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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

26.

[S. 230] Daß aber das Wort Gottes nichts Gemachtes und kein Geschöpf, sondern das eigene und unzertrennliche Erzeugniß der Wesenheit des Vaters sey, wie die große Synode geschrieben hat, dieses, sieh, sagt auch Roms Bischof Dionysius in seinem Schreiben gegen die Sabellianer, wo er gegen diejenigen, welche solches zu sagen sich getrauen, mit folgenden Worten eifert. „Nun werde ich mit Recht gegen diejenigen sprechen, welche die erhabenste Lehre der Kirche Gottes, die Monarchie in gewisse drei Kräfte und getrennte Substanzen und drei Gottheiten theilen und zerschneiden und so zerstören. Denn ich habe gehört, daß Einige von denen, die bei euch das Wort Gottes verkündigen und lehren, diese Ansicht aufstellen, welche, um mich so auszudrücken, die Meinung des Sabellius geradezu durchkreuzen. Denn dieser lästert dadurch, daß er sagt, der Sohn selbst sey der Vater, und umgekehrt; jene aber lehren gewisser Massen drei Götter, indem sie die heilige Einheit in drei einander fremde, von einander völlig getrennte Substanzen theilen. Denn das göttliche Wort muß mit dem Gotte aller Dinge vereint seyn; und der heilige Geist muß in Gott verbleiben und wohnen; und endlich ist es durchaus nothwendig, daß die göttliche Dreieinigkeit auf Einen Punkt, gleichsam auf einen Scheitel-Punkt, (ich verstehe unter diesem den allmächtigen Gott aller Dinge,) zurückgeführt und in demselben zusammengefaßt werde. Denn die Lehre des sinnlosen Marcion, welche die Monarchie in drei Herrschaften zerschneidet und theilt, ist teuflisch, nicht aber die Lehre der wahren Jünger Christi und derjenigen, welche an den Lehren des Erlösers Wohlgefallen finden. Denn diese wissen gar wohl, daß von der göttlichen Schrift zwar eine Dreieinigkeit verkündet werde, drei Götter aber weder das alte noch das neue Testament lehre. Eben so sehr mag man auch diejenigen tadeln, welche glauben, der Sohn sey etwas Gemachtes, [S. 231] und meinen, der Herr sey geschaffen worden, wie eines der wirklichen Geschöpfe, da doch die göttliche Schrift bezeugt, daß er, so wie es für ihn sich geziemt und gebührt, gezeugt, nicht aber gestaltet und gemacht worden sey. Es ist also keine geringe, sondern eine sehr große Gotteslästerung zu sagen, der Herr sey auf irgend eine Weise mit Händen gemacht worden. Denn ist der Sohn gemacht worden, so gab es eine Zeit, wo er nicht war; allein er war immer, wenn er anders in dem Vater ist, wie er selbst sagt1, und wenn Christus das Wort, die Weisheit und die Kraft ist. Denn daß dieses Christus sey, sagen die göttlichen Schriften, wie ihr wohl wisset; dieses sind aber auch Eigenschaften Gottes; wenn nun der Sohn gemacht worden ist, so gab es einmal eine Zeit, wo dieselben nicht waren. Demnach gab es eine Zeit, wo Gott ohne dieselben war. Dieses aber ist sehr ungereimt. Allein warum sollte ich noch weitläufiger hierüber so zu euch sprechen, die ihr Männer seyd, welche der heilige Geist erfüllt, und welche ganz genau die Ungereimtheiten kennen, welche aus der Meinung derer hervorgehen, die den Sohn etwas Gemachtes nennen; Ungereimtheiten, auf welche, wie mir deucht, die Häuptlinge dieser Ansicht nicht geachtet haben, weßwegen sie die Wahrheit gänzlich verfehlten, indem sie anders, als es die göttliche und prophetische Schrift will, die Worte erklärten:2 Der Herr hat mich geschaffen zum Anfange seiner Wege. Denn der Ausdruck, er hat geschaffen, bezeichnet, wie ihr wisset, mehr, als Eine Bedeutung. Denn die Worte, er hat geschaffen, muß man hier in dem Sinne nehmen, als wenn es hieße: Er hat mich den von ihm gemachten Werken vorgesetzt, denen nämlich, welche durch den Sohn selbst gemacht worden sind. Der Ausdruck „geschaffen“ ist hier nicht für „gemacht“ zu verstehen; denn Machen und Schaffen [S. 232] sind von einander verschieden.3 Ist nicht eben dieser dein Vater, welcher dich besessen, und dich gemacht, und dich geschaffen hat? sagt Moses in dem großen Gesange im Deuteronomium. Auch könnte man ihnen zurufen: O ihr Menschen, die ihr euch in Gefahr stürzet! Etwas Gemachtes sollte4 der Erstgeborne der ganzen Schöpfung seyn, er,5 der aus dem Innern vor dem Morgensterne gezeugt wurde, der als Weisheit sagt:6 Vor allen Hügeln zeugt er mich? Ferner wird man in vielen Stellen der göttlichen Schriften finden, daß von dem Sohne gesagt wird, er sey gezeugt, nirgends aber, er sey gemacht worden; woraus sich offenbar ergibt, daß diejenigen eine falsche Ansicht von der Zeugung des Herrn haben, welche dessen göttliche und unerklärbare Zeugung eine Machung zu nennen sich erfrechen. Die bewunderungswürdige und göttliche Einheit darf also nicht in drei Gottheiten getheilt, und die Würde und unermeßliche Größe des Herrn nicht durch das Wort Machung verringert werden; sondern man muß glauben an Gott den allmächtigen Vater, an Christum Jesum seinen Sohn, und an den heiligen Geist, und daß das Wort mit dem Gotte aller Dinge vereint sey. Denn ich, sagt er, und der Vater sind Eins7. Und:8 Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir. Denn so wird sowohl die göttliche Dreieinigkeit als auch die heilige Verkündigung der Alleinherrschaft unversehrt erhalten.“

1: Joh. XIV, 11.
2: Sprüch. VIII, 22.
3: Deuter. XXXII, 6.
4: Koloss. I, 15.
5: Psalm CIX, 3 [Hebr. Ps. 110, 3].
6: Weish. VIII, 25.
7: Joh. X, 30.
8: Joh. XIV, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger