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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

22.

Glaubt also Jemand, Gott sey zusammengesetzt, wie in der Wesenheit das Zufällige, oder er habe von Aussen irgend eine Hülle, und werde bedeckt, oder es sey etwas um ihn, was seine Wesenheit ausfülle, so daß wir, wenn wir Gott sagen oder den Namen Vater aussprechen, nicht seine Wesenheit selbst, welche nicht gesehen und nicht begriffen werden kann, sondern etwas von dem, was um dieselbe ist, bezeichnen; so mögen sie die Synode tadeln, welche geschrieben hat, der Sohn Gottes sey aus der Wesenheit desselben. Allein sie sollen bedenken, daß sie durch eine solche Gesinnung eine doppelte Lästerung begehen. Denn sie führen irgend einen körperlichen Gott ein, und sprechen die Unwahrheit aus, daß der Herr nicht der Sohn des Vaters selbst, sondern der Sohn der Dinge sey, welche um jenen sind. Ist aber Gott etwas Einfaches, wie er es auch wirklich ist, so ist es klar, daß wir, wenn wir Gott nennen, oder den Namen Vater aussprechen, nichts, was gleichsam um ihn ist, nennen, sondern seine Wesenheit selbst bezeichnen. Denn obschon man nicht begreifen kann, was eigentlich die Wesenheit Gottes sey; so wollen wir doch, wenn wir nur einsehen, daß Gott ist, da ihn auch die Schrift mit diesen Worten bezeichnet, keinen andern, als ihn, bezeichnen, wenn wir Gott und Vater und Herr sagen. Wenn er also sagt: „Ich bin der, welcher ist;“ und: „Ich bin Gott der Herr,“ [S. 224] und wo immer die Schrift sagt, „Gott,“ sehen wir, indem wir dieses lesen, daß nichts anderes angedeutet werde, als seine unbegreifliche Wesenheit selbst, und daß er der sey, welchen sie angeben. Es verwundere sich also Niemand, wenn er hört, der Sohn Gottes sey aus der Wesenheit Gottes, sondern er stimme vielmehr den Vätern bei, welche, um den Sinn zu erläutern, der größern Deutlichkeit wegen, anstatt des gleichbedeutenden Ausdruckes „aus Gott“ die Worte „aus Gottes Wesenheit“ niedergeschrieben haben. Denn sie glaubten, es sey eines und dasselbe sagen, „das Wort sey aus Gott,“ und sagen, es sey aus Gottes „Wesenheit,“ da ja das Wort Gott, wie gesagt, nichts anders bezeichnet, als die Wesenheit dessen, welcher ist. Wenn also das Wort nicht so aus Gott ist, daß es der Natur nach der wahre Sohn aus dem Vater ist; und wenn man vielmehr sagt, es sey nur auf diejenige Weise aus Gott, wie alle Geschöpfe, weil sie nämlich von dem Schöpfer gemacht worden sind; so ist es freilich nicht aus der Wesenheit des Vaters, und selbst der Sohn ist nicht der Wesenheit nach Sohn, sondern bloß in Folge der Tugend, wie wir, die wir aus Gnade Kinder genannt werden. Ist hingegen er allein aus Gott, als wahrhafter Sohn, wie er es wirklich ist; so kann man ihn mit Recht den Sohn aus der Wesenheit Gottes nennen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger