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Methodius von Olympus († 312) - Gastmahl oder Die Jungfräulichkeit (Symposion seu convivium virginum)

Neunte Rede: Tysiane

I. Tysiane.

Tysiane.

Als nun auch Thekla mit ihrer großen Rede am Ende war, da gab nach dem Bericht der Theopatra Arete der Tysiane den Auftrag zu sprechen; die sei lächelnd vor sie hingetreten und habe gesagt: Liebe Arete, du lieber Ruhm der Liebhaber der Jungfräulichkeit, auch ich bitte dich, mir hilfreich zur Seite zu stehen, damit es mir nach so vielen und inhaltsreichen Reden nicht an Worten gebreche. Darum möchte ich mir das Vorwort und die Einleitung zur Rede schenken; sonst brauche ich zuviel Zeit, um Geziemendes davor zu setzen und komme so vom Thema selbst ab; so herrlich und köstlich und majestätisch ist die Jungfräulichkeit! Gott lehrt die wahren Israeliten das Fest der wahren Laubhütten begehen; im Buch Levitikus weist er sie an, wie sie feiern und Festtag halten sollen, und da sagt er, mehr als mit anderem soll ein jeder sein Zelt mit Reinheit schmücken. Ich will die Stelle aus der Schrift hieher setzen, daraus kann allen unzweifelhaft bewiesen werden, wie angenehm und lieb Gott die Tugend der Reinheit ist. „Und am fünfzehnten Tage des siebten Monats, wenn ihr fertig seid mit den Früchten der Erde, sollt ihr dem Herrn sieben Tage feiern und am achten Tage soll Sabbath sein. Und am ersten Tage sollt ihr reife Baumfrucht nehmen und Palmenschmuck und dichte Baumzweige und Weiden und Zweige vom Agnosbaum am Bach und sollt euch freuen vor dem Herrn eurem Gott sieben Tage im Jahre, ein ewiges Herkommen unter euch von Geschlecht zu Geschlecht; im siebten Monat sollt ihr es feiern; in Zelten sollt ihr wohnen sieben Tage lang. Alle Eingeborenen in Israel sollen in Zelten wohnen, damit die Geschlechter, die von euch abstammen, sehen, daß ich die Söhne Israels in Zelten habe wohnen lassen, damals als ich euch herausführte aus dem Lande Ägypten. Ich bin der Herr, euer Gott“1. Die Juden flattern über den bloßen [S. 370] Buchstaben der Schrift dahin, wie die sogenannten Drohnen über die Blätter der Kräuter und nicht über die Blumen und Früchte wie die Bienen; so werden sie durchaus dem Wahn huldigen, diese Worte und Anweisungen gingen auf ein solches Zelt, wie sie es verfertigen, als ob Gott Freude hätte an solch vergänglichem Zierat, wie sie ihn von den Bäumen beschaffen und zum Schmücken verwenden, sie merken eben nichts vom Reichtum der kommenden Güter! Wie die Morgenröte ist solches und wie phantastische Schatten, die die Auferstehung und Errichtung unseres in den Boden gesunkenen Zeltes voraus künden; im siebten Jahrtausend empfangen wir dieses Zelt wiederum in Unsterblichkeit, dann feiern wir das große Fest der wahren Laubhütten in der neuen und unvergänglichen Schöpfung; dann sind die Früchte der Erde eingeheimst, nicht mehr zeugen die Menschen noch werden Menschen gezeugt, sondern es ruht Gott aus von den Werken der Schöpfung. Denn in sechs Tagen hat Gott den Himmel und die Erde geschaffen und die ganze Schöpfung vollendet; da ruhte er am siebten Tage von seinen Werken, die er geschaffen, und segnete den siebten Tag und heiligte ihn; darum wird uns der symbolische Befehl, im siebten Monate, wenn die Früchte der Erde heimgebracht sind, dem Herrn ein Fest zu feiern, d. h. wenn diese Welt zu Ende sein wird im siebten Jahrtausend, wenn Gott nach wahrhafter Vollendung der Ökumene bei uns in Freuden wohnen will. Jetzt aber wird noch eben alles durch seinen mächtigen Willen und seine unerfaßliche Kraft geschaffen: noch bringt die Erde ihre Früchte, noch sammeln sich die Wasser in den Sammelorten, noch wird das Licht geschieden, noch die Zahl der Menschen durch Neuschöpfung vervollständigt, noch geht die Sonne auf zur Herrschaft über den Tag, noch der Mond zur Herrschaft über die Nacht; noch entsprossen der Erde die vierfüßigen Tiere und die Raubtiere und die kriechenden Tiere, noch Vögel und Fische dem wässrigen Elemente. Dann aber, wenn die Zeiten vollendet sind und Gott aufhört diese Schöpfung zu wirken, im siebten Monat, am großen Tage der Auferstehung, da wird ausgerufen das Fest unserer Laub-* [S. 371] *hütte für den Herrn; dieses Festes Symbol und Vorbild ist es, was im Levitikus besprochen wird; wir müssen es durchforschen und die nackte Wahrheit erfassen. Es heißt ja: „Wenn der Weise dies hört, so wird er weiser sein und Gleichnisse verstehen und dunkle Worte, die Sprüche der Weisen und ihre Rätsel“2. Darum sollen die Juden sich schämen, wenn sie die Tiefen der Schrift nicht merken und meinen, das Gesetz und die Propheten hätten alles nur leiblich gemeint, sie streben eben nach dem Irdischen und ziehen den äußern Reichtum dem der Seele vor. Die Schrift läßt sich teilen in einen Typus des Vergangenen und einen Typus des Zukünftigen; nun springen die Frevler von dem Zukünftigen ab und tun, als wäre es schon vergangen, so machen sie aus dem Vorbild die Erfüllung^ wie bei der Schlachtung des Lammes: da meinen sie, das Geheimnis des Lammes sei bloß die Erinnerung an die Errettung ihrer Väter aus Ägypten zu den Zeiten, da die Erstgeburt Ägyptens erschlagen, sie selbst aber gerettet wurden durchs Blutzeichen, das sie an die Pfosten ihrer Türen machten; soweit sind sie noch nicht, daß sie darin auch ein Vorbild der Schlachtung Christi erkennen; und wenn der Erdkreis im Feuer vergeht und die erstgeborenen Kinder des Satans dem Verderben anheimfallen, dann werden die Seelen, die mit Christi Blut geschützt und versiegelt sind, gerettet werden aus dem Zorn und die Racheengel werden zurückweichen vor dem Siegel, das mit Christi Blut ihnen aufgedrückt ist. —

1: Lev. 23,39-43.
2: Spr. 1,5.6.

 

 

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Einleitung zum „Gastmahl“ von Methodius von Olympus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger