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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der vierte Tag. Sechste Homilie. (Gen 1,14-19)
IV. Kapitel. Die Gestirne "sollen zu Zeichen sein", doch nicht im Sinn der Nativitätsstellerei. Letztere ist in religiös-sittlicher Beziehung ein verderblicher Aberglaube, in physischer eine Unmöglichkeit, in mehr als einer Hinsicht eine Absurdität. Sie gleicht dem Spinnengewebe: schwache Geister bleiben darin hängen, starke durchreißen es: die Allgemeinheit und das Alltagsleben gehen darüber zur Tagesordnung über.

17.

Sehr viel aber soll, wie sie behaupten, darauf ankommen, ob günstige oder ungünstige und schädliche Zeichen auf den Geburtsvorgang niederschauen, und bei der Nativität der Unterschied bestehen, daß der Anblick eines günstigen Zeichens Vorteil, der eines ungünstigen [S. 147] und nachteiligen Zeichens Nachteil über Nachteil bedeute. So pflegen sie nämlich die Zeichen, zu denen sie abergläubisch aufblicken, zu benennen: ich muß mich, nachdem ich mich auf ihre Behauptungen beziehe, auch ihrer Bezeichnungen bedienen, damit sie nicht sagen, man habe ihre Beweisführungen nicht sowohl entkräftet und widerlegt, als vielmehr nicht gekannt. Weil sie nun jene unstete und rasche Bewegung nicht genau bestimmen können, kommt es häufig vor, daß sie wegen der Winzigkeit des unbestimmbaren Zeitpunktes und Zeitmomentes den Anblick eines günstigen Zeichens feststellen, wo das Dräuen eines unheilvollen und schädlichen in Sicht kam. Was Wunder, wenn da, wo unschädliche Zeichen verlästert werden, nur Menschen genarrt werden? Hält man sie ihrer Natur nach für schädlich, trifft Gott den Höchsten der Vorwurf, wenn er etwas Schlechtes schuf und zum Urheber eines Unrechts wurde. Hält man aber dafür, daß sie das Unheil, das sie über Schuldlose, die noch keines verworfenen Verbrechens sich bewußt sind, denen vielmehr vor Schuld Strafe zuerkannt wird, heraufbeschwören, aus ihrem eigenen Übelwollen schöpfen: was wäre so unvernünftig und über den rohen Unverstand unvernünftiger Tiere noch hinausgehend, als ein solches gehässiges, oder aber wohlwollendes Verhalten nicht auf Rechnung des Menschen zu setzen, sondern den Bewegungen der Gestirne zuzuschreiben? Nichts, hieße es da, hat der Mensch verschuldet, sondern ein Unglücksstern hat ihn angeblickt; das Saturngestirn trat ihm in den Weg; ein bißchen Ausweichen würde das Unglück abgewendet, das Verbrechen hintangehalten haben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger