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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)
3. Buch

16. Kapitel: Es kommen in den heiligen Schriften manchmal befehlende Ausdrücke vor, die einen auf den ersten Blick verwirren könnten

24. Wenn ein gebietender Ausdruck eine Schandtat oder eine Übeltat verbietet oder Nutzen oder Wohltätigkeit anbefiehlt, so ist er nicht bildlich; wenn er aber eine Schandtat oder eine Übeltat anzubefehlen oder Nutzen oder Wohltätigkeit zu verbieten scheint, so ist er figürlich. So sagt Christus: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben1.“ Damit scheint er eine Schandtat oder eine Übeltat anzubefehlen; es ist also nur ein Bild, das befiehlt, am Leiden des Herrn Anteil zu nehmen und mit süßer Freude und zu seinem Heil das im Gedächtnis zu bewahren, daß sein Fleisch für uns gekreuzigt und verwundet wurde2. Es sagt die Schrift: „Wenn dein Feind hungert, so gib ihm zu essen; wenn er dürstet, so reiche ihm zu trinken3!“ Mit diesen Worten schreibt sie ohne Zweifel Wohltätigkeit vor; wenn es aber weiter heißt: „… wenn du dies tust, dann wirst du glühende Kohlen auf seinem Haupte sammeln4“, so möchte man glauben, es sei damit eine Tat des Übelwollens anbefohlen. Daher darf man sich nicht bedenken, diesen Ausspruch für bildlich zu halten. Da man ihn doppelt deuten kann, entweder als sollte man einen Schaden zufügen oder einen Dienst leisten, so soll dich die Liebe eher zum Wohltätigsein rufen. Darum verstehe unter den glühenden Kohlen die brennenden Seufzer der Reue, wodurch der Hochmut desjenigen geheilt wird, der seine Feindseligkeit gegen seinen Helfer in der Not schmerzlich bedauert. Ebensowenig darf man glauben, der Herr verbiete mit den Worten: „Wer seine Seele liebt, wird sie verlieren5“ den Nutzen, nach dem jeder seine Seele retten soll; es ist vielmehr nur figürlich gesagt „er wird sie verlieren“, d. h. er solle den Gebrauch, den er jetzt von seiner Seele macht, vernichten und verlieren, weil dieser Gebrauch unrecht und verkehrt und den zeitlichen Dingen so zugeneigt ist, daß sie die ewigen nicht sucht. Es steht auch geschrieben: „Gib dem Barmherzigen, den Sünder aber nimm nicht auf6!“ Der zweite Teil dieses Ausspruches scheint die Wohltätigkeit zu verbieten, da er sagt: „Nimm den Sünder nicht auf!“ Daher muß man den Ausspruch figürlich so verstehen, daß das Wort „Sünder“ für „Sünde“ steht: seine Sünde also darf man nicht aufnehmen.

1: Joh. 6, 53.
2: Wie die meisten der Kirchenväter hat auch der heilige Augustin an anderen Stellen seiner Schriften, so lib. I. de pecc. mer. 20 und 24, lib. I. contra Jul., diese Stelle im eigentlichen Sinn vom eucharistischen Fleisch und Blut des Herrn verstanden.
3: Sprichw. 25, 21.
4: Röm. 12, 20.
5: Joh. 12, 25.
6: Eccl. 12, 4.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vier Bücher über die christliche Lehre

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger