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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Kolosser (In epistulam ad Colossenses commentarius)

Dritte Homilie. Kol. I, 15—20.

1.

V. 15: „Welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor jeglichem Geschöpfe.“

V. 16: „Denn in ihm wurde alles erschaffen, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn erschaffen;“

V. 17: „und er ist vor allem, und alles besteht in ihm.“

V. 18: „Und er ist das Haupt des Leibes der Kirche ...“

[S. 272] 1. Heute muß ich schuldigerweise das nachtragen, was ich gestern aufgeschoben habe, um eurer vollen Aufmerksamkeit für meinen Gegenstand gewiß zu sein. Von der Würde des Sohnes, wie wir bereits gezeigt haben, spricht Paulus, wenn er sagt: „Welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.“ Wessen Ebenbild nun willst du, daß er sein soll? Gottes? Dann ist er Gott völlig gleich, wo immer du ihn hinversetzen magst. Denn wenn (als Mensch) eines Menschen Ebenbild, so sage es offen heraus, und ich werde mich mit dir als einem Wahnsinnigen nicht weiter abgeben; wenn aber als Gott und Gottes Sohn Gottes Ebenbild, so beweist das seine völlige Gleichheit. — Warum wird nirgends ein Engel Ebenbild oder Sohn genannt, ein Mensch aber beides? Warum? Weil im ersteren Falle die Erhabenheit der Natur bald die große Menge in diese Gottlosigkeit1 gestürzt hätte, während hier die Geringfügigkeit und Niedrigkeit davor sicher stellt und selbst denen, welche Lust dazu zeigten, nicht gestattet, einen derartigen Gedanken aufkommen zu lassen und die Würde des Logos herabzusetzen. Darum setzt die Hl. Schrift wohl da, wo große Niedrigkeit ist, unbedenklich den Ausdruck höchster Ehre; nicht aber da, wo die Natur erhabener ist. — Das Ebenbild des unsichtbaren (Gottes) ist auch selbst unsichtbar und in gleicher Weise unsichtbar; sonst wäre es kein Ebenbild. Denn von einem Ebenbilde als solchem verlangen auch wir, daß es völlig gleich sei; z. B. die Züge und die Ähnlichkeit unverändert wiedergebe. Hier auf Erden aber ist das durchaus unmöglich; denn menschliche Kunst schlägt vielfach, ja in allem fehl, wenn es auf strengste Genauigkeit ankommt. Bei Gott aber kann von einem Abirren oder Fehlschlagen nie und nimmer die Rede sein. — Wenn aber der Sohn ein Geschöpf ist, wie wäre er dann ein Ebenbild des Schöpfers? Ist ja auch das Pferd kein Ebenbild des Menschen. Wenn das Ebenbild nicht das unveränderte Wesen des Unsichtbaren darstellt, warum sollten dann nicht auch die Engel Gottes Ebenbild sein? Denn [S. 273] auch sie sind unsichtbar, nur nicht unter sich selber. Auch die Seele ist unsichtbar; aber ist sie einzig deshalb, weil sie unsichtbar ist, schon Gottes Ebenbild? nicht in derselben Weise, wie er selbst und die Engel Ebenbilder sind2?

1: Gemeint ist der falsche Engelkult der Kolosser. Vgl. 1. Homilie.
2: Die Stelle ist offenbar korrupt, ohne daß die verschiedenen Lesarten eine Handhabe zur Wiederherstellung des ursprünglichen Textes böten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger