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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der dritte Tag. Vierte und fünfte Homilie. (Gen 1,11-13)

XIII. Kapitel. Nutzen der Bäume. Auch Nichtobstbäume sind Nutzholz, wie Zeder und Zypresse. Große Mannigfaltigkeit der Bäume und ihres Schmuckes. Geschlechtsverschiedenheit und Befruchtung der Bäume (Palme). Künstliche Befruchtung (Kaprifikation, Pfropfreis). Vom Obste. Das Obst eine gesunde Kost, eine natürliche Arznei, neben den Kräutern das älteste Heilmittel der Menschen.

53.

1 Doch wie dürfte ich beim Weinstock allein stehen bleiben, da doch sämtliche Arten von Bäumen [S. 115] nutzbar sind? Die einen traten als Fruchtbäume ins Dasein, andere wurden als Nutzholz verliehen. Denn auch jene, welche keine reichere Frucht tragen, lassen sich umso wertvoller verwenden. So eignet sich die Zeder zur Aufrichtung von Dachgiebeln; denn solches Bauholz läßt sich über weite Räume spannen und drückt nicht schwer auf das Mauerwerk. Zur Deckentäfelung desgleichen und zur Ausschmückunng des Vordergiebels2 paßt Zypressenholz. Daher spricht auch die Kirche im Hohen Liede: „Das Gebälke unserer Behausung sind Zedern, unser Getäfel Zypresse“3. Auf denen, will sie sagen, beruht der zierliche Schmuck ihres Giebelbaues, die wie Balken mit ihrer Tugendkraft den Hochbau der Kirche stützen und ihre Front schmücken. ― Lorbeer und Palme sind Sinnbild des Sieges: der Lorbeer bekränzt des Siegers Haupt, die Palme in der siegreichen Hand ist sein Schmuck. Daher jubelt auch die Kirche: „Ich habe es gesagt, hinaufsteigen will ich auf die Palme und erfassen ihre Höhen“4. Sie schaut die Erhabenheit des Wortes, und voll Zuversicht, zu seiner Höhe und zum Gipfel seiner Weisheit emporsteigen zu können, spricht sie: „Ich will hinaufsteigen auf die Palme“. Alles Niedrige will sie zurücklassen und nach dem Höheren streben, in die Arme Christi, um seine süße Frucht zu pflücken und zu kosten; denn süß ist der Tugend Frucht. ― Worauf anders ferner deutet mystisch die Pappel, der schattige Baum mit der Siegeskrone, und die gefügige, zum Binden der Reben sich eignende Weide5 als auf den Segen der Bande Christi, die nicht schaden, der Bande der Gnade, der Bande der Liebe, so daß jeder seiner Bande sich rühmen darf, wie Paulus sich rühmt mit den Worten: „Paulus, der Gefesselte Jesu Christi“?6 In diese Fesseln geschlagen pflegte er auszurufen: „Wer soll uns scheiden von der Liebe Jesu Christi?“7 ― in die Fesseln der Entsagung, in die [S. 116] Fesseln der Liebe geschlagen. In diese Fesseln geschlagen bekennt auch David: „An die Weiden in ihrer Mitte hingen wir unsere Harfen auf“8. ― Der Buxbaum desgleichen, der mit seinem weichen Holze sich vorteilhaft zum Schnitzen von Buchstaben eignet, lehrt die Kinderhand. Darum das Schriftwort: „Schreib es in Buxbaum!“9 Zugleich soll das Schreibmaterial, das immer grün ist und nimmer sein Laub verliert, dich gemahnen, daß du niemals deine Hoffnung aufgebest und ablegest, sondern daß dir immerdar durch den Glauben die Hoffnung des Heils erblühe.

1: Zu Kap. XIII: Vgl. zu 13, 55 f. Basil., l. c. 7.
2: mit dem Tympanum (Giebelfeld).
3: Hohesl. 1, 17 (Vulg. 16).
4: Hohesl. 7, 8.
5: ‚lenta salix‘ nach Verg., Ecl. III 83.
6: Philem. 1; Eph. 3, 1; 4, 1.
7: Röm. 8, 35.
8: Ps. 136, 2 [Hebr. Ps. 137, 2].
9: Is. 30, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger