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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Philipper (In epistulam ad Philippenses)
Zweite (Erste) Homilie. Phil. I, 1-7.

2.

Ein großartiges Zeugnis stellt er ihnen hier aus, ein überaus großartiges, wie man es nur Aposteln und Evangelisten ausstellen kann. Er will sagen: Wenn auch nur eine Stadt euch anvertraut ist, so sorgt ihr (darum) doch nicht für diese allein, sondern tut alles, um Teilnehmer meiner Mühen zu werden, indem ihr überall mir zur Seite steht, mitarbeitet und mitwirkt bei der Verkündigung des Evangeliums. Nicht ein- und zwei- und dreimal bloß, sondern allezeit, von der Stunde an, da ihr gläubig wurdet, bis jetzt habt ihr den Eifer von Aposteln betätigt. Sieh, wie die Christen in Rom sich von ihm zurückzogen! Höre seine Klage: „Das wirst du wissen, daß die in Asien sich alle von mir abgewendet haben1“, und wiederum: „Demas hat mich verlassen2“, und: „Bei meiner ersten Verantwortung ist mir niemand beigestanden3.“ Diese hingegen nahmen, obschon sie abwesend waren, an seinen Drangsalen teil, indem sie Abgesandte zu ihm schickten, ihn nach Kräften unterstützten und es überhaupt an nichts fehlen ließen. Nicht allein jetzt, versichert er, sondern immer und auf alle Weise habt ihr mir geholfen. Also ist es eine „Teilnahme an diesem Evangelium“. Denn wenn jener predigt, du aber dem Prediger Dienste leistest, so nimmst du Teil an seinen Kränzen. Gebührt ja auch bei den körperlichen Wettkämpfen der Kranz nicht dem Kämpfer allein, sondern auch dem Lehrmeister, dem Diener, überhaupt allen, die zur Ausbildung des Wettkämpfers beigetragen haben. Denn wer ihn stärkt und erfrischt, dieser nimmt auch an dem Siege billigerweise teil. Auch in den Kriegen hat nicht der siegreiche Held allein Anspruch auf die Trophäen, sondern auch alle, die ihm Dienste geleistet, können sich rechtens davon zueignen und mit in den Ruhm teilen, da sie durch ihre Dienstleistung mit ihm am Kampfe beteiligt waren. — [S. 18] Der Dienst der Heiligen ist nicht von geringem, sondern sogar von hohem Werte; denn er macht uns zu Teilnehmern an der für sie hinterlegten Belohnung. Es hat z. B. einer ein großes Vermögen um Gottes willen aufgegeben, widmet sich beständig dem Dienste Gottes, führt ein sehr tugendhaftes Leben, indem er in Worten, in Gedanken, in allem die größte Strenge beobachtet. An der Belohnung, die ihm dafür hinterlegt ist, kannst auch du teilnehmen, und zwar ohne daß du so große Strenge betätigst. — Wie? — Wenn du ihn durch Wort und Tat unterstützest, wenn du ihn anspornst durch Gewährung des notwendigen Lebensunterhaltes, durch Leistung jeglichen Dienstes. Denn so wirst du es sein, der jenen rauhen Weg leichter macht. — Wenn ihr daher die Einsiedler in der Wüste bewundert, sie, die das Leben der Engel sich erwählt haben, sie, die das gleiche wie diese in den Kirchen vollbringen; wenn ihr sie bewundert und schmerzlich fühlt, wie sehr ihr hinter ihnen zurückbleibt: nun denn, ihr könnt auf andere Weise deren Genossen werden dadurch, daß ihr (ihnen) dient, daß ihr (sie) unterstützt. Denn auch das ist ein Beweis der Menschenfreundlichkeit Gottes, daß er die Lässigeren, die sich nicht zu einem so abgetöteten, rauhen und strengen Leben verstehen können, auch diese auf einem andern Wege wieder zur gleichen Stufe emporführt wie jene. Und dies nennt Paulus „Teilnahme“. Sie nehmen teil, will er sagen, an unsern leiblichen, wir an ihren geistigen Gütern4. Denn wenn Gott für Geringes und Nichtiges das Himmelreich schenkt, so gewähren seine Diener ihrerseits für Geringes und Irdisches das Geistige; oder vielmehr Gott selbst ist es, der durch ihre Vermittlung das eine wie das andere verleiht. Du bist nicht imstande zu fasten, ein einsames Leben zu führen, auf dem Boden zu schlafen, ganze Nächte zu durchwachen? Du kannst den Lohn für all dieses auf andere Weise erhalten, indem du jenen, der diese beschwerliche Entsagung übt, unterstützest, erquickst, unablässig zur Ausdauer stärkst, ihm die daraus erwachsende Mühe erleichterst. Er steht [S. 19] im Kampfe, er empfängt auch Wunden; du pflege ihn, wenn er vom Kampfe zurückkehrt, nimm ihn mit offenen Händen auf, laß ihn ausruhen und trockne ihm den Schweiß ab, tröste, ermuntere, erfrische seinen abgematteten Geist. Wenn wir mit solchem Eifer den Heiligen dienen, werden wir Teilnehmer an ihren Belohnungen sein. Dies sagt auch Christus: „Machet euch Freunde mittels des ungerechten Reichtums, damit sie euch aufnehmen in ihre ewigen Wohnungen5.“ — Siehst du, daß sie6 Teilnehmer geworden sind? „Vom ersten Tage an“, heißt es, „bis jetzt.“ — Ich freue mich aber, sagt er, nicht nur über das Vergangene, sondern auch über das Zukünftige; denn aus der Vergangenheit schließe ich auch auf die Zukunft.

V. 6: „Indem ich eben das mit Zuversicht holte“, fährt er fort, „daß der, welcher in euch das gute Werk angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“

1: 2 Tim. 1, 15.
2: Ebd. 4, 9.
3: Ebd. 4, 16.
4: Vgl. Röm. 15, 27.
5: Luk. 16, 9.
6: Die Philipper.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger