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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)
4. Buch

6. Kapitel: Diese wünschenswerte Verbindung zwischen innerer Weisheit und äußerer beredter Darstellung ist aufs glücklichste von den Verfassern der heiligen Schriften erreicht

9. Hier stellt vielleicht jemand die Frage, ob unsere Verfasser, deren von Gott inspirierte Schriften uns einen Kanon von so heilsamem Ansehen schufen, nur weise oder auch beredt genannt werden müssen. Diese Frage findet bei mir und meinen Gesinnungsgenossen eine sehr einfache Beantwortung: wo ich sie nämlich verstehe, da kann mir nicht bloß nichts weiser, sondern auch nichts beredter scheinen. Und ich wage die Behauptung, daß alle, die sie recht verstehen, auch so gut wie ich begreifen, daß die Verfasser gar nicht anders sprechen durften. Denn wie es eine Beredsamkeit gibt, die sich mehr für das jugendliche Alter schickt, und wie es eine andere gibt, die mehr fürs Greisenalter paßt, und wie eine Beredsamkeit ihren Namen nicht mehr verdient, wenn sie mit der Person des Redenden in Widerspruch steht, so gibt es auch eine Beredsamkeit, die sich für Männer schickt, die das allerhöchste Ansehen verdienen und geradezu göttlichen Charakter an sich tragen. Mit dieser Beredsamkeit sprechen sie, für sie paßt keine andere, so wenig wie die ihrige für andere Menschen paßt, Für sie paßt sie nun einmal, und je niedriger sie anderen zu sein scheint, um so höher ragt sie in Wirklichkeit empor nicht an Aufgeblasenheit, sondern an fester Kraft. Wo ich diese Männer aber nicht verstehe, da leuchtet mir zwar ihre Beredsamkeit weniger ein, aber trotzdem zweifle ich nicht, daß sie hier ebenso vorhanden ist, wie dort, wo ich sie verstehe. Denn gerade das Dunkel der heilsamen göttlichen Aussprüche mußte mit einer Mischung von solcher Beredsamkeit dargestellt werden, daß unser Verstand dadurch nicht allein durch das Auffinden, sondern auch durch die Übung gewinnen mußte.

10. Hätte ich Zeit, dann könnte ich den ganzen Vorzug und Schmuck der Beredsamkeit, um dessenwillen diejenigen aufgeblasen sind, die ihre eigene Sprechweise der Sprache unserer (heiligen) Schriftsteller zwar nicht wegen ihrer Erhabenheit, sondern wegen ihres Schwulstes vorziehen, auch in den heiligen Schriften jener Männer nachweisen, welche die göttliche Vorsehung zum voraus berufen hat, um uns zu unterweisen und aus dieser verkehrten Welt ins ewige Leben zu versetzen. Aber nicht jene Vorzüge, die diese Männer mit den Rednern und Dichtern der Heiden gemein haben, ergötzen mich an ihrer Beredsamkeit mehr als ich sagen kann: sondern ich staune voll Bewunderung noch mehr das an, daß sie von unserer Beredsamkeit in einer ihnen ganz eigentümlichen Art so Gebrauch gemacht haben, daß diese Beredsamkeit in ihren Schriften weder ganz fehlt noch auch sich auffallend bemerkbar macht. Die heiligen Verfasser durften sie nämlich weder mißbilligen noch auch besonders zur Schau tragen: das erstere geschähe dann, wenn ganz auf sie verzichtet würde, das letztere aber könnte man annehmen, wenn sie (allzu) leicht zu erkennen wäre. Wo sie nun wirklich von gelehrten Männern erkannt wird, da werden solche Dinge ausgesagt, daß die an diesen Stellen gebrauchten Worte nicht absichtlich vom Redner beigezogen, sondern den Dingen gleichsam von selbst zu folgen scheinen. Da kann man sehen, daß die Weisheit aus der Brust des Weisen wie aus ihrem Hause hervortritt, und daß ihr wie eine unzertrennliche Dienerin auch ungerufen die Beredsamkeit nachfolgt.

 

 

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Einleitung: Vier Bücher über die christliche Lehre

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger