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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der dritte Tag. Vierte und fünfte Homilie. (Gen 1,11-13)
VIII. Kapitel. Die verschiedenen Entstehungsarten der Pflanzen. Die Entwicklungsphasen des Samenkorns: Ein Blick in die Wunder der Pflanzenwelt wie in das wunderbare Walten Gottes. Die Mutter-Erde zahlt dem Landmann, ihrem Gläubiger, mit Zinseszins zurück. Die wundervolle Schönheit der Pflanzenwelt: des "vollen Feldes", der Lilie. Von der Heilkraft der Pflanzen.

34.

„Es sprosse die Erde das Grün des Grases nach seiner Art.“ Und sogleich öffnete die Erde ihren Schoß [S. 99] und verjüngte sich in neuen Erzeugungen, legte an das Kleid frischen Grünes, schmückte sich mit der Anmut üppiger Fruchtbarkeit und empfing mit der bunten Zier sprossender Pflanzen ihren eigenen Schmuck. Wir wundern uns, wie sie ihre Erzeugnisse so schnell hervorbrachte. Wie unvergleichlich größere Wunder erschließen sich dem Auge bei der Betrachtung des einzelnen! Wie beispielsweise das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird, verwest und, wenn es nicht abstirbt, keinerlei Frucht bringt, wenn es aber gleichsam sich selbst abstirbt und der Verwesung anheimfällt, zu überreicher Frucht ersteht! Die gelockerte Scholle1 nimmt das Weizenkorn auf, die Egge deckt die Saat ein und die Erde hegt und befruchtet sie wie in einem Mutterschoße. Wenn sodann das Samenkorn sich auflöst, treibt das sprossende Pflänzlein, das selbst schon einen lieblichen Anblick gewährt, das junge Grün, das sofort seine Art durch die Ähnlichkeit mit seinem Samen verrät: Schon beim ersten Wachstum des Pflänzchens läßt sich die Art des jungen Grüns erkennen und im jungen Grün die (künftige) Frucht ersehen. Allmählich nun entwickelt sich dasselbe zur Pflanze, richtet sich zum Halme erstarkend auf und wächst in die Höhe. Sobald aber die schon mit knotenförmigen Ansätzen versehene Ähre hervorsticht, bilden sich darin Kapseln für die künftige Frucht. Hier nun bildet sich das Korn ― im Inneren, daß nicht die Kälte seine ersten zarten Anfänge schädige oder die Sonnenhitze sie versenge oder rauhe Winde und heftige, stürmische Regenschauer sie ausschlügen. An der Ähre setzen sich allmählich wunderbar kunstvoll geformte Körnerreihen an, die ebenso köstlichen Anblick gewähren wie sicheren Schutz, indem sie durch ein natürliches Gefüge, das die göttliche Vorsehung formte, eng miteinander verbunden sind. Und damit nicht infolge der Schwere der überreichen Frucht die Stützkraft des Halmes versage, ruht er selbst in einer Art Schaft, so daß er, doppeltstark, imstande ist, die vielfältige Frucht zu tragen ohne, weil etwa der Last nicht gewachsen, zur Erde geknickt zu werden. Über die Ähre selbst [S. 100] sodann türmt sich der Wall der Grannen: wie in einer Festung lagernd schiebt sie ihn vor, damit sie nicht unter den pickenden Hieben kleinerer Vögel Schaden leide oder ihrer Frucht beraubt oder durch deren Krallen auf den Boden gestreut werde.

1: ‚putris glaeba‘ auch bei Verg., Georg. I 44.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger