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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Achtes Buch

12. Kap. Sehr viele Männer und Frauen, die auf verschiedenartige Weise gestritten.

12. Wozu soll ich jetzt noch die Übrigen mit Namen erwähnen oder die Menge der Männer aufzählen und die verschiedenartigen Qualen der bewundernswerten Märtyrer schildern? Die einen wurden mit dem Beile hingerichtet, wie es in Arabien geschah, andern wurden die Beine zerbrochen, wie es denen in Kappadozien erging, wieder andere wurden mit dem Kopfe nach unten an beiden Füßen aufgehängt und ein schwelendes Feuer darunter angefacht, so daß sie an dem aus dem glimmenden Holze aufsteigenden Qualme erstickten. So verfuhr man in Mesopotamien. Andern schnitt man Nasen, Ohren und Hände ab und verstümmelte sie an den übrigen Gliedern und Teilen des Körpers, wie es in Alexandrien der Fall war. Und was soll ich das Andenken derer in Antiochien erneuern, die auf Feuerherden, nicht damit sie stürben, sondern zwecks langer Peinigung, gebraten wurden oder lieber die Rechte in die Flamme steckten, als das unheilige Opfer berührten? Einige davon wichen der Prüfung aus und stürzten sich, ehe sie in die Gewalt und die Hände der Gegner fielen, von den Dächern hoher Häuser herab, den Tod als Gewinn ansehend gegenüber der Bosheit der Gottlosen.

Da lebte eine Person, heilig und von wunderbarer Seelenstärke, dem Körper nach aber eine Frau, bei allen Antiochenern bekannt auch durch ihren Reich- [S. 390] tum, ihre Geburt und ihren Rang. Ihre zwei jungfräulichen Töchter, ausgezeichnet durch körperliche Schönheit und Reife, hatte sie nach den Gesetzen der Frömmigkeit großgezogen. Heftige Mißgunst, die man gegen die Frauen erregt, war am Werke, auf jede Weise auszukundschaften, wo sie sich verborgen hielten. Man brachte in Erfahrung, daß sie in der Fremde weilten, und lockte sie durch geschickte Klügeleien nach Antiochien zurück. Und so gerieten sie in die Netze der Soldaten. Angesichts der hilflosen Lage, in der sie sich mit den Töchtern befand, setzte die Mutter alle die Gefahren auseinander, die von Seiten der Menschen drohten, und sprach sich und den Mädchen Mut zu, es nicht dahin kommen zu lassen, die unerträglichste aller Gefahren, die Drohung mit Entehrung, auch nur flüchtig mit Ohren hören zu müssen. Die Seele der Knechtschaft der Dämonen preiszugeben, sagte sie, sei schlimmer denn alle Todesarten und jeglicher Untergang. Und sie sprach den Satz aus, daß es nur eine Rettung gebe aus allen diesen Bedrängnissen, die Zuflucht zum Herrn. Auf Grund gemeinsamen Beschlusses legten sie sodann festliche Kleider an, baten die Wächter, als sie eben die Mitte des Weges erreicht, daß sie eine kleine Weile sich zurückziehen dürften, und stürzten sich in den vorbeiströmenden Fluß. So nahmen sie sich selbst das Leben.

Zwei andere Jungfrauen, ebenfalls aus Antiochien, in allem gottgefällige und wahre Schwestern, vornehm von Geburt, von glänzender Lebensführung, jung an Jahren, schön von Gestalt, edel an der Seele, fromm in Sitte und bewunderungswürdig im Eifer, wurden auf Befehl der Dämonendiener ins Meer geworfen, gleich als ob die Erde solchen Schmuck nicht zu tragen vermöchte. Das sind die Ereignisse zu Antiochien.

Schauerlich schon zum Anhören sind die Leiden der Märtyrer im Pontus. Man trieb ihnen scharfes Schilfrohr von der Spitze der Nägel an durch die Finger der [S. 391] Hände. Andern goß man im Feuer geschmolzenes Blei, solange die Masse noch kochte und glühte, über den Rücken und verbrannte ihnen so die notwendigsten Körperteile. Wieder andere erlitten an den Eingeweiden und den Organen, die man nicht nennen mag, erbarmungslos häßliche und unbeschreibliche Qualen, die die edlen und gesetzestreuen Richter in regem Wetteifer ersannen, ihre Grausamkeit als eine Art hervorragender Weisheit darin zur Schau stellend. Wie wenn es um Kampfpreise ginge, suchten sie sich gegenseitig in Erfindung stets neuer Foltern zu überbieten. Als sie dann durch das Übermaß an Bosheit stumpf und des Mordens müde und des Blutvergießens satt und überdrüssig geworden, wandten sie sich zur letzten der Drangsale, die sie selbst allerdings als Güte und Freundlichkeit deuteten, den Anschein erweckend, als stellten sie die Feindseligkeiten gegen uns ein. Denn, sagten sie, es gehe nicht an, die Städte mit dem Blute der Bürger zu beflecken und die erhabene Regierung der Kaiser, die gegen alle wohlwollend und milde sei, in den falschen Ruf der Grausamkeit zu bringen. Der Segen der gütigen kaiserlichen Macht müsse sich auf alle Menschen erstrecken, so daß niemand mehr mit dem Tode bestraft werden dürfe. Dieses ihr Verfahren gegen uns sei durch die Menschenfreundlichkeit der Kaiser aufgehoben. Hierauf erging der Befehl, ihnen die Augen auszustechen und das eine Bein zu lähmen.

Das also war bei ihnen Menschenfreundlichkeit, das die gelindeste der Strafen gegen uns. Zufolge dieser Menschenfreundlichkeit seitens der Gottlosen ist es vollends unmöglich, die Menge jener Ungezählten zu benennen, denen zuerst das rechte Auge mit dem Schwerte ausgestochen und dann mit Feuer ausgebrannt und das linke Bein an der Kniekehle mit glühendem Eisen gelähmt wurde, und die man hierauf, nicht so sehr zur Arbeit als vielmehr zur Mißhandlung und Peinigung, zu den Erzbergwerken der Provinz verurteilte. Unmög- [S. 392] lich ist es auch, der Reihe nach jene weiteren Kämpfe zu schildern, die zu den erwähnten Märtyrern hin andere Streiter bestanden. Ihre Heldentaten sind über jede Beschreibung erhaben.

So zeichneten sich die trefflichen Märtyrer Christi in diesen Peinen vor der ganzen Welt aus und setzten naturgemäß alle, die Zeugen ihres Mutes waren, in Staunen. Lieferten sie doch am eigenen Ich den sichtbaren Beweis, daß die Macht unseres Erlösers wahrhaft göttlich und unaussprechlich ist. Jedes einzelnen mit Namen zu gedenken, wäre zu weitläufig, um nicht zu sagen unmöglich.

 

 

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Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger