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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)

Zehntes Buch

1. Kap. Der uns von Gott geschenkte Friede.

1. Gott, dem Allmächtigen und Könige des Alls, sei für alles Dank gesagt, größter Dank auch Jesus Christus, dem Erlöser und Befreier unserer Seelen, durch welchen wir unablässig bitten, daß uns der Friede gegen äußere und innere Feinde fest und unerschüttert erhalten bleibe.

Unter Gebet sei so das zehnte Buch der Kirchengeschichte den vorausgehenden angereiht! Dieses Buch wollen wir dir widmen, mein heiligster Paulinus,1 freudig es ausrufend, daß du das Siegel des ganzen Werkes bist. Mit gutem Grunde wollen wir auch in ihrem ganzen Umfange die Festrede über den Wiederaufbau der Kirchen hier anfügen, gehorsam dem göttlichen [S. 437] Geiste, der uns auffordert: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn Wunderbares hat er getan! Es hat ihn gerettet seine Rechte und sein heiliger Arm. Der Herr hat kundgetan sein Heil, vor den Augen der Völker hat er seine Gerechtigkeit geoffenbart.“2 Folgend dieser Weisung wollen wir nunmehr das neue Lied anstimmen. Denn nach jenen schrecklichen und düsteren Schauspielen und Erzählungen sind wir gewürdigt worden, jetzt Dinge zu sehen und festlich zu verkünden, die vor uns viele wahrhaft Gerechte und Gotteszeugen auf Erden zu sehen begehrt und nicht gesehen, und zu hören begehrt und nicht gehört.3 Doch sie, die in schnellem Lauf vorangeeilt, wurden viel höherer Güter teilhaftig, entrückt in den Himmel selbst und in die göttliche Wonne des Paradieses.4 Wir bekennen aber, daß auch die Dinge, die uns vor Augen liegen, größer sind als unsere Verdienste. Über alle Maßen staunen wir über die hohe Huld dessen, der uns die Gabe geschickt, und bewundern sie nach Gebühr und in Ehrfurcht mit der ganzen Kraft unserer Seele, bezeugend die Wahrheit der Weissagungen, die da niedergeschrieben sind und lauten:5 „Kommet und sehet die Werke des Herrn, die er wunderbar auf Erden gewirkt hat, indem er die Kriege bis an die Grenzen der Erde beseitigte! Er zertrümmert den Bogen und zerschlägt die Waffe und verbrennt die Schilde im Feuer.“ In Freude darüber, daß sich diese Worte sichtbar an uns erfüllt haben, wollen wir unsere Erzählung fortsetzen.

Auf die berichtete Weise ward so das ganze Geschlecht der Gottesfeinde vernichtet und den Blicken der Menschen so plötzlich entzogen, daß wiederum ein göttliches Wort in Erfüllung ging, das da spricht:6 „Ich sah, wie sich der Gottlose gleich den Zedern des Libanon erhob und emporreckte. Aber als ich vorüberging, siehe, da war er nicht mehr! Und ich suchte seinen Platz, und [S. 438] nicht war er zu finden.“ Ein freundlicher und heller, von keiner Wolke getrübter Tag leuchtete nun fortan mit den Strahlen himmlischen Lichtes auf der ganzen Erde über den Kirchen Christi. Und kein Neid verwehrte es, daß auch jene, die außerhalb unserer Genossenschaft standen, wenn auch nicht das Vollmaß der uns von Gott geschickten Segnungen, so doch Abflüsse und Teile davon genießen durften.

1: Bischof von Tyrus.
2: Ps. 97, 1 f.
3: Vgl. Matth. 13, 17.
4: Vgl. 2 Kor. 12, 4.
5: Ps. 45, 9 f.
6: Ebd. 36, 35 f.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger