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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der fünfte Tag. Siebte und achte Homilie. (Gen 1,20-23)
XV. Kapitel. Von den Kranichen. Ihr Gesellschaftsleben das Vorbild für den menschlichen Idealstaat in der Urzeit. Verfall des letzteren.

52.

Dies war die Verwaltungsform des antiken Gemeinwesens, dies das Bild des freien Staates. So begannen ursprünglich die Menschen die von Natur überkommene Staatsgewalt nach dem Vorgange der Vögel auszuüben. Gemeinsam sollte die Bürde, gemeinsam die Würde sein; jeder sollte abwechselnd seinen Teil in der Sorge [für das Ganze] beitragen lernen, in Gehorsam und Befehl sich teilen, niemand von der Würde ausgeschlossen, keiner der Arbeit enthoben sein. Das war ein Idealzustand. Keiner pochte auf eine lebenslängliche Amtsgewalt, keiner brach zusammen unter einem ständigen Sklavenjoch. Neidlos wurde einem nach dem amtlichen Turnus und fälligen Zeittermin Beförderung zuteil, und leichter trug sich deren Bürde, weil sie das Aufsichtsamt mit anderen teilten. Niemand wagte einen anderen im Dienste zu schikanieren, um nicht seinerseits dessen Mißmut fühlen zu müssen, sobald er ihm im Ehrenamte folgte. Niemand fiel die Arbeit schwer, von der die künftige Würde ihn befreite. Doch seitdem die zu müssen, sobald er ihm im Ehrenamte folgte. Niemand fiel die Arbeit schwer, von der die künftige Würde ihn befreite. Doch seitdem die Herrschsucht anfing, überkommene Ämter sich anzumaßen, übernommene nicht mehr niederlegen zu wollen; seitdem der Kriegsdienst anfing, nicht mehr ein gemeinsames Recht, sondern Dienstbarkeit zu sein; seitdem kein Turnus mehr in der Übernahme der Amtsgewalt eingehalten wurde, sondern Strebertum sie an sich riß, begann auch die Verrichtung der Arbeit, der man sich unterzieht, drückender zu werden; und unfreiwillige Arbeit artet bald in Lässigkeit aus. Wie ungern unterziehen sich nicht die Menschen den Nachtwachen! Wie hart tritt ein jeder im Lager den Wachtdienst auf einem gefährlichen Posten an, dessen Schutz ihm auf des Königs Befehl anvertraut wird! Strafe ist auf Fahrlässigkeit gesetzt, und dennoch schleicht sich oft Nachlässigkeit ein und wird der Wachtdiuenst nicht eingehalten. Denn der Zwang, der einem wider seinen Willen eine Pflicht auflegt, erzeugt zumeist Unlust. Nichts ist so leicht, daß es nicht Schwierigkeit machte, sobald man's ungern tut. So verleitet einem denn ununterbrochene Arbeit die Lust und erzeugt ständig dauernde Macht Selbstüberhebung. Wo findet man denn einen Menschen, der von freien Stücken die Herrschaft niederlegte, seinen Feldherrenstab abträte und, statt erster, freiwillig der letzte würde? Wir streiten uns aber oft nicht bloß um den ersten Rang, sondern auch schon um einen mittleren und beanspruchen bei einem Mahle die ersten Plätze und wollen den einmel eingeräumten Rang für immer haben.

So herrscht also unter den Kranichen Zufriedenheit bei der Arbeit, Demut in Ämtern. Einer Mahnung bedarf es nur zur Ablösung im Wachtdienst, keiner Mahnung zum Rücktritt vom [Führer] Amt; dort nämlich handelt es sich um die Unterbrechung der natürlichen Schlafesruhe, hier um die edle Tat freiwilliger Dienstbeflisseneheit.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger