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Methodius von Olympus († 312) - Gastmahl oder Die Jungfräulichkeit (Symposion seu convivium virginum)

Achte Rede: Thekla.

I. Thekla.

Thekla.

Nun soll denn das zuerst uns beschäftigen und eben damit sei begonnen: mit dem allerersten, mit der Benennung; erforschen wir den Grund, warum diese höchste und selige Lebensart den Namen παρθενία erhielt, erforschen wir ihre Art und Kraft und schließlich die Früchte, die sie zeitigt. Es laufen ja fast alle Gefahr, sie zu verkennen, sie, die doch unendlich über alle andern Güter der Tugend erhaben ist, um die wir uns plagen zur Reinheit und zum Schmuck unserer Seelen. Läßt man nämlich einen einzigen Buchstaben von παρθενία weg, so klingt das Wort „göttlich“ darin: das besagt, sie allein macht ihren Jünger, den Mysten ihrer unvergänglichen Weihen, Gott ähnlich und ein größeres Gut als dies, der Lust fern und der Trauer, läßt sich nicht erfinden; da wird auch der Schwung der Seele wahrhaftig erfrischt und erhöht und zur leichten Kunst, wenn die alltägliche Gewohnheit heißt: entfliegen dem niedrig-menschlichen Hin und Her. Die Söhne der Weisen haben ja gesagt, unser Leben sei eine Festversammlung [S. 346] und wir seien gleichsam ins Theater gekommen, um das Drama der Wahrheit aufzuführen, nämlich die Gerechtigkeit — unsere Widerparte und Antagonisten aber seien der Teufel und die Dämonen; darum müsse man sich aufrichten und zur Höhe schweben und fliehen die Lockungen und Künste ihrer schönen Worte (die nur äußerlich im Schein der weisen Zucht glänzen), mehr noch als die Sirenen Homers. Da entbrennen viele in den täuschenden Lüsten und lassen die Flügel hängen und schwer herabfallen, obgleich sie unserer Lebensweise anhangen; ihnen sind eben die Sehnen kraftlos und schlaff geworden, von welchen die natürliche Kraft der Flügel aller weisen Zucht abhängt; die so zugerichtete natürliche Kraft erleichtert dann den Absturz ins Verderben der Leiber. Darum, liebe Arete, sei es, daß du diesen Namen trägst, weil du um deiner selbst willen erstrebenswert bist (αίρετή), sei es deshalb, weil du erhebst (αἴρεις) und in die Höhe leitest, du, die allzeit schreitet in blütenweißen Gedanken, komm, sei meine Hilfe in dieser Rede, die du selbst mir anbefohlen!

 

 

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Einleitung zum „Gastmahl“ von Methodius von Olympus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger