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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der dritte Tag. Vierte und fünfte Homilie. (Gen 1,11-13)
IX. Kapitel. Die Giftpflanzen keine Instanz gegen Gottes gütige Vorsehung: sie tragen in ihrer Art zum Ganzen der Schöpfung bei. Die Giftpflanzen Heilmittel, für gewisse Tiere Nahrungsmittel. Ihrer Gefahr läßt sich vorbeugen, ihr Nutzen wahrnehmen: wie versteht sich selbst das unvernünftige Tier auf beides! Der vernünftige Mensch sollte für Gottes Gaben kein Verständnis haben?

39.

Alles aber, was der Erde entsproßt, hat seine besondere Zweckbestimmung und trägt nach Kräften [S. 103] bei zur Vollendung der Gesamtschöpfung. Die einen Erzeugnisse dienen zur Nahrung, andere zu anderweitigem Gebrauch. Nichts ist umsonst, nichts unnütz, was die Erde sproßt. Was dir nutzlos dünkt, nützt anderen, ja nützt häufig dir selbst bei anderweitigem Gebrauch. Was nicht zur Speise dient, wirkt als Heilmittel, und oftmals bietet das nämliche, was für dich schädlich ist, Vögeln und wilden Tieren eine unschädliche Nahrung. So verzehren die Stare, ohne daß es ihnen schadet, den Schierling, indem sie durch ihre physische Beschaffenheit gegen den tödlichen Giftsaft gefeit sind. Dieser Saft nämlich erzeugt ein Frösteln, das sie überschauert. Bevor ihn nun die feinen Poren in die Herzkammer leiten, treiben sie ihn noch rechtzeitig, ehe er die Lebensorgane gefährdet, auf dem Wege der Verdauung ab. Kenner der Nieswurz aber behaupten, sie diene den Wachteln zu Fraß und Futter1, indem diese infolge ihrer glücklichen natürlichen Körperbeschaffenheit der Wirkung der schädlichen Speise entgehen. Wenn sich dieselbe nämlich gar häufig als Medizin zur Heilung des menschlichen Leibes zubereiten läßt, dem sie doch an sich schädlich zu sein scheint, wieviel mehr muß sie, die durch die Hand des Arztes zum Heilmittel sich wandeln läßt, kraft ihrer natürlichen Beschaffenheit ein zuträgliches Nahrungsmittel sein? Ebenso verschafft die Mandragora (Alraun) häufig denen, die am Übel der Schlaflosigkeit leiden, Schlaf2. Was soll ich vom Mohnsaft reden, der auch bei uns bekannt geworden ist und fast täglich als Betäubungsmittel bei recht heftigen innerlichen Schmerzen gebraucht wird3. Auch das ist nicht unbekannt, daß auf Schierling schon oft das Toben der sinnlichen Begierden sich legte4 und mit Nieswurz alte Leiden eines siechen Körpers gehoben wurden5.

1: Vgl. Plin., l. c. X 197.
2: Plin., l. c. XXV 147. 150.
3: Plin., l. c. XX 199. 201.
4: Plin., l. c. XXV 154.
5: Plin., l. c. XXV 54.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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