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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)
3. Buch

14. Kapitel: Es gibt nicht bloß eine relative, sondern auch eine absolute Gerechtigkeit

22. Wenn ungelehrte Leute, die eine andere Lebensweise gewohnt sind, beim Lesen (der Heiligen Schrift) auf solche Taten stoßen, so halten sie dieselben für Schandtaten, wenn sie nicht durch eine höhere Autorität davon zurückgehalten werden. Sie können sich auch gar nicht vorstellen, daß ihr ganzes Verhalten bei ehelichen Verbindungen, bei Gastmählern, in ihrer Art sich zu kleiden und in ihrem ganzen übrigen Lebensbedarf und Unterhalt anderen Völkern und anderen Zeiten schändlich vorkommen kann. Wegen dieser bei unzähligen Gewohnheiten herrschenden Verschiedenheit haben einige Träumer, um mich so auszudrücken, die zwar nicht im tiefen Schlafe der Torheit schlummerten, aber auch nicht zum Lichte der Wahrheit aufzuwachen vermochten, geglaubt, es gebe keine Gerechtigkeit an sich, sondern es gelte eben einem jeden Volke seine Gewohnheit für gerecht: und da nun die Gewohnheit bei jedem Volke anders sei, die Gerechtigkeit aber unveränderlich bleiben müsse, so gebe es ganz offenbar auch nirgends eine wahre Gerechtigkeit. Diese Menschen wußten eben nicht, daß z. B., um nicht zu viel anzuführen, der Grundsatz: „Was du nicht willst, daß man dir tut, das füge auch keinem anderen zu1!“, durch keine Volksverschiedenheit verändert werden kann. Wird dieser Grundsatz auf die Liebe zu Gott bezogen, so ersterben alle Schandtaten; wird er auf die Liebe zum Nächsten bezogen, dann hören alle Übel auf. Denn niemand will, daß seine eigene Wohnung verderbt wird: daher darf er auch die Wohnung Gottes, nämlich sich selbst2, nicht verderben; und niemand will, daß ihm selbst Schaden zugefügt wird; daher darf er auch selbst niemandem schaden.

1: Tob. 4, 16; Matth. 7, 12.
2: Vgl. 1 Kor. 3, 16.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vier Bücher über die christliche Lehre

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger