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Athanasius (295-373)
Unseres heiligen Vaters Athanasius, Erzbischofes von Alexandrien, Brief an den Dracontius
(Epistula ad Dracontium)

1.

[S. 288] Ich bin unschlüssig, was ich schreiben soll; soll ich dich tadeln, daß du die bischöfliche Würde ablehnest, oder daß du auf die Zeitumstände schauest und dich aus Furcht vor den Juden verbirgst? Man mag jedoch die Sache so oder anders betrachten, so verdient dein Verfahren Tadel, mein geliebter Dracontius! Denn du hättest nach dem Empfange der Gnade dich nicht verbergen, und den Uebrigen, da du einsichtsvoll bist, keinen Vorwand zur Flucht geben sollen. Denn viele, welche davon gehört haben, ärgern sich daran, zwar nicht, weil du überhaupt so handelst, sondern weil du, da du die Zeitumstände und die der Kirche drohenden Drangsale siehst, so handelst. Und ich fürchte, du möchtest, indem du deinetwegen fliehest, wegen Anderer bei dem Herrn in Gefahr befunden werden. Denn [S. 289] wenn es für denjenigen,1 „welcher einen der Kleinen ärgert, besser wäre, daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde;“ was wird mit dir geschehen, der du für so viele ein Gegenstand des Aergernisses geworden bist? Denn jene bewunderungswürdige Einhelligkeit des Alexandrinischen Bezirkes, welche bei deiner Erwählung herrschte, wird in Folge deiner Entfernung nothwendig durch Spaltungen zerstört werden, und die Bischofswürde des Bezirkes selbst werden Viele an sich zu reißen suchen, und zwar Viele, welche nicht rechtgläubig, und so beschaffen sind, wie du selbst weißt. Ferner werden die Heiden, welche unter der Bedingung, daß du eingesetzt werdest, Christen zu werden versprochen haben, im Heidenthume verharren, weil deine Aengstlichkeit die ihr verliehene Gnade gering achtet.

1: Matth. XVIII, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger