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Athanasius (295-373) - Unseres heiligen Vaters Athanasius, Erzbischofes von Alexandrien, Brief an den Dracontius (Epistula ad Dracontium)

4.

Denn hätten immer Alle dieselbe Gesinnung gehabt, welche jetzt deine Rathgeber haben, wie wärest du dann ein Christ geworden, da es keine Bischöfe gegeben hätte? Wenn auch unsere Nachfolger so denken würden, wie könnten dann die Kirchen bestehen? Oder glauben deine Rathgeber, du habest nichts empfangen, daß sie dich so verächtlich behandeln? Allein auch dieses thun sie mit Unrecht. Denn sie müßten sonst nur glauben, daß selbst die Gnade der Taufe nichts sey, wenn je Einige diese verachten. Aber du hast sie empfangen, o geliebter Dracontius! Gib deinen Rathgebern kein Gehör und betrüge dich nicht selbst. Denn dieses wird von Gott, der es gegeben hat, wieder zurückgefordert werden. Oder hast du den Apostel nicht gehört, der da spricht:1 „Vernachläßige nicht die Gnadengabe in dir.“ Oder hast du nicht gelesen, wie er denjenigen, welcher das Geld verdoppelt hat, mit Lob empfängt, den aber, welcher es vergraben hat, verdammt? O gebe Gott, daß du schleunigst zurückkehrest, damit auch du einer von denen seyest, welche gelobt werden. Oder sage, wessen Nachahmer dich deine Rathgeber seyn lassen wollen? Denn wir müssen nach [S. 292] der Vorschrift der Heiligen und der Väter unser Leben einrichten, und ihnen nachahmen; wir müssen wissen, daß wir, wenn wir von ihnen abweichen, auch ihrer Gemeinschaft nicht theilhaftig werden. Wem sollst du nach ihrem Willen nachahmen? Etwa demjenigen, welcher zögert, und zu folgen wünscht, es aber aufschiebt und seiner Verwandten wegen sich berathet, oder dem seligen Paulus, welcher gleich nach dem Empfange des Amtes nicht mehr dem Fleische und Blute anhing? Denn obgleich er gesagt hatte:2 „Ich bin nicht werth, ein Apostel zu heißen;“ hat er doch, weil er wußte, was er empfangen hatte, und den Geber wohl kannte, Folgendes geschrieben:3 „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!“ Wie ihm aber Weh widerfahren wäre, wenn er das Evangelium nicht geprediget hätte, so waren ihm, da er lehrte und predigte, die Schüler Freude und Krone. Darum war der heilige Mann bemüht, bis nach Illyrien zu predigen, und kein Bedenken zu tragen, entweder nach Rom zu kommen, oder nach Spanien zu gehen, um, je mehr er gearbeitet hätte, einen desto größern Lohn zu empfangen. Daher rühmte er sich, einen guten Kampf gekämpft zu haben, und war voll Zuversicht, die große Krone zu erlangen. Wenn also, theuerer Dracontius, ahmest du durch dieses Benehmen nach? Ihm, oder denen, die ihm unähnlich sind? Ich wenigstens wünschte, daß du und ich selbst Nachahmer aller Heiligen seyn möchten.

1: 1. Timoth. IV, 14.
2: 1. Kor. XV, 9.
3: 1. Kor. IX, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger