Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Synesios von Kyrene - Aegyptische Erzählungen über die Vorsehung

Zweite Erzählung

1.

Jetzt offenbarte sich nun der Götter Hülfe, nachdem alles allenthalben von allen Uebeln erfüllt und schon der Glaube an eine Vorsehung aus den Herzen der Menschen verschwunden war, indem die ruchlose Ansicht durch das, was vor den Augen vorging, Bestätigung fand. Nirgends zeigte sich durch menschliche That ein Rettungsmittel, da die Barbaren in der Stadt gelagert hatten. Ihr Befehlshaber wurde des Nachts von Furcht ergriffen — vermuthlich setzten ihm die Korybanten zu — und panische Schrecken befielen bei Tage das Heer. Da dieses öfter geschah, kamen sie außer sich und wußten sich nicht zu rathen; sie zogen umher, einzeln und zu mehreren, alle wie vom Wahnsinn betäubt, jetzt die Schwerter zu ziehen versuchend und gleichsam schon kriegslustig; jetzt wieder jammernd und um Rettung flehend; dann, wieder aufspringend, schienen sie jetzt zu fliehen, jetzt zu verfolgen, als läge ein Gegenhalt in der Stadt verborgen. Allein dort war weder Waffe, noch Kämpfer, sondern sie waren als offenbare Beute vom Typhos verrathen. Auch ist es sehr einleuchtend, daß selbst die trefflich Gerüsteten, sollen sie sich nicht vergebens gerüstet haben, der Gottheit bedürfen und daß der Sieg nicht anderswoher komme; und da natürlich der besser Gerüstete siegt, so entzieht mancher, thöricht urtheilend, der höheren Ursache ihren Werth; denn wenn wir das Unsere gethan haben, so scheint Gott überflüssig zu seyn und streitet sich um den errungenen Sieg. Ist aber das Geschehene, unver- mittelt, und hat es nur in dem Unsichtbaren seinen Grund, so haben wir einen augenscheinlichen, nicht einen Wortbeweis gegen die, welche nicht an die Fürsorge der Götter für die Menschen glauben. So ungefähr war auch jenes beschaffen. Die Kühnen, die Siegenden, die Bepanzerten, deren Spiel und Ernst durchaus, so zu sagen, eine Kriegs- und Schlachtübung war, Reiter auf dem Markte in Reihen einherziehend, unter dem Getöne der Trompete schaarenweise sich bewegend — denn wenn einer eines Marketenders oder eines Schusters bedurfte, oder wenn er sein Schwert fegen wollte, so umgaben jeden bei diesem Geschäfte alle wie eine Leibwache, damit die Schaar auf den Straßen nicht getrennt würde — diese zogen, vor den Unbewaffneten, vor den Wehrlosen, vor den Zagenden, vor den nicht einmal zu siegen Wünschenden mit Macht fliehend, auf ein allgemeines Zeichen aus der Stadt, Kinder, Weiber, und das Köstlichste entführend, als könnten sie nicht öffentlich auch die Frauen der Aegyptier als Sklavinnen fortschleppen. Als das Volk sah, daß sie sich marschfertig machten, begriff es noch nichts was dieß zu bedeuten habe, sondern verzweifelte noch mehr an seiner Rettung, so daß die Einen zu Hause sich selbst eingeschlossen hielten, dort Brand erwartend; die Andern, dem Brande das Eisen vorziehend, sich ein leichteres Werkzeug des Todes verschafften, nicht zu irgend einer Unternehmung, sondern um sich, wann es seyn müßte, selbst zu entleiben; Andere wollten zu Schiffe gehen, und sahen sich im Geiste nach Inseln, Flecken und Städten in der Ferne um; denn jeder Platz schien damals sicherer, als die grofse Thebä, in welcher der Königspallast der Aegyptier war. Als die Götter sie mit Mühe und allmählig dahingebracht hatten, daß sie den Ereignissen Glauben schenkten und, wieder Muth fassend, vielmehr auf ihre Rettung bedacht waren, vernahmen sie diese ihnen sehr unglaubliche Begebenheit.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . Vorrede
. Erste Erzählung
. Zweite Erzählung

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger