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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

21.

Wollen also diese die Worte, weil sie fremd sind, nicht gelten lassen; so sollen sie den Sinn beherzigen, in welchem die Synode also geschrieben hat, indem sie verdammen, was die Synode verdammt hat, und dann, wenn sie können, die Ausdrücke tadeln.1 Ich weiß aber wohl, daß sie, wenn sie den Sinn der Synode erwägen, auch gewiß die Worte, welche diesen Sinn bezeichnen, annehmen werden. Wollen sie aber auch diesen tadeln, so leuchtet es [S. 222] Allen ein, daß sie ohne Grund über jene sprechen, und für sich nur Gelegenheiten zur Bewährung ihrer Gottlosigkeit ersinnen. Dieses war also die Veranlassung zu solchen Ausdrücken. Murren sie aber wieder, daß sie nicht in den Schriften sich vorfinden, so sind sie eben dadurch als Leute zu verwerfen, welche eitle Dinge schwätzen und keinen gesunden Verstand haben. Sich selbst aber mögen sie auch hierin anklagen, daß sie zuerst einen solchen Anlaß gegeben, und mit Ausdrücken, die nicht in den Schriften stehen, gegen Gott zu streiten angefangen haben. Ein jeder, welcher wißbegierig ist, soll jedoch erkennen, daß, wenn auch die Worte nicht so in den Schriften sich finden, dieselben doch den Sinn, wie oben gesagt wurde, aus den Schriften haben, und diesen, wenn sie ausgesprochen werden, denjenigen anzeigen, welche für die Gottseligkeit unverletzte Ohren haben. Dieses kannst du einsehen, und dieses können jene Unwissende hören. Es ist vorher gezeigt worden, und dieses muß man in Wahrheit glauben, daß das Wort aus dem Vater, und allein das eigene und natürliche Erzeugniß desselben ist. Denn woher anders sollte man annehmen, daß der Sohn sey, welcher die Weisheit und das Wort ist, und in dem Alles gemacht ist, als aus Gott selbst? Dieses wissen wir jedoch auch aus den Schriften, da der Vater durch den David sagt:2 „Mein Herz gab von sich ein gutes Wort.“ Und:3 „Aus dem Innern erzeugte ich dich vor dem Morgenstern.“ Und da auch der Sohn von sich selbst zu den Juden sagt:4 „Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben; denn ich bin von dem Vater ausgegangen.“ Und wiederum:5 „Nicht als wenn Jemand den Vater gesehen hätte, ausser dem, der von Gott ist; nur der hat den Vater gesehen.“ Und auch folgendes:6 „Ich und der Vater sind Eins;“ und:7 „Ich bin in dem Vater, und der Vater [S. 223] ist in mir,“ ist dasselbe, als wenn er sagte: Ich bin aus dem Vater und kann nicht von ihm getrennt werden. Auch Johannes sagt:8 „Der eingeborne Sohn, der im Schoose des Vaters ist, der hat es erzählt;“ und dieses sagte er, weil er es von dem Heilande vernommen hatte. Denn was bezeichnet der Ausdruck „im Schoose“ anders, als die wirkliche Zeugung des Sohnes aus dem Vater?

1: Sehr treffend spricht sich der heil. Vincentius von Lerius über die Concilienbeschlüsse in dieser Hinsicht aus, in seinem Commonitorium ( K. 27. und 30.) „Was hat endlich,“ sagt er, „die Kirche durch ihre Concilienbeschlüsse anders bewirken wollen, als daß jenes, was vorher ohne Untersuchung geglaubt wurde, jetzt mit größerer Aufmerksamkeit geglaubt, und daß das, was man vorhin gleichsam nur berührte, jetzt mit höherer Kraft verkündet werden sollte? Die Kirche, sage ich, durch die Neuerungen der Ketzer aufgeschreckt, wollte mit ihren Concilienbeschlüssen nichts anders bezwecken, als das nur durch mündliche Uebergabe von den Vätern Ererbte jetzt schriftlich auf die Nachkommen verpflanzen; indem sie Gegenstände von umfassender Wichtigkeit in wenige Zeilen zusammenzog, und gewöhnlich des bessern Uebersehens wegen den alten Sinn des Glaubens durch ein neues Wort bezeichnete.“
2: Psalm XLIV, 2 [Hebr. Ps. 45, 2].
3: Psalm CIX, 3 [Hebr. Ps. 110, 3].
4: Joh. VIII, 42.
5: Joh. VI, 46.
6: Joh. X, 30.
7: Joh. X, 38. u. XIV, 11.
8: Joh. I, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger