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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

14.

Ist denn also dieser Ausspruch umsonst geschrieben? Denn so sumsen jene, wie ein Mückenschwarm. Nein! nicht umsonst ist er geschrieben, sondern sehr nothwendig. Denn [S. 209] es heißt von ihm auch, daß er geschaffen wurde, aber da er Mensch ward; denn dieses ist dem Menschen eigen. Daß aber dieser Sinn wirklich in den Aussprüchen liege, wird derjenige finden, welcher das Lesen derselben nicht für eine Nebensache hält, sondern auch die Zeit, die Personen und die Ursache der niedergeschriebenen Gegenstände erforscht, und so das Gelesene untersucht und bei sich erwägt. Er wird also finden und erkennen, daß die Zeit jenes Ausspruchs diese sey, wo der Herr, welcher immer ist, nachher bei der Erfüllung der Zeiten Mensch wurde, und wo der, welcher Gottes Sohn war, auch Menschen-Sohn geworden ist. Er wird auch die Ursache erfassen, daß er, weil er unsern Tod vernichten wollte, sich selbst einen Leib aus der Jungfrau Maria nahm, um diesen für Alle dem Vater als Schlachtopfer darzubringen,1 und uns alle zu erlösen, die wir aus Furcht des Todes das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren. Die Person aber ist die des Heilandes, was nämlich da gesagt wird, wo er nach der Annahme des Leibes spricht:2 „Der Herr hat mich erschaffen, den Anfang seiner Wege zu seien Werken.“ Denn wie es für ihn, in wie fern er der Sohn Gottes ist, ganz gut paßt, daß er ewig ist, und daß er in dem Schoose des Vaters ist, so geziemt es sich auch, nachdem er Mensch geworden ist, für ihn, zu sagen: „Der Herr hat mich erschaffen.“ Denn dann wird in Beziehung auf ihn gesagt: Er hatte Hunger, er hatte Durst, er fragte, wo Lazarus liege, er litt, und er stand auf. Und wie wir, wenn wir ihn Herrn und Gott und das wahre Licht nennen hören, erkennen, daß er aus dem Vater ist; so dürfen wir, wenn wir hören, „er hat erschaffen, er ist Knecht und hat gelitten,“ dieses nicht seiner Gottheit zuschreiben, denn dieses ist ihr fremd; sondern wir müssen es dem Fleische beilegen, welches er unsertwegen getragen hat; [S. 210] denn diesem sind diese Dinge eigen; und dieses Fleisch ist nicht das eines Andern, sondern das des Wortes selbst. Will aber Jemand auch den daraus entstandenen Nutzen kennen lernen, so wird er auch diesen finden. Denn das Wort ist Fleisch geworden, damit es dasselbe für Alle darbrächte, und damit wir, seines Geistes theilhaftig gemacht, Götter werden könnten, was wir anders nicht würden erlangt haben, wenn nicht er selbst unsern geschaffenen Leib angezogen hätte; denn so fingen wir endlich an Menschen Gottes, und Menschen in Christo genannt zu werden. Allein wie wir bei dem Empfange des Geistes die eigene Natur nicht verlieren; so war der Herr, als er unsertwegen Mensch wurde und einen Leib trug, nichts desto weniger Gott; denn er wurde durch die Umhüllung mit dem Leibe nicht verringert, sondern dieser Leib wurde vielmehr göttlich gemacht und unsterblich.

1: Hebr. ll, 15.
2: Sprüch. VIII, 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger