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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

20.

Da aber die Bischöfe fernerhin sagten, man müsse schreiben, das Wort sey die wahre Kraft und das Ebenbild des Vaters, und es sey dem Vater in Allem ohne [S. 219] Verschiedenheit vollkommen ähnlich, und unveränderlich, und immer, und ohne Theilung in ihm; denn es gab nie eine Zeit, in welcher er nicht war, sondern das Wort war immer, weil es von Ewigkeit her bei dem Vater war, als Abglanz des Lichtes; ließen sich die Eusebianer dieses zwar gefallen, indem sie nicht zu widersprechen wagten, weil sie sich über die Zurechtweisung schämten, die ihnen vorher zu Theil geworden war; man bemerkte aber, daß sie unter einander murmelten und mit den Augen zu verstehen gaben, die Ausdrücke, ähnlich, immer, Kraft, und in ihm, hätten wir mit dem Sohne gemein, und es sey ihnen nicht unangenehm, wenn wir damit übereinstimmten. Denn was das ähnlich betreffe, so stehe auch in Bezug auf uns geschrieben;1 „Der Mensch ist Gottes Bild und Ehre;“ hinsichtlich des immer aber stehe geschrieben:2 „Denn immer werden wir lebend (in den Tod hingegeben);“ in Betreff des in ihm aber,3 „weil wir in ihm leben und schweben und sind;“ und in Hinsicht auf das unveränderlich, stehe geschrieben:4 „Nichts wird uns trennen von der Liebe Christi.“ Was aber die Kraft betreffe, so werden auch die Raupe und die Heuschrecke Kraft, und zwar eine große Kraft genannt5. Oft wird in der heiligen Schrift mit diesem Worte auch das Volk bezeichnet, wie z. B.6 „Auszog die ganze Kraft des Herrn aus dem Lande Aegypten.“ Auch gibt es noch andere himmlische Kräfte; denn7 „der Herr der Kräfte,“ heißt es, „ist mit uns; unsere Zuflucht, der Gott Jakobs.“ Aehnliches hat auch Asterius, welcher Sophist genannt wird, geschrieben, nachdem er es von ihnen gehört hatte, und vor ihm auch Arius selbst, der es ebenfalls gehört hatte, wie gesagt wurde. Da nun die Bischöfe theils hierin ihre [S. 220] Verstellung bemerkten, theils dieses, daß, wie geschrieben steht,8 „Trug in den Herzen der Gottlosen sey, welche auf Böses sinnen;“ sahen sie sich abermals in die Nothwendigkeit versetzt, den Sinn aus den Schriften zusammenzutragen, und das, was sie früher gesagt hatten, noch deutlicher zu erklären, und zu schreiben, der Sohn sey mit dem Vater gleichen Wesens, um nämlich anzuzeigen, daß der Sohn nicht nur ähnlich, sondern durch die Aehnlichkeit ebendasselbe aus dem Vater sey, und um anzudeuten, daß die Aehnlichkeit und Unveränderlichkeit des Sohnes durchaus verschieden sey von jener Nachahmung, welche, wie man sagt, bei uns Statt findet, und welche wir aus der Tugend durch die Beobachtung der Gebote uns aneignen. Denn was die Körper betrifft, welche unter sich ähnlich sind, so können sie irgend verschieden seyn und weit von einander abweichen, wie es bei den Kindern der Menschen im Vergleiche mit ihren Eltern der Fall ist, wie von Adam und dem aus ihm gezeugten Seth geschrieben steht, daß er ihm ähnlich war nach seiner Gestalt9. Da aber die Zeugung des Sohnes aus dem Vater im Vergleiche mit der Natur der Menschen ganz und gar verschieden ist, und er nicht nur ähnlich, sondern von der Wesenheit des Vaters ganz unzertrennlich ist, und da er und der Vater Eins sind,10 wie er selbst gesagt hat, und immer das Wort in dem Vater, und der Vater in dem Worte ist, so wie der Glanz zum Lichte sich verhält; denn dieses will der Ausdruck sagen: darum hat die Synode, indem sie dieses einsah, mit Recht geschrieben, daß er gleichen Wesens sey, um sowohl die verkehrte Ansicht der Ketzer umzustossen, als auch zu zeigen, daß das Wort von den geschaffenen Dingen verschieden sey. Denn nachdem sie dieses geschrieben hatten, setzten sie sogleich hinzu: „Diejenigen aber, welche sagen, der Sohn Gottes sey aus Nichtseyendem, [S. 221] oder geschaffen, oder veränderlich, oder gemacht, oder aus einer andern Wesenheit, diese verflucht die heilige und katholische Kirche.“ Dadurch aber, daß sie dieses aussprachen, erklärten sie offenbar, daß die Ausdrücke: „Aus der Wesenheit,“ und: „Gleichen Wesens,“ die Sprüche der Gottlosigkeit aufheben, die da lauten: Ein Geschöpf, etwas Gemachtes, etwas Hervorgebrachtes, und Veränderliches, und er sey nicht gewesen, ehe er gezeugt worden sey. Denn wer so denkt, der widerspricht der Synode. Wer aber nicht wie Arius denkt, der denkt und erkennt nothwendig das, was die Synode denkt und erkennt, indem er es richtig ansieht, wie der Glanz sich zum Lichte verhält, und daraus das Bild der Wahrheit erhält.

1: I. Kor. XI, 7.
2: 2. Kor. IV, 11.
3: Ap. G. XVII, 28.
4: Röm. VIII, 35.
5: Joel II, 25.
6: Exod. XII, 41.
7: Psalm XLV, 8 [Hebr. Ps. 46, 8].
8: Sprüch. XII, 20.
9: Genes. V, 3.
10: Joh. X, 30.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger