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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Achtes Buch

16. Kap. Die Besserung der Lage.

16. So lagen die Dinge während der ganzen Verfolgung, die durch Gottes Gnade im zehnten Jahre völlig aufhörte, nachdem sie bereits nach Ablauf des achten Jahres nachzulassen begonnen. Da nämlich die göttliche und himmlische Gnade ihre milde und barmherzige Fürsorge für uns offenbarte, änderten unsere Herrscher, auch jene, die seinerzeit Krieg gegen uns geführt, in überraschender Weise ihre Gesinnung. Sie leisteten Widerruf, indem sie in huldvollen Erlassen und in sehr versöhnlichen Verordnungen die hochemporlodernde Flamme der Verfolgung auslöschten. Die Ursache hier- [S. 402] von war aber nicht, wie man meinen könnte, in menschlichen Regungen, in Mitleid oder in der Güte der Herrscher zu suchen. Weit entfernt! Denn diese sannen von Anfang an bis zu jenem Zeitpunkte täglich auf weitere und schlimmere Maßnahmen gegen uns und steigerten in stets neuen Methoden bald auf diese, bald auf jene Weise unsere Leiden. Vielmehr war es das in die Augen fallende Wirken der göttlichen Vorsehung selbst, die mit dem Volke sich aussöhnte, den Urheber der Leiden aber ergriff und ihren Grimm ausgoß gegen den, der das Unglück der ganzen Verfolgung vor allem angestiftet.1 Wenn nämlich auch nach göttlichem Ratschluß solche Heimsuchungen kommen mußten, so sagt doch die Schrift:2 „Wehe dem, durch welchen das Ärgernis kommt!“ Es ereilte ihn eine von Gott verhängte Strafe, welche an seinem Körper anhub und ihm schließlich ans Leben griff. Inmitten der Teile, die man nicht nennen mag, bildete sich plötzlich eine Erhöhung, sodann ein tiefliegendes, fistelartiges Geschwür. Dadurch wurden unheilbar seine innersten Eingeweide zerfressen. Eine zahllose Menge von Würmern wuchs daraus hervor, und ringsum verbreitete sich Leichengeruch; denn die ganze Masse des Körpers hatte sich infolge der Völlerei schon vor der Erkrankung in einen Fettklumpen verwandelt, der nun faulte und seiner Umgebung einen unerträglichen und ganz schauerlichen Anblick bot.3 Von den Ärzten wurden die einen, die den über alle Maßen abscheulichen Gestank schlechthin nicht zu ertragen vermochten, niedergemacht, die andern, die für die um und um aufgeschwollene und unrettbar verlorene Masse des Körpers kein Heilmittel finden konnten, erbarmungslos hingerichtet.

1: d. i. Galerius.
2: Luk. 17, 1.
3: Leben Konstantins I 57.

 

 

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Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger