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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der fünfte Tag. Siebte und achte Homilie. (Gen 1,20-23)
X. Kapitel. Die Fische haben und behalten, nach Gattungen ausgesondert, ihre bestimmten Standorte: des Menschen Hab und Genußsucht kennt keine Grenzen. Der Wanderzug einiger Fischarten nach dem Pontus und deren Rückkehr gemäß dem göttlichen Naturgesetz. Die wunderbare Kraft sowie die große Gefährlichkeit einiger Fischgattungen.

30.

Wir wollen nun diesen Grund noch genauer erwägen. Das Schwarze Meer ist dem heftigen Brausen des Nords und der übrigen Winde ausgesetzt. Wenn nun daselbst ein schwerer Orkan wütet, erheben sich stürmische Wogen, daß der Sand vom tiefen Grunde aufgewirbelt wird. Das zeigt auch die sandige Flut an. Da diese unter den Windstößen immer höher sich türmt, sodann auch immer schwerer wird, glauben nicht bloß die Schiffer, sondern zweifelsohne selbst die Tiere, im Meer sich nicht mehr halten zu können. Dazu kommt, daß einerseits zwahlreiche und mächtige Ströme in den Pontus sich ergießen, andererseits insbesondere der Pontus selbst zur Winterszeit eine allzu große und wegen der einmündenden Flüsse eisige Kälte aufweist. Deshalb pflegen die Fische, die genauen Kenner der Gewässer, wohl im Sommer daselbst das milde, kühlere Klima zu genießen, ziehen sich aber, wenn die Annehmlichkeit zu Ende geht, vor dem rauhen Winter zurück und eilen, die grimmige Kälte des Nordens fliehend, nach den übrigen Meeren, wo linde Winde sanfter wehen oder der Sonne milder Strahl Frühlingslüfte zu wecken pflegt. So kennt also der Fisch "die Zeit des Gebährens", was schon Salomos Weisheit für ein großes Geheimnis klärte, kennt die Zeit der Hinund Rückkehr, kennt die Zeit des Verrichtens [Laichens] und des unsteten Hin und Her, und weiß es, daß er sich nicht täuschen kann, weil er nicht Vernunfterwägung und wissenschaftlicher Begründung folgt,spondern dem natürlichen Instinkte, dem wahren Lehrer der Elternliebe. So haben überhaupt alle lebenden Wesen ihre bestimmte Brutzeit, nur der Mensch gebraucht sie unterschied und wahllos. Alle anderen Arten ziehen eine milde Zeit vor, nur die Frauen setzen der Milde vergessend ihre Kinder ins Dasein. Die Geschlechtslust, die keine Zeit und Entsagung im Zeugen kennt, hält eben auch keine Zeit im Gebären ein. Der Fisch durchwandert so große Meeresstrecken, um seiner Brut einigen Vorteil zu verschaffen, auch wir durchqueren weite Meeresflächen: doch wie unvergleichlich ehrenhafter ist, was aus Kindesliebe denn aus Geldgier unternommen wird! So muß denn jenen dier Durchquerung [des Meeres] als Pietät, uns als Gewinnsucht ausgelegt werden. Jene führen Kindersegen heim, teurer denn alle Handelsprodukte, wir bringen in schnöder Gewinnsucht Handelsware zurück, die nicht entfernt im Verhältnis steht zur Gefahr. So trachten jene nach der Heimat zurück, wir verlassen sie. Jenen mehrt sich, da sie das Meer durchschwimmen, das Geschlecht, uns verringert es sich, da wir es durchschiffen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger