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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

5.

Was also Moses lehrte, das bewahrte Abraham; was aber Abraham bewahrte, das erkannten Noe und Enoch, welche Reines und Unreines zu unterscheiden wußten und sich Gott wohlgefällig machten. Denn so gab auch Abel Zeugniß, unterrichtet in der Lehre, die er von Adam vernommen hatte, welcher selbst von dem Herrn sie gelernt hatte, der am Ende der Zeiten kam, um die Sünde zu vernichten, und sprach:1 „Ich gebe euch kein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr vom Anfange gehört habt.“ Darum wollte auch der heilige Apostel Paulus, welcher von demselben unterrichtet worden war, da er kirchliche Vorschriften gab, nicht, daß Diakone, und noch weit weniger Bischöfe doppelzüngig seyen.2 Da er aber den Galatern einen Verweis gab, stellte er die Sache überhaupt so dar:3 „Wenn Jemand euch ein anderes Evangelium verkündigte, [S. 195] als ihr empfangen habt, der sey verflucht; wie ich schon gesagt habe, und abermal sage. Aber wenn auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündigte, als ihr empfangen habt, der sey verflucht!“ Da nun der Apostel so spricht, so sollen diese entweder die Eusebianer, welche ihre Gesinnung änderten und anders lehren, als sie unterschrieben haben, mit dem Fluche belegen; oder sie sollen, wenn sie erkennen, daß jene rechtmäßig unterschrieben haben, einmal aufhören, gegen eine solche Synode zu murren. Wollen sie aber weder dieses noch jenes thun, so ist es offenbar, daß sie von jedem Winde und jeder Fluth hin und her geworfen, und nicht von eigenen, sondern fremden Meinungen geleitet werden. Sind sie aber so beschaffen, so verdienen sie auch jetzt, wo sie solche Vorwände gebrauchen, keinen Glauben; sondern sie sollen vielmehr ablassen, gegen dasjenige Klagen zu erheben, was sie nicht verstehen; denn sie wissen vielleicht nicht einmal zu unterscheiden, sondern nennen geradehin das Schlechte gut und das Gute schlecht, und glauben, daß das Bittere süß, und das Süße bitter sey. Wahrlich, sie wollen das, was als schlecht befunden und verworfen worden ist, in Kraft bestehen lassen, die guten Beschlüsse aber streben sie zu tadeln. Wir hätten nun freilich keine Vertheidigung dieser Beschlüsse mehr unternehmen, und auf ihre nichtigen Vorwände nicht mehr antworten, aber auch sie hätten nicht mehr streiten, sondern demjenigen beistimmen sollen, was die Häupter ihrer Ketzerei unterschrieben haben, denn sie wußten ja, daß die nachher erfolgte Veränderung der Eusebianer verdächtig und tückisch sey. Denn daß sie unterschrieben, nachdem sie sich wenigstens ganz kurz hätten vertheidigen können, dieses beweist, daß die arianische Ketzerei wahrhaft gottlos ist. Denn sie hätten nicht unterschrieben, wenn sie nicht vorher dieselbe verworfen hätten; und sie würden sie nicht vorher verworfen haben, wenn sie nicht überall in Verlegenheit gekommen, und zu Schanden geworden wären. Daher ist [S. 196] ihre Veränderung ein Beweis ihrer Hartnäckigkeit in der Vertheidigung der Gottlosigkeit. Darum hätten sie, wie gesagt, schweigen sollen; da sie aber einen sehr großen Grad von Unverschämtheit haben, und vielleicht glauben, sie könnten besser, als jene, diese teuflische Gottlosigkeit vertheidigen; so werde ich, obgleich ich in meinem vorigen an dich geschriebenen Briefe ausführlicher gegen sie gesprochen habe, dennoch, wohlan! auch jetzt die Behauptungen eines jeden von diesen, wie früher von jenen untersuchen. Denn es wird nicht minder auch jetzt sich zeigen, daß ihre Ketzerei nicht gesund, sondern so zu sagen teuflisch sey.

1: I. Joh. II, 7. Diese Worte des Johannes legt der heil. Athanasius Christo bei; sie lauten aber bei Johannes so: „Ich schreibe euch kein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr vom Anfange gehabt habet. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr vom Anfange an gehört habet.“
2: I. Timoth. III, 8.
3: Gal. I, 9. 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger