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Methodius von Olympus († 312)
Gastmahl oder Die Jungfräulichkeit
(Symposion seu convivium virginum)

Vorrede

„Gastmahl“ oder „Die Jungfräulichkeit“.

[S. 281] [Personen des Dialogs:
Eubulios. Gregorion. Arete. Marzella. Theophila. Thaleia. Theopatra. Thallusa. Agathe. Prozilla. Thekla. Tysiane. Domnina.]

Eub.: Ah, Gregorion, das trifft sich aber gut, daß du mir in den Weg kommst; gerade suchte ich dich. Denn mich verlangt nach Kunde von dem Kreise der Marzella und Theopatra und der andern Jungfrauen, die beim Mahle damals sich zusammen fanden, nach Kunde von den, Gesprächen über die Jungfräulichkeit: wie die gelautet haben. Es heißt ja, so sonderlich glänzend und wacker hätten die Jungfrauen disputiert, daß sie nichts mehr von allem, was zur Sache von Belang, zu sagen übrig ließen. Drum, sollte ein anderer Zweck dich herführen, so schieb solches wieder auf und stehe nicht an, nunmehr in unserm Anliegen der Reihe nach uns alles zu vermelden!

Greg.: Da hat man es! Ich täuschte mich in meiner Erwartung. Schon hat ein anderer zuvor dir Aufschluß gebracht über die Dinge, die dich interessieren. Und ich meinte, du möchtest noch nie und nichts in der Angelegenheit vernommen haben, und bildete mir wohl etwas darauf ein und machte Staat damit, die erste sein zu dürfen, die dir die Neuigkeit bringen sollte! Darum ja war ich voller Eile, nur schnell hieher zu Euch zu kommen — und eben darauf war es mir Angst, daß mir ein anderer den Rang abliefe!

Eub.: Tröste dich! Wir haben ja nichts Genaues erkundet in jenen Dingen — du Wohledle. Der die Botschaft brachte, wußte nur das eine zu berichten, daß Gespräche stattgefunden hätten. Auf unsere Frage nach dem Was und Wie kannte er aber keinen Bescheid.

Greg.: Wollt Ihr dann, was gesprochen wurde von Anfang an alles hören? (Deshalb bin ich eigentlich hie-* [S. 282] *hergekommen.) Oder soll ich jenes übergehen, dieses erwähnen, soweit ich etwas noch der Erwähnung wert sein lasse?

Eub.: Nein, nein! Von vorne an vermelde uns zuerst vom Orte, da jene Gesellschaft tagte, liebwerte Gregorion; dann von den Gerichten und ihrer Zubereitung, und von dir selbst, wie du den Wein kredenztest!
„... aus gold'nen Pokalen
„tranken sie Freundschaft, den Blick zu den Weiten des Himmels erhoben.“1

Greg.: Du bist doch immer der Löwe, wenn man mit dir spricht und so recht voller Übermut; ohne sonderliche Umstände versetzest du einem jeden eins!

Eub.: Liebe Gregorion, es ist nicht der Mühe wert, daß du darum jetzt dich ereiferst. Das war doch unsere Bitte: Erzähle uns die Dinge von Anfang an! Nichts anderes.

Greg.: Nun gut, ich will es versuchen. Zuvörderst aber antworte du mir: Kennst du wohl der Philosophia Tochter, die Arete?

Eub.: Was solls?

Greg.: Sie war es, in deren Garten — gen Aufgang ist seine Lage — die Einladung uns rief, zu kosten von des Jahres Früchten. Wir gingen hin, „ich“ — also erzählte mir Theopatra, denn von ihr bin ich berichtet — „Prozilla und Tysiane. Liebste Gregorion, was war das für ein rauher und schlimmer Pfad, jäh bergan, auf dem wir schritten! Schon näherten wir uns (erzählte Theopatra) dem Platze — da trat uns eine weibliche Gestalt in den Weg. Hoch war ihr Wuchs, schön ihre Formen. Lautlos und majestätisch schritt sie einher. Sie trug ein Gewand, das leuchtete über und über wie Schnee. Und alles an ihr war so göttliche, wahrhaft unbeschreibliche Schönheit. Tiefe Züchtigkeit und dabei doch erhabene Majestät blühten auf ihrem Antlitz, ihr Auge blickte streng und dennoch voller Milde: Nie seit ich denke, sah ich Heiterkeit in solcher Mischung (rief die Erzählerin); und alles an ihr war goldecht, nichts trug sie an sich von erlogenem Schein. Also dies herrliche Weib [S. 283] schritt auf uns zu und, hoher Freude voll, als wäre sie unsere Mutter und sähe uns wieder nach langer Trennung, schlang sie die Arme um eine jede und küßte uns. So sprach sie dazu: Meine Töchter, wie sehr verlangt mich in die Aue der Unverwelklichkeit Euch zu geleiten! Nun seid Ihr mir gekommen, mühsam — vielfältiges Schlangengezücht am Wege hat mit Schrecken Euch versucht. O, meine Blicke gingen nieder zu Euch, ich sah Euch oftmals vom Pfade weichen und Furcht kam über mich, ein Schritt zurück möchte Euch den Absturz in die Tiefen bringen. Doch, dank dem Bräutigam, dem wir Euch angelobten, Ihr lieben Kinder: Er hat unsern Gebeten vollgültige Erhörung gewährt! — Unter diesen Worten waren wir (so die Erzählerin) in die Umhegung eingetreten — die Tore standen noch offen —, und drinnen trafen wir allbereits Thekla an, Agathe und Marzella; sie waren bereit zum Mahle. So habe dann alsbald Arete gebeten: Wollet nun auch Ihr bei diesen Schwestern Eurer Art hier der Reihe nach zum Mahle Euch lagern! Wir waren dort, rechne ich recht, an Gästen zehn an der Zahl (so mein Bericht). Das Plätzchen selbst war wunderschön über alle Maßen, ganz erfüllt von köstlichster Ruhe. Eine Luft durchflutete den Raum, gewürzt mit reinen Strahlen des Lichtes, unmerklich fast und doch so wohlgetan! Ein Quell in der innersten Mitte sprudelte leise, als wäre es Öl, süßesten Trank hervor und das klare, reine Wasser floß dahin und bildete Brünnlein. Die aber ergossen sich, einem Strome gleich, über die Ufer und tränkten so den ganzen Boden, Welle an Welle spendend. Es standen denn auch mancherlei Bäume dort, mit frischem Obste reich beladen, und wie die Früchte so lachend herabhingen, floß alles zusammen zu einer einzigen Pracht. Da gab es immerblühende Anger, besäet mit einem Himmel von duftenden Blumen; und ein milder Hauch ging davon aus und trug einen Ozean von Wohlgerüchen herüber. Hier in der Nähe ragte ein hochgewachsener Baum — Agnos; unter dem ruhten wir, um seines Riesendaches und seines dichten Schattens willen.“

Eub.: Ich glaube, dein Mund, wohledle Freundin, verkündet ein neues Paradies und seine Ruhe! [S. 284]

Greg.: Du triffst die Wahrheit, rätst du so. „Nun hatten wir am reichbesetzten Mahle uns gelabt und mannigfacher Freude genossen und nichts war da mehr an Erquickungen, dessen wir noch Mangel spüren mochten. Da trat hernach (erzählte sie) Arete herein und also hub sie an: Herzliebe Mägdlein, Ihr der Stolz meiner höchsten Gedanken, Ihr jungfräulich-schönen Gärtnerinnen in Christi nie Versehrten Auen, die Ihr pfleget mit der Keuschheit Lilienhänden, nunmehr sei es genug des Schmausens und Behagens; denn in Fülle und neidlosem Maße bot alles, was unser ist, sich dar. Was mag es nun sein, was ich noch mehr will? Worauf warte ich noch? Daß eine Lobrede jede von Euch auf die Jungfräulichkeit spreche. Marzella soll den Reigen eröffnen, sie, die den ersten Platz einnimmt und zudem auch Alterskönigin ist. Und wenn sie dann trefflich um den Preis gerungen: ich müßte mich selbst verachten, machte ich nicht aus ihr ein Ziel eifernder Nachahmung, wenn ich dann der Weisheit makellose Blätterkrone ihr um die Stirne winde.

1: II. δ. 3,4.

 

 

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Einleitung zum „Gastmahl“ von Methodius von Olympus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger