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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der dritte Tag. Vierte und fünfte Homilie. (Gen 1,11-13)

XV. Kapitel. Die mannigfache Veränderlichkeit des Wassers in Farbe, Geschmack, Gewicht. Sie bedingt auch den Unterschied der Harze. Der Bernstein pflanzlicher Herkunft. Selbst Salomos Auge durchschaute nicht die letzten Geheimnisse der Natur.

62.

1 Es würde an kein Ende führen, wollte man den Eigentümlichkeiten der einzelnen Dinge nachgehen, ihre Verschiedenheiten mit überzeugender Klarheit auseinandersetzen oder ihre verborgenen und geheimen Ursachen mit endlosen Nachweisen aufdecken. So ist doch das Wasser ein und dasselbe, und nimmt gar oft verschiedenartige Veränderungen an. Die Farbe nach dem Gelände wechselnd, das es bespült, fließt es durch Sandsteppen gelblich dahin, durch Felsenriffe wildschäumend, durch Haine grünlich, durch Blumengefilde verschiedenfarbig: heller leuchtend durch Lilienbeete, rötlich schimmernd durch Rosengärten, reiner ist es im Tau des Grases, trüber im Sumpfe, durchsichtiger im Quell, dunkler im Meere. ― Gleicherweise ändert es auch seinen Kältegrad: in der Hitze wird es siedend heiß, im Schatten kühlt es ab, vom Sonnenstrahl getroffen verdampft es, bei Schneefall gefriert es zu Eis und wird [S. 123] grau. ― Wie wechselt doch auch sein Geschmack! Verschiedentlich mundet es nach der Beschaffenheit der beigemischten Ingredienzien, bald herb, bald bitter, bald scharf, bald widerlich, bald süß. Herben Geschmack nimmt es an von unreifem Fruchtsaft, zerstoßener Nußrinde und ausgepreßten Nußblättern, bitteren von Wermut, scharfen von Wein, widerlichen von Knoblauch, ätzenden von Gift, süßen von Honig. Wird ihm aber Mastix, desgleichen Terpentin oder der Fruchtsaft im Nußinneren beigemischt, läßt es sich leicht in lindes natürliches Öl überführen. ― Als Nährsaft aller Pflanzen aber leistet es jeder einzelnen die verschiedensten Dienste. Ob es die Wurzeln bespült oder aus den Wolken strömend darauf niederrieselt, es strömt allen Teilen in verschiedener Weise Kraft zu: es macht die Wurzel schwellen, den Stamm wachsen, die Äste sich breiten, die Blätter grünen, nährt den Fruchtsamen, mehrt das Obst. Obschon es also der gemeinsame Nährquell aller Bäume ist, erzeugen die einen Arten herbere, andere süßere, die einen spät-, andere frühreife Fruchtsäfte. Sogar auch in der Süßigkeit macht sich ein Unterschied merklich: anders kostet sie sich beim Weinstock, anders bei der Olive, anders beim Kirschbaum, anders bei der Feige, verschieden davon beim Apfelbaum, ungleich anders beim Dattelbaum.

1: Zu Kap. XV: Vgl. hierzu Basil., l. c. 8 u. 9 (Anfang).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger