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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der vierte Tag. Sechste Homilie. (Gen 1,14-19)
IV. Kapitel. Die Gestirne "sollen zu Zeichen sein", doch nicht im Sinn der Nativitätsstellerei. Letztere ist in religiös-sittlicher Beziehung ein verderblicher Aberglaube, in physischer eine Unmöglichkeit, in mehr als einer Hinsicht eine Absurdität. Sie gleicht dem Spinnengewebe: schwache Geister bleiben darin hängen, starke durchreißen es: die Allgemeinheit und das Alltagsleben gehen darüber zur Tagesordnung über.

15.

Jetzt nun Folgendes. Wie ungereimt ist es, einen, der angeblich im Zeichen des Widders geboren ist, zufolge der Art dieses Tieres, das unter der Herde aus seinesgleichen herausragt, für besonders hervorragend an Einsicht zu halten! Oder für besonders reich, weil der Widder von Natur ein Vlies trage und alljährlich ein kostspieliges Fell bekomme, und darum jenem Menschen anscheinend einträglicher Erwerb beschieden sei! Ähnliche Schlüsse zieht man auch aus dem Zeichen des Stieres und der Fische. Aus der natürlichen Beschaffenheit gemeiner Tiere glaubt man also, die Bewegungen am Himmel und die Bedeutung der Himmelszeichen erklären zu dürfen. Was uns zur Speise dient, stellt unsere bindenden Lebensnormen fest! Was uns Nahrung ist: Widder, Stier, Fische, prägt uns das Sittengesetz ein! Wie wollen sie uns denn die Ursachen der Dinge und die Grundbedingungen dieses Lebens vom Himmel herleiten, wenn sie selbst den Himmelszeichen nur Bewegungsursachen zuteilen, welche sie der Beschaffenheit gemeiner Speise entnehmen? Als freigebig gilt ihnen, wer im Zeichen des Widders geboren ist, weil der Widder nicht ungern von seiner Wolle lasse. Sie wollen eine derartige Tugend lieber auf die Natur eines gemeinen Tieres als auf den Himmel zurückführen, von wo uns heiterer Sonnenschein lacht und häufig Regen niederträufelt. Arbeitsam und dienstwillig sollen jene sein, die bei ihrer Geburt der Stier anglotzte, weil dieses Zugtier bereitwillig seinen Nacken dem Joche beuge; ein Meuchler desgleichen, den der Skorpion bei seiner Geburt umklammerte; das Gift der Bosheit soll er speien, weil es ein giftiges Tier sei. Was [S. 146] schützt du also vor, auf Grund erhabener Himmelszeichen die maßgebende Lebensnorm feststellen zu wollen, und entnimmst doch nur gewissen Lächerlichkeiten den Grund deiner Behauptung? Werden nämlich einem kraft der Himmelsbewegungen solche von Tieren herübergenommene sittliche Proprietäten eingeboren, dann scheint der Himmel selbst dem Einflusse der tierischen Natur zu unterstehen; denn von ihr empfing er den grundwesentlichen Lebensinhalt, den er dem Menschen beschied. Wenn nun das der Wahrheit Hohn spricht, so ist es umso lächerlicher, wenn jene, von aller Wahrheit verlassen, gerade hieraus die Glaubwürdigkeit ihrer Behauptungen schöpfen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger