimmt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger