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Athanasius (295-373) - Vertheidigung der Lehre des heiligen Dionysius von Alexandrien. (De sententia Dionysii)

26.

Hieraus geht also hervor, daß der Brief an den Euphranor und den Ammonius in einer andern Absicht und mit kluger Rücksicht von ihm geschrieben wurde; denn dieses beweiset auch seine Vertheidigung. Und es ist dieses wirklich eine Form, welche passend ist, um zum Umsturze des Wahnsinnes des Sabellius zu überreden, daß derjenige, welcher dessen Anhänger schnell überführen will, nicht mit Beweisen, welche die Gottheit des Wortes darthun, den Anfang mache, daß nämlich der Sohn das Wort, die Weisheit und die Kraft ist; noch mit dem Ausspruche:1 „Ich [S. 286] und der Vater sind Eins;“ damit jene nicht das, was richtig gesagt worden ist, verdrehen, und davon Anlaß zu einem unverschämten Streite nehmen, indem sie hören:2 „Ich und der Vater sind Eins;“ und:3 „Wer mich sieht, der sieht auch meinen Vater:“ sondern daß er nach dem Beispiele des Erlösers dasjenige, was menschlicher Weise von demselben gesagt ist, vorausschicke; dergleichen sind, hungern, müde seyn, und daß er ein Weinstock sey, daß er gebetet und gelitten habe. Denn je niedriger diese Ausdrücke sind, desto deutlicher zeigt es sich, daß nicht der Vater Mensch geworden sey. Denn es muß, wenn der Herr der Weinstock genannt wird, nothwendig auch ein Weingärtner daseyn, und wenn er betet, Jemand, der ihn erhört, und wenn er bittet, Jemand, der ihm gibt. Solche Ausdrücke aber beweisen viel deutlicher den Wahnsinn der Sabellianer, weil ein Anderer der Bittende, ein Anderer der Erhörende, und ein Anderer der Weinstock, ein Anderer der Weingärtner ist. Denn alle Worte, welche den Sohn als verschieden von dem Vater darzustellen scheinen, beziehen sich auf das Fleisch, welches er um unsertwillen getragen hat. Denn das Gewordene ist der Natur nach von Gott verschieden; daher wird also, weil das Wort, da das Fleisch etwas Gewordenes ist, Fleisch geworden ist, wie Johannes sagt, obwohl das Wort seiner Natur nach dem Vater eigen und von ihm unzertrennlich ist, der Vater dennoch in Rücksicht auf das Fleisch von demselben weit verschieden genannt; denn die Eigenschaften des Fleisches läßt sich das Wort beilegen, damit daraus erhelle, daß der Leib nicht einem andern, sondern ihm eigen war. Wenn man sich nun dieses denkt, wird Sabellius schneller überführt werden, daß es nicht der Vater ist, welcher Fleisch wurde, sondern daß es sein Wort ist, welches jenes erlöste und dem Vater darbrachte. Und wenn ihn Jemand auf [S. 287] diese Weise zurechtgewiesen und überzeugt haben wird, dann wird er ihn leichter über die Gottheit des Wortes belehren; daß es nämlich das Wort und die Weisheit, der Sohn und die Kraft, der Abglanz und das Ebenbild sey. Denn man muß daraus wieder schließen, daß, wenn das Wort ist, auch der Vater des Wortes seyn müsse; und daß, wenn die Weisheit ist, auch ihr Erzeuger sey, und wenn der Glanz ist, auch das Licht sey, und daß so der Vater und Sohn Eines seyen.

1: Joh. X, 30.
2: Joh. X, 30.
3: Joh. XIV, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger