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Athanasius (295-373) - Vertheidigung der Lehre des heiligen Dionysius von Alexandrien. (De sententia Dionysii)

10.

Indem dieses auch Dionysius lehrte, schrieb er in seinem Briefe an den Euphranor und den Ammonius über das, was über den Erlöser hinsichtlich der Menschheit gesagt ist, wegen des Sabellius. Denn in Beziehung auf die Menschheit ist Folgendes von ihm gesagt worden:1 „Ich bin der Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner;“ und:2 „Welcher dem, der ihn dazu bestellt hat, treu ist;“ und Folgendes:3 „Er hat geschaffen,“ und:4 „Er ist um so viel erhabener als die Engel.“ Es war ihm aber Folgendes nicht unbekannt:5 „Ich bin in dem Vater, und der Vater ist in mir,“ und: „Wer mich sieht, der sieht auch den Vater.“ Denn dieses hat er, wie wir wissen, in den andern Briefen geschrieben, wo er, indem er dieses schrieb, auch der Menschheit des Herrn erwähnte. Denn wie,6 „da er göttlicher Natur war, er es nicht wie eine Beute zur Schau trug, daß er Gott gleich war, sondern sich selbst entäußerte, und Knechtes-Gestalt annahm;“ und wie,7 „da er reich war, er unsertwegen arm wurde;“ so sind, wie die Worte über seine Gottheit großartig und erhaben sind, im Gegentheile die Ausdrücke über seine fleischliche Ankunft niedrig und ärmlich. Daß aber dieses in [S. 267] Bezug auf die Menschheit des Erlösers gesagt ist, kann man daraus ersehen; der Weingärtner nämlich ist hinsichtlich der Wesenheit von dem Weinstocke verschieden; die Reben aber haben dieselbe Natur und sind von derselben Art, wie der Weinstock, auch sind sie von ihm nicht getrennt, und sowohl die Reben als auch der Weinstock sprossen aus einer Wurzel. Es ist aber der Herr, wie er sagt, selbst der Weinstock, wir sind die Reben. Ist also der Sohn gleichen Wesens mit uns, und hat er denselben Ursprung, wie wir, so mag er hierin von dem Vater der Wesenheit nach verschieden seyn, wie der Weinstock von dem Weingärtner; ist aber der Sohn etwas anders als das, was wir sind; ist er das Wort des Vaters, und sind wir aus Erde erschaffen und Nachkommen Adams, so muß jener Ausdruck nicht auf die Gottheit des Wortes, sondern auf dessen menschliche Ankunft bezogen werden, indem auch der Heiland so sprach: Ich bin der Weinstock, ihr seyd die Reben, und der Vater ist der Weingärtner. Denn wir sind dem Körper nach mit dem Herrn verwandt, und deßwegen hat er selbst gesagt:8 „Ich will deinen Namen verkünden meinen Brüdern.“ Und wie die Reben mit dem Weinstocke von gleicher Natur sind, und aus demselben hervorgehen, so empfangen auch wir, die wir Leiber haben, welche mit dem Leibe des Herrn von gleicher Art sind, aus dessen Fülle, und haben ihn als Wurzel zur Auferstehung und zum Heile. Der Vater aber wurde der Weingärtner genannt; denn er hat den Weinstock, welcher die Menschheit des Erlösers ist, durch das Wort gepflegt, er hat uns durch das Wort selbst den Weg zum Reiche bereitet, und Niemand kommt zu dem Herrn, wenn ihn nicht der Vater zu ihm zieht.9

1: Joh. XV, 1.
2: Hebr. III, 2.
3: Sprüch. XXII, 2.
4: Hebr. I, 4.
5: Joh. XIV, 10.
6: Philipp. II, 6.
7: 2. Kor. VIII, 9.
8: Psalm XXI, 23 [Hebr. Ps. 22, 23].
9: Joh. VI, 44.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger