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, Einleitung Briefe. In: Des heiligen Kirchenvaters Caecilius Cyprianus Briefe. Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Julius Baer, Oberstudienrat am Wittelsbacher Gymnasium in München. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 60) München 1928.
Einleitung Briefe

Einleitung

Einleitung

[S. 009] Karthago war nach neueren Forschungen1 zur Zeit Cyprians der kirchliche Mittelpunkt für mindestens 150 Bistümer, die sich auf das prokonsularische Afrika, auf Numidien und Mauretanien verteilten. Welch reiches Feld der Tätigkeit sich hier im Jahre 248 oder 249 dem neuerwählten Bischof eröffnete, geht am deutlichsten aus seiner umfangreichen Korrespondenz hervor, die uns jedoch keineswegs vollständig erhalten ist2. Immerhin umfaßt die über nur neun Jahre (249 — 258) sich erstreckende Sammlung, die sich unter seinem Namen erhalten hat, nicht weniger als 81 Briefe. Von diesen stammen 59 von Cyprian selbst, auch die 6 karthagischen Synodalschreiben rühren wohl von seiner Hand her; die 16 übrigen Schriftstücke haben verschiedene Zeitgenossen zu Verfassern, stehen aber alle mit der Person und Tätigkeit des karthagischen Oberhirten in enger Beziehung, und selbst die vier nicht an ihn selbst adressierten Briefe tragen dazu bei, das Gesamtbild zu ergänzen und abzurunden.

I. Briefe vor der Flucht Cyprians (249―250)
[Brief 1—4]:

Die ersten vier Briefe der Sammlung, die doch wahrscheinlich in diese Zeit fallen, befassen sich mit Fragen der kirchlichen Zucht. Bringt das erste Schreiben eine alte Verordnung in Erinnerung, die Klerikern die Übernahme weltlicher Geschäfte, also auch einer [S. 010] Vormundschaft untersagt, so erklärt es der folgende Brief als unvereinbar, daß ein Christ noch weiter Schüler in der Schauspielkunst unterrichtet. In Nr. 3 erteilt Cyprian einem Amtsgenossen Auskunft, wie er sich einem aufsässigen Diakon gegenüber verhalten soll. Im nächsten Schreiben (Nr. 4) wird das unvorsichtige, ja zum Teil schamlose Gebaren einiger gottgeweihter Jungfrauen aufs schärfste verurteilt.

II. Briefe aus der Zeit der ersten Verfolgung unter Decius und der Flucht Cyprians (250―251)
[Brief 5—43]:

Noch vor Ablauf seines ersten Amtsjahres sah sich Cyprian durch den Ausbruch der von Kaiser Decius angeordneten Verfolgung zur Flucht genötigt. Aber auch von seinem Versteck aus unterhielt er in den 15 Monaten seiner Abwesenheit mit seiner eigenen und anderen Gemeinden einen lebhaften Briefwechsel. Die gewaltige Verheerung, die die Verfolgung unter den Gläubigen anrichtete, gab ihm nur zu häufig Anlaß, ermunternd und warnend seine Stimme zu erheben.

Nach ihrem Inhalt lassen sich die Briefe dieser Periode in vier Gruppen teilen:

1) 13 Briefe an seine Gemeinde
[Brief 5—7 und 10—19] :

Nach Brief 20, 2 hat sie Cyprian selbst schon zur Rechtfertigung seiner Flucht zusammengestellt und im Juli 250 an den römischen Klerus gesandt.

In den Briefen 5—7 legt der Verfasser seiner Gemeinde in eindringlichen Worten die Fürsorge für alle notleidenden Glaubensgenossen ans Herz und empfiehlt den Heiden gegenüber größte Vorsicht; die Bekenner selbst rühmt und ermutigt er zur Ausdauer. Angesichts der zunehmenden Wut der Verfolger erläßt sodann der besorgte Bischof offenbar in rascher Folge die Briefe 10―14. Neben begeistertem Lob für den [S. 011] Heldenmut der Bekenner und Märtyrer enthalten sie auch ernste Mahnungen zu fleißigem Gebet und gewissenhafter Einhaltung der christlichen Zucht. Den Verbannten verbietet er eine verfrühte Rückkehr, die Todestage von Märtyrern bittet er genau aufzuzeichnen, die Erledigung kirchlicher Fragen jedoch will er bis zu seiner Rückkehr verschieben.

Aber nur zu bald sieht er sich genötigt, sich mit dem wichtigsten Problem, der Gefallenenfrage, zu befassen3. In den Briefen 15—19 warnt er immer wieder vor allzugroßer Milde, auch den Märtyrern verweist er die gar zu freigebige Ausfertigung von Empfehlungsschreiben; nur bei Todesgefahr erklärt er eine beschleunigte Wiederaufnahme für zulässig.

2) Der Briefwechsel mit Rom
[Brief 8, 9, 20, 21, 22, 27, 28, 30, 31, 35, 36, 37]:

Dieser für die Kirchengeschichte besonders wichtige Briefwechsel hatte mit Nr. 8 und 9 schon vor den beiden letzten Briefen der vorhergehenden Gruppe eingesetzt. Mit starker Hand hatte der seit dem Märtyrertod des Papstes Fabianus (20. Januar 250) verwaiste römische Klerus die Führung der christlichen Kirche des Westens ergriffen. In einem für ihren geflohenen Bischof gar nicht schmeichelhaften Schreiben (Nr. 8) fordert er die karthagische Gemeinde zur Standhaftigkeit und Glaubenstreue auf. Mit großem Geschick verbindet Cyprian in seiner Antwort (Nr. 9) mit seinem Glückwunsch zum Martyrium seines römischen Amtsgenossen eine feine Kritik an dem empfangenen Brief, dessen Echtheit er anzweifelt. Die beste Verteidigung seiner freiwilligen Flucht stellt der einige Zeit darauf von Cyprian nach Rom erstattete Tätigkeitsbericht in Brief 20 dar. Eingeschoben sind sodann als wertvolle Urkunden ein naives Schreiben des Celerinus von Rom an den „robusten“ karthagischen Bekenner Lucianus (Nr. 21) mit der Bitte um Friedensbriefe für zwei der Verfolgung unterlegene Frauen und die Erwiderung des Lucianus, der [S. 012] ihnen unbedenklich seine Fürsprache leiht (Nr. 22). Über diese leichtfertige Nachgiebigkeit und das ungeduldige Drängen der Gefallenen führt Cyprian bald darauf in Rom Klage (Nr. 27), während er den ruhmgekrönten römischen Bekennern für ihren großen Eifer in der Zucht seine Bewunderung zollt (Nr. 28). Mit Entschiedenheit tritt auch die römische Geistlichkeit unter Novatians Führung gegenüber den Opfern der Verfolgung für die Forderung strengster Buße ein (Nr. 30). Ebenso beweist die dankerfüllte Antwort der römischen Bekenner (Nr. 31), daß die anfängliche Verstimmung gegen Cyprian inzwischen längst der Erkenntnis gewichen ist, daß seine freiwillige Flucht von größtem Segen war. Nochmals beschwert sich der karthagische Bischof über die Anmaßung vieler Gefallenen (Nr. 35), wovon der römische Klerus in dem abermals von Novatian verfaßten Antwortschreiben mit Bedauern Kenntnis nimmt (Nr. 36). Der diese Gruppe abschließende Brief 37, in dem sich Cyprian bei den römischen Glaubensgenossen für die Kundgabe freundlicher Gesinnung bedankt, zeigt nochmals, welch herzliches Einvernehmen zwischen den beiden großen Gemeinden hergestellt ist.

3) Die übrigen 11 Briefe vor dem Schisma
[Brief 23, 24, 25, 26, 29, 32, 33, 34, 38, 39, 40]:

Neun von diesen Briefen stammen von Cyprians Hand. — Von den anarchischen Zuständen in der karthagischen Gemeinde gibt uns gleich der erste Brief (Nr. 23) eine Vorstellung, ein kurzes und herausforderndes Schreiben des schon erwähnten Lucianus, der allen Gefallenen „en bloc“ die kirchliche Gemeinschaft gewährt, ohne erst die Meinung des Bischofs einzuholen; natürlich wird diese Zumutung von ihm mit Entschiedenheit abgelehnt (Nr. 26). Auch im Brief 33 muß Cyprian einige besonders zudringliche Gefallene in die Schranken weisen, obwohl sie ihren Anspruch auf Empfehlungen von Märtyrern stützen, und im Brief 34 billigt er den Ausschluß zweier Kleriker, die sich durch die ständige Gemeinschaft mit Gefallenen befleckt haben. Dagegen kann Cyprian auf eine Anfrage des Bischofs [S. 013] Caldonius (Nr. 24 seine Zustimmung erteilen zur Wiederaufnahme einiger Gefallenen, die inzwischen als tapfere Bekenner ihr Vergehen wieder gesühnt haben (Nr. 25). Neben einem Begleitschreiben zu mehreren Briefabschriften (Nr. 32) enthalten die noch übrigen Schreiben (Nr. 29, 38, 39, 40) lediglich die Mitteilung von der Ernennung neuer Kleriker an seine Gemeinde.

4) Die auf das Schisma des Felicissimus bezüglichen Briefe (250―251)
[Brief 41—43]:

Für die Entstehung und den Verlauf dieser gefährlichen Bewegung, die bereits in der Einleitung des ersten Bandes (S. XX f.) geschildert ist, bilden die genannten drei Briefe die wichtigste Quelle. Im ersten Schreiben (Nr. 41) verlangt der Bischof den Ausschluß des Aufwieglers; mit militärischer Kürze meldet ihm in etwas plumper Sprache sein Vertreter in Karthago alsbald den Vollzug seiner Anordnung (Nr. 42). Zur Beruhigung der offenbar stark erregten Gemeinde rechtfertigt sodann der Bischof im Brief 43 ausführlich sein scharfes Vorgehen und stellt seine Rückkehr und eine Kirchenversammlung für die Zeit gleich nach Ostern in Aussicht.

Ein Rückblick auf die Korrespondenz des karthagischen Bischofs von seiner Flucht (Januar 250) bis zu seiner Rückkehr (März 251) — unter den 39 Nummern sind 30 eigenhändige Schreiben Cyprians — zeigt am besten, welch fruchtbare Wirksamkeit der wachsame Oberhirte von seinem Zufluchtsort aus inmitten der mannigfachen Wirren und Unruhen entfaltet hat. Daß er aus all diesen Kämpfen trotz seiner Abwesenheit als Sieger hervorging, mußte zur Hebung seines Ansehens auch über Afrika hinaus gewaltig beitragen.

III. Der Briefwechsel mit den Päpsten Cornelius u. Lucius: Das Schisma des Novatianus (251―254)
[Brief 44—61; 64, 66]:

Im Mittelpunkt dieser Korrespondenz steht das novatianische Schisma, das zwar zunächst die römische [S. 014] Kirche betraf, aber wegen der Verquickung mit der Gefallenenfrage und durch die engen Beziehungen des karthagischen Presbyters Novatus zu Novatian auch die afrikanische Kirche mitergriff. Bald nach Cyprians Rückkehr hatte ein Konzil (Ende März 251) den Ausschluß des Felicissimus and seiner Anhänger bestätigt. Die gleiche Kirchenversammlung entschloß sich, in der Behandlung der Gefallenen einen Mittelweg einzuschlagen und diese je nach ihrem Vergehen nach entsprechender Bußzeit wieder in die Kirche zuzulassen. — Inzwischen hatte man in Rom auf den seit Fabians Tod unbesetzten Stuhl Petri (Mitte März 251) den Papst Cornelius erhoben, dem aber bald darauf der hochgebildete und angesehene, aber ehrgeizige Presbyter Novatianus als Gegenbischof entgegentrat. Da dieser von nun ab in der Gefallenenfrage den strengeren Standpunkt vertrat, so gelang es ihm, vor allem auch unter den Bekennern beträchtlichen Anhang zu gewinnen. Diesem folgenschweren Schisma gegenüber verhielt sich der karthagische Bischof angesichts der widersprechenden Gerüchte zunächst abwartend, trat dann aber in der Folge mit seiner ganzen Persönlichkeit für den rechtmäßig gewählten Cornelius ein.

Auf Grund zuverlässiger Meldungen spricht Cyprian dem Papste im Brief 44 die Anerkennung seiner Wahl aus; zugleich berichtet er ihm von den Umtrieben der Vertreter Novatians. Seine anfängliche Zurückhaltung erklärt und begründet der karthagische Bischof in einem weiteren Schreiben (Nr. 45). Als treuer Bundesgenosse steht er seinem römischen Amtsgenossen in dem folgenden Brief (Nr. 46) zur Seite, in dem er die zu Novatian abgefallenen römischen Bekenner beschwört, wieder zu der einen Kirche zurückzukehren; mit einem Begleitschreiben (Nr. 47) sendet er ihn zuerst an den Papst selbst. Auch die Gemeinde Hadrumetum muß Cyprian bei dem Papst wegen ihrer verspäteten Anerkennung in Schutz nehmen (Nr. 48). Eine große Genugtuung für den karthagischen Bischof war es, als ihm bald darauf Cornelius die Rückkehr der Bekenner mitteilen konnte (Nr. 49), die ihm auch selbst noch diese erfreuliche Tatsache in einem Brief bestätigten (Nr. 53); die Briefe 51 und 54 überbringen die Glückwünsche des [S. 015] karthagischen Bischofs an Cornelius und die Bekenner. Daß aber die Bemühungen der Gegner noch keineswegs erlahmten, zeigt ein Warnungsschreiben des römischen Bischofs (Nr. 50), für das Cyprian im 52. Briefe seinen Dank ausspricht. Auch im übrigen Afrika waren die Novatianer mit Erfolg tätig; in Brief 55 muß der karthagische Oberhirte auf die Anfrage eines numidischen Amtsgenossen ihre gehässigen Verleumdungen gegen Cornelius widerlegen.

Fragen der Bußdisziplin ist wieder der 56. Brief gewidmet, der bußfertigen Gefallenen vorbehaltlich der Entscheidung des nächsten Konzils Wiederaufnahme in Aussicht stellt. Dieser milderen Auffassung schloß sich dann auch die im Mai 252 tagende Versammlung angesichts der Anzeichen einer neuen Verfolgung an; ein Synodalschreiben (Nr. 57) gibt dem römischen Bischof von dem Beschluß Kenntnis. Von dieser drohenden abermaligen Verfolgung spricht Cyprian auch im Brief 58, in dem er bedauert, die Gemeinde Thibaris nicht besuchen zu können, und die Brüder zur Standhaftigkeit im Glauben ermuntert.

Gleich nach der Maisynode hatten allerlei Mißvergnügte, unter ihnen Privatus und Felix, in der Person des Fortunatus einen karthagischen Gegenbischof erhoben. Die lügenhaften Meldungen seiner Sendboten verfehlten selbst auf Cornelius ihren Eindruck nicht ganz, was Cyprian mit Verwunderung feststellt (Nr. 59). Das neue Schisma scheint dann aber bald in sich zusammengebrochen zu sein.

Die von Cyprian vorausgesehene Verfolgung brach zuerst in Rom aus, und als eines der ersten Opfer mußte Papst Cornelius nach Centumcellae in die Verbannung gehen. Voll Bewunderung spricht Cyprian dem glaubensstarken Amtsbruder seine Glückwünsche aus (Nr. 60). Als dann Cornelius bald darauf starb und am 25. Juni 253 Lucius an seine Stelle trat, traf auch diesen das Verbannungsurteil, doch konnte er nach einiger Zeit ruhmgekrönt nach Rom zurückkehren, wozu ihn Cyprian im Namen der afrikanischen Bischöfe beglückwünscht (Nr. 61).

[S. 016] Das Synodalschreiben Nr. 64 tadelt einen Bischof Fidus wegen verfrühter Aufnahme eines gefallenen Priesters; auch seine Ansicht über den Zeitpunkt der Kindertaufe wird als irrig und falsch zurückgewiesen. Daß auch Cyprians persönliche Widersacher noch keineswegs verstummt sind, geht aus Brief 66 hervor, in dem er in tapferer Gegenwehr die frechen Vorwürfe eines gewissen Puppianus Punkt für Punkt als unbegründete Verleumdungen bloßstellt.

Nicht genau datierbar sind drei Briefe, die aber zeitlich doch wohl hier einzureihen sind. Mit Brief 62 geht eine größere, durch Sammlung aufgebrachte Summe nach Numidien ab zum Loskauf von Glaubensgenossen, die bei einem Barbareneinfall in Gefangenschaft geraten waren; Brief 63 bekämpft die an manchen Orten eingerissene Unsitte, beim Abendmahl statt des Weines Wasser zu verwenden; Brief 65 endlich verurteilt die Ansprüche eines abgesetzten Bischofs auf seine frühere Würde und untersagt jeden Umgang mit ihm.

IV. Briefe aus der Zeit des Papstes Stephanus: Der Ketzertaufstreit (254―256)
[Brief 67—75]:

Nach der nur acht Monate währenden Amtszeit des Lucius hatte am 12. Mai 254 Stephanus den päpstlichen Stuhl bestiegen, mit dem Cyprian schon bald in einen gewissen Gegensatz geriet. In Spanien waren zwei gefallene Bischöfe abgesetzt worden, doch hatte einer von ihnen in Rom Rückhalt gesucht und gefunden. Da wenden sich ihre rechtmäßigen Nachfolger — soweit reichte bereits Cyprians Ansehen — an den karthagischen Oberhirten mit der Bitte um seine Unterstützung. Auf der Synode gegen Ende des Jahres 254 läßt dieser den beiden Schuldigen jedes Recht auf ihr Amt absprechen und bringt diese Entscheidung den spanischen Gemeinden durch den Brief 67 zur Kenntnis. Auch ein Fall in Gallien läßt auf eine sichtliche Gereiztheit zwischen Rom und Karthago schließen. Als Anhänger Novatians hatte sich der Bischof von Arles dessen strengen Standpunkt [S. 017] gegenüber den Gefallenen zu eigen gemacht. Auf den Einspruch einiger gallischer Bischöfe fordert Cyprian im 68. Brief von Stephanus die baldige Neubesetzung des arelatischen Bischofsstuhles.

Noch weit schärfer spitzten sich die Verhältnisse zwischen den beiden Kirchenfürsten zu, als der gefährliche Ketzertaufstreit ausbrach, der alsbald die katholische Kirche in zwei Lager teilte (vgl. Bd. l, S. XXIX ff.). Durch die Anfrage eines Laien namens Magnus kam die Diskussion der schwierigen Streitfrage, die nach einer baldigen Lösung drängte, in Gang. Getreu der afrikanischen Sitte spricht Cyprian in seiner Antwort (Nr. 69) den Novatianern wie allen Häretikern das Recht der Taufe ab und verlangt die Wiedertaufe aller zur Kirche zurückkehrenden Ketzer. Die gleiche Stellung nimmt das Frühjahrskonzil 255 ein, wie wir aus dem Synodalschreiben Nr. 70 erfahren. Auch Brief 71 enthält eine Verteidigung der alten afrikanischen Gepflogenheit. Von neuem stand das Problem auf der Tagesordnung der Kirchenversammlung des Frühjahrs 256; das Synodalschreiben Nr. 72 teilt Stephanus als Ergebnis mit, daß die Ketzertaufe abzulehnen und häretische Kleriker nur als Laien wieder zuzulassen seien. Alle Einwände dagegen weist Cyprian in einer eingehenden Abhandlung (Nr. 73) zurück. An dem leider nicht mehr erhaltenen Antwortschreiben des Papstes übt der karthagische Bischof in Brief 74 scharfe Kritik. Viel leidenschaftlicher noch, ja fast maßlos tritt in einem ursprünglich in griechischer Sprache abgefaßten Schreiben (Nr. 75) der von Cyprian um seine Meinung angegangene Bischof Firmilian von Cäsarea (in Kappadocien) dem Papst entgegen.

Selbst wenn nach einer Andeutung in Firmilians Brief Stephanus seinen Gegnern wirklich mit dem Ausschluß aus der Kirche gedroht hat, so wurde der endgültige Bruch doch schon durch den Ausbruch der valerianischen Verfolgung und den Tod des römischen Bischofs (2. August 257) verhütet.

[S. 018] V. Die valerianische Verfolgung und Cyprians letzte Verbannung (257-258)
[Brief 76—81]:

Eine Menge von Christen beiderlei Geschlechts, jeglichen Standes und Alters, darunter acht Bischöfe, waren als Opfer der Verfolgung gleich nach Beginn in verschiedene Bergwerke abgeführt und zu schwerer Arbeit verurteilt worden; ein Teil der verschleppten Bekenner war bereits den Strapazen und Mißhandlungen erlegen. Da richtet der besorgte Bischof voll Mitleid aus seinem Exil Curubis herzliche Worte des Trostes an sie (Nr. 76), um ihren Glaubensmut zu stärken; auch eine namhafte Geldspende hat er gesammelt, um ihrer äußeren Not zu steuern. Welch dankbare Aufnahme das warme Schreiben bei den schwergeprüften Duldern fand, zeigen die drei Antworten, die darauf in Karthago einliefen (Nr. 77, 78 und 79); besonders die beiden ersten Briefe wissen die Fürsorge des verdienstvollen Oberhirten für seine Schüler oder Jünger, wie sie sich nennen, ins hellste Licht zu rücken; der letzte wirkt schon durch seine stilistische Hilflosigkeit rührend. In Brief 80 gibt Cyprian auf Grund der Nachrichten aus Rom über den Stand der Dinge seinem Amtsgenossen Successus Mitteilung von dem neuen, verschärften kaiserlichen Erlaß, der in erster Linie den kirchlichen Vorstehern die Todesstrafe androht. Den Schluß der ganzen Sammlung bildet Brief 81, ein ergreifendes Abschiedswort, das der Oberhirte aus seiner letzten Zufluchtsstätte an seine gesamte Gemeinde richtet, fest entschlossen, sich gleich nach der Rückkehr des Prokonsuls nach Karthago zu begeben, um vor den Augen seiner getreuen Herde den Märtyrertod zu erleiden.

Am 14. September 258 fiel sein edles Haupt unter dem Schwert.

Was über die Eigenart und Bedeutung der Schriftstellerei Cyprians in der Einleitung zum ersten Band [S. 019] gesagt ist, gilt in vollem Umfang auch von seinem Briefwechsel, von dessen unschätzbarem Quellenwert schon die obige Inhaltsübersicht eine Vorstellung gibt. Fiel doch Cyprians ganzes Wirken in eine Zeit, in der furchtbare Verfolgungen, verhängnisvolle Schismen und das tiefgehende Zerwürfnis wegen der Ketzertaufe die christliche Welt erschütterten.

Auch für die Kenntnis der römischen Kirche um die Mitte des dritten Jahrhunderts ist der Briefwechsel des karthagischen Oberhirten von größter Wichtigkeit. Von den 151 Schriftstücken, die Harnack feststellt, haben es etwa 60 mit Rom zu tun. „Welch ein Beweis für die Bedeutung Roms, da der Boden dieser Briefsammlung doch Afrika ist!“

Entstanden ist die Sammlung ganz allmählich. Als erster Grundstock kann wohl die schon von Cyprian selbst vorgenommene Zusammenstellung von 13 Briefen an seine Gemeinde gelten, die Duchesne mit Recht als „eine Art Blaubuch“ bezeichnet hat. Das Mommsensche Verzeichnis vom Jahre 359 (vgl. Band l, S. Llll f.) kennt bereits 34 Briefe. — Daß unzählige Christen Erbauung, Trost und Belehrung aus der vielseitigen Korrespondenz schöpften, geht aus der gewaltigen Zahl (431) von Handschriften hervor, die Hans von Soden nachzuweisen vermag; allerdings enthält nur eine einzige die sämtlichen Briefe.

Die zeitliche Reihenfolge ließ sich nur in mühsamer Kleinarbeit aus den Briefen selbst erschließen; doch sind die maßgebenden Forscher (O. Ritschl, Nelke, von Soden, Harnack, Bayard) zu fast übereinstimmenden Ergebnissen gelangt.

Auch sprachlich bietet die Sammlung viel Bemerkenswertes. Eine besondere Stellung nehmen die zwei Novatianbriefe ein (Nr. 30 und 36). Im Gegensatz zu ihrem trefflichen Stil ist eine Reihe von Briefen (Nr. 8, 21, 22, 23, 24, auch 78 und 79) in Vulgärlatein geschrieben, ein Beweis für den bescheidenen Bildungsstand eines Teils der damaligen Kleriker. Immer noch gehörten eben die meisten Gläubigen den unteren Schichten [S. 020] der Bevölkerung an, so daß Gebildete, wie Cyprian oder Novatian, in der Kirche meist rasch zu hohen Ehren gelangten.

Zu der im ersten Band angeführten Literatur sei noch nachgetragen:

A. Harnack, Die Briefe des römischen Klerus aus der Zeit der Sedisvakanz im Jahre 250 (Theol. Abhandlungen, Weizsäcker gewidmet), Freiburg i. Br. 1892;
Miodoński, Anonymus adversus aleatores (enthält auch die 5 Briefe in Vulgärlatein!), Leipzig 1889;
G. Rauschen, Der Ketzertaufstreit zur Zeit des hl. Cyprian (Theologie und Glaube 8), 1916;
Bayard, Saint Cyprien, Correspondance, 2 Bände (Parallelausgabe mit französischer Übersetzung und 53 Seiten Einleitung), Paris 1925.

1: Vgl. von Soden, Die Prosopographie des afrikanischen Episkopats zur Zeit Cyprians, 1909.
2: Vgl. Harnack, Über verlorene Briefe und Aktenstücke, die sich aus der cyprianischen Briefsammlung ermitteln lassen (Texte und Untersuchungen 23 N. F. 8, 2), Leipzig 1902.
3: Vgl. Bd. I, S. XVII ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger