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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

10.

Denn würde jener Gottes Sohn, und würden wlr des Sohnes Kinder genannt werden; so wäre ihre Erdichtung wahrscheinlich; wenn aber auch wir Kinder ebendesselben Gottes, dessen Sohn auch jener ist, genannt werden: so ist es einleuchtend, daß auch wir an dem Vater Theil haben, welcher sagt:1 „Ich habe Kinder erzeugt und erhöht.“ Denn hätten wir keinen Theil an ihm, so würde er nicht sagen: „Ich habe gezeugt.“ Hat aber er gezeugt, so ist kein Anderer, sondern er selbst unser Vater. Es liegt aber nichts daran, wenn jener etwas voraus hat, und zuerst geschaffen worden ist, wir ihm dagegen hierin nachstehen, daß wir später geschaffen worden sind, so lange wir alle an ebendemselben Theil haben, und Kinder ebendesselben Vaters genannt werden. Denn das Mehr oder Weniger zeigt keine [S. 203] verschiedene Natur an, da dieses einem Jeden durch die Ausübung der Tugend verschafft wird; und der Eine wird über zehn, der Andere über fünf Städte gesetzt2; Andere sitzen auf den zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels3; wieder Andere hören:4 „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters!“ und:5 „Wohlan du guter und treuer Knecht!“ Da also jene eine solche Ansicht haben, wähnen sie mit Recht, daß Gott nicht immer der Vater eines solchen Sohnes gewesen sey, sondern daß dieser aus Nichts geschaffen und gemacht worden, und ehe er gezeugt wurde, nicht gewesen sey; denn dieser ist ganz verschieden von dem wahren Sohne Gottes. Weil sie aber dieses nicht mehr wohl sagen dürfen; denn dieses ist mehr die Meinung der Sadducäer und des Samosaten; so ist noch übrig, daß sie in einem andern Sinne, in welchem nämlich Isaak des Abraham Sohn ist, sagen, daß er Gottes Sohn sey. Denn was aus Einem natürlich gezeugt und nicht von Aussen her erworben wird, das erkennt die Natur als Sohn an, und dieses ist die eigentliche Bedeutung dieses Namens. Ist also die Zeugung des Sohnes eine solche, wie die menschliche? Denn dieses werden sie vielleicht, wie einst jene, in ihrer Unwissenheit einwenden. Keineswegs. Denn Gott ist nicht wie ein Mensch, da auch die Menschen nicht Gott sind; denn diese sind aus einer Materie, und dazu noch aus einer des Leidens fähigen erschaffen; Gott aber hat keine Materie und keinen Körper. Werden nun in den göttlichen Schriften dieselben Ausdrücke bisweilen Gott und Menschen beigelegt, so kommt es, wie Paulus sagt,6 scharfsichtigen Menschen zu, auf die gelesene Stelle aufmerksam zu seyn, die Sache zu überlegen, nach der Natur der angedeuteten Gegenstände das Geschriebene zu beurtheilen, und den Sinn nicht zu vermischen, so daß man das auf Gott [S. 204] Bezügliche nicht auf menschliche Weise versteht, und das, was sich auf die Menschen bezieht, nicht so faßt, als wenn es auf Gott sich bezöge. Denn dieses heißt Wein mit Wasser vermischen, und fremdes Feuer zum göttlichen Feuer auf den Altar legen.

1: Isai. I, 2.
2: Luk. XIX, 17.
3: Matth. XIX, 28.
4: Matth. XXV, 34.
5: Matth. XXV, 21.
6: I. Kor. II, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger