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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

24.

[S. 226] Ausgeschlossen aber sey hier wiederum jeder körperliche Gedanke; erheben wollen wir uns vielmehr über jede sinnliche Vorstellung; in reiner Erkenntniß und mit dem Geiste allein wollen wir die Aechtheit des Verhältnisses des Sohnes zum Vater, die Eigenheit, mit welcher das Wort Gott angehört und die vollkommene Aehnlichkeit, welche der Abglanz mit dem Lichte hat. Denn wie die Worte Erzeugung und Sohn nicht nach Art der Menschen, sondern so, wie es Gott geziemt, gebraucht sind und verstanden werden müssen; so dürfen wir, wenn wir den Ausdruck „gleichen Wesens“ hören, nicht den menschlichen Sinnen folgen, und nicht Theilungen und Trennungen der Gottheit uns vorstellen; wir wollen vielmehr, weil wir über unkörperliche Dinge nachdenken, die Einheit der Natur und die Identität des Lichtes nicht trennen. Denn dieses ist eine Eigenthümlichkeit des Sohnes in seinem Verhältnisse zu dem Vater, und dieses zeigt, daß Gott wahrhaft der Vater des Wortes ist. Denn es ist wieder das Beispiel des Lichtes und des Abglanzes hiezu nothwendig. Wer wird sich getrauen zu sagen, der Glanz sey der Sonne fremd und unähnlich? Oder wer wird, wenn er sieht, wie sich der Glanz zur Sonne verhält, und daß das Licht dasselbe sey, nicht kühn sagen: Wahrlich! Licht und Glanz sind Eines, dieser zeigt sich in jenem, und der Glanz ist in der Sonne, so daß der, welcher das Eine sieht, auch das Andere sieht. Wie sollen nun die, welche diese Einheit und natürliche Gleichheit glauben und sehen, dieselbe richtiger bezeichnen, als mit dem Ausdrucke: Erzeugniß von gleicher Wesenheit? Was für ein anderes Erzeugniß Gottes aber könnte man sich auf eine geeignete und geziemende Weise denken, als das Wort, die Weisheit und die Kraft; von welcher man weder sagen darf, daß sie dem Vater fremd sey, noch auch nur denken darf, daß sie nicht immer bei dem Vater gewesen sey. Denn durch dieses Erzeugniß hat der Vater alle [S. 227] Dinge gemacht, und durch dieses dehnt er seine Vorsehung gütig auf alle Dinge aus, und so sind Er und der Vater Eins, wie gesagt wurde; es müßten nur etwa die gottlos Gesinnten abermals sich unterfangen zu behaupten, anders sey die Wesenheit des Vaters, und anders das Licht, welches aus dem Vater in jenem ist, so daß zwar das Licht, welches in dem Sohne ist, Eines mit dem Vater, er selbst aber, als Geschöpf, der Wesenheit nach fremdartig wäre. Allein dieses ist ganz und gar die Ansicht des Caiphas und des Samosaten, welche zwar von der Kirche verworfen wurde, jetzt aber von diesen heimlich in Schutz genommen wird, weßwegen auch sie selbst, weil sie die Wahrheit verlassen haben, als Ketzer erklärt worden sind. Denn ist er überhaupt des Lichtes, welches aus dem Vater ist, theilhaftig, warum ist nicht vielmehr er es, dessen die übrigen Dinge theilhaftig werden, damit nicht ein Mittelding zwischen ihm und dem Vater gefunden werde? Denn wenn es nicht so ist, so wird nicht mehr gezeigt werden können, daß alle Dinge durch den Sohn gemacht wurden; sondern durch denjenigen, dessen auch er theilhaftig ist. Ist er aber das Wort und die Weisheit des Vaters, durch welches der Vater sich offenbart, erkannt wird, erschafft, und ohne welches der Vater nichts thut, so erhellet, daß er das ist, was aus dem Vater ist. Denn seiner sind alle Dinge theilhaftig, indem sie des heiligen Geistes theilhaftig werden. Da er aber so ist, kann er nicht aus Nichts seyn, noch überhaupt ein Geschöpf, sondern er ist vielmehr das eigene Erzeugniß aus dem Vater, wie der Glanz aus dem Lichte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger