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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

25.

Weil nun die zu Nicäa versammelten Väter diese Ansicht hatten, schrieben sie auch solche Ausdrücke nieder. Daß sie aber dieselben nicht bei sich erdichtet und ersonnen; denn auch dieses wenden jene ein, sondern von Andern, welche [S. 228] früher als sie lebten, erhalten und so ausgesprochen haben, wohlan, auch dieses wollen wir darthun, damit ihnen nicht einmal dieser Vorwand übrig bleibe. Vernehmet also ihr gegen Christus kämpfende Arianer, daß Theognostus1, ein gelehrter Mann, kein Bedenken trug, den Ausdruck „aus der Wesenheit“ zu gebrauchen. Denn da, wo er in dem zweiten Buche seiner Aufsätze von dem Sohne schreibt, sagt er so: „Nicht von Aussen her wurde die Wesenheit des Sohnes aufgefunden, und nicht aus Nichts wurde sie hervorgebracht, sondern aus der Wesenheit des Vaters ist sie erzeugt, wie des Lichtes Glanz und des Wassers Dunst; denn weder der Glanz noch der Dunst ist das Wasser selbst oder die Sonne selbst; auch ist sie nicht etwas fremdartiges, sondern ein Ausfluß aus der Wesenheit des Vaters, doch so, daß die Wesenheit des Vaters keine Theilung erlitten hat. Denn wie die Sonne, welche dieselbe bleibt, nicht verkleinert wird durch die aus ihr ausfließenden Strahlen, so leidet auch die Wesenheit des Vaters dadurch keine Veränderung, daß sie den Sohn zu ihrem Ebenbilde hat.“ So also hat Theognostus, nachdem er die frühern Untersuchungen der Uebung wegen angestellt hatte, nachher, als er seine eigene Meinung darlegte, gesprochen. Da ferner Dionysius, der Bischof von Alexandrien in Folge dessen, was er gegen den Sabellius geschrieben hatte, indem er nämlich die Menschwerdung des Heilandes weitläufig erklärte, und dadurch den Sabellianern nachwies, daß nicht der Vater Fleisch wurde, sondern dessen Wort, wie Johannes sagt2, in den Verdacht gerieth, daß er den Sohn für etwas Gemachtes und Geschaffenes halte, und glaube, derselbe sey mit dem Vater nicht von gleicher Wesenheit; [S. 229] schrieb er an den Bischof von Rom, welcher ebenfalls Dionysius hieß, und sagte bei seiner Vertheidigung, daß dieses eine Verleumdung gegen ihn sey; denn er behauptete, daß er den Sohn niemals etwas Gemachtes genannt habe, sondern bekenne, daß derselbe mit dem Vater gleicher Wesenheit sey. Seine Worte aber sind folgende: „Ich habe auch einen zweiten Brief geschrieben, worin ich bewies, daß die Beschuldigung, welche jene gegen mich vorbringen, eine Lüge sey, diese nämlich, daß ich gesagt hätte, Christus sey mit Gott nicht von gleicher Wesenheit. Denn wenn ich auch gestehe, diesen Namen nirgends in den heiligen Schriften gefunden zu haben, so weichen doch meine folgenden Erörterungen, welche jene verschwiegen haben, von dieser Ansicht nicht ab. Ja auch eine menschliche Geburt habe ich als Beispiel aufgestellt, welche, wie bekannt, von derselben Natur ist, und gesagt, daß die Eltern nur dadurch von ihren Kindern verschieden seyen, daß sie nicht selbst die Kinder sind, und daß es nicht nothwendig sey, daß entweder Eltern oder Kinder seyen. Und diesen Brief kann ich zwar, wie gesagt, wegen der Umstände nicht mittheilen; denn sonst würde ich dir die Worte selbst, welche ich damals schrieb, oder vielmehr die Abschrift des ganzen Briefes übersendet haben, was ich, sobald ich im Stande bin, thun werde. Denn ich weiß und erinnere mich, daß ich mehrere Beispiele der Art aufgestellt habe. Denn ich sagte auch, eine Pflanze, welche aus einem Samen oder einer Wurzel hervorkam, sey verschieden von dem, woraus sie entsprossen sey, habe jedoch durchaus dieselbe Natur, wie jenes; und ein Fluß, welcher aus einer Quelle fließt, habe einen andern Namen angenommen; denn die Quelle werde nicht Fluß, und der Fluß nicht Quelle genannt, und doch seyen beide da, und der Fluß sey Wasser aus der Quelle.“

1: Theognostus, war Vorsteher der alexandrinischen Katechetenschule, wenigstens Lehrer in Alexandria, und schrieb um 260 ― 280. Photinus wirft ihm vor, daß er aus dem Buche des Origenes περὶ ἀρχῶν [peri archōn], dessen Schüler oder wenigstens Verehrer er war, Irrthümer geschöpft habe.
2: Joh. I, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger