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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

13.

Uebrigens sollen sie es sagen, woher sie dasjenige wissen, oder wer ihnen das überliefert habe, was sie zu einer so irrigen Ansicht über den Erlöser verleitet hat? Wir lasen, werden sie erwiedern, in den Sprüchen:1 „Der Herr hat mich erschaffen, den Anfang seiner Wege zu seinen Werken.“ Denn dieses schienen auch die Eusebianer einzuwenden, und du hast mir durch dein Schreiben kund gethan, daß auch sie, durch viele Beweise wiederlegt und überführt, diesen Ausspruch auf verschiedene Weise wendeten und behaupteten, der Sohn sey Eines aus den Geschöpfen, und ihn den gemachten Dingen beizählten. Allein sie scheinen mir diese Stelle der Schrift nicht recht verstanden zu haben; denn sie enthält einen frommen und ganz richtigen Sinn; und hätten sie diesen verstanden, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gelästert haben. Denn sie dürfen nur ihre oben erwähnte Behauptung mit dieser Stelle vergleichen, und sie werden finden, daß ein großer Unterschied zwischen beiden Statt finde. Denn wer sieht, wenn er einen gesunden Verstand hat, nicht ein, daß die geschaffenen und gemachten Dinge ausserhalb dessen sind, der sie macht, der Sohn hingegen, wie die vorausgehende Erörterung gezeigt hat, nicht ausser, sondern aus dem zeugenden Vater sein Daseyn hat? Denn der Mensch baut zwar ein Haus, zeugt aber einen Sohn, und Niemand wird umgekehrt sagen, das Haus und das Schiff werde von dem Erbauer gezeugt, der Sohn [S. 208] hingegen werde von demselben gebaut und gemacht; noch auch, das Haus sey das Ebenbild des Erbauers, der Sohn aber sey dem Erzeuger unähnlich; sondern man wird vielmehr zugestehen, daß der Sohn das Ebenbild des Vaters, das Haus aber ein Werk der Kunst sey, wenn man nicht krank am Verstande und von Sinnen ist. Die göttliche Schrift, welche die Natur aller Dinge besser, als Alle, kennt, sagt von den geschaffenen Dingen folgendes durch Moses:2 „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde.“ Von dem Sohne aber, deutet sie an, sage kein anderer, als der Vater:3 „Aus dem Innern erzeugte ich dich vor dem Morgenstern.“ Und abermal:4 „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Auch der Herr selbst spricht in den Sprüchen von sich selber:5 „Vor allen Hügeln zeugt er mich.“ Und Johannes spricht von den gemachten und erschaffenen Dingen so:6 „Alle Dinge sind durch ihn gemacht worden;“ von dem Herrn aber sagt er:7 „Der eingeborne Sohn, der im Schoose des Vaters ist, dieser hat es erzählt.“ Wenn er also Sohn ist, so ist er kein Geschöpf; ist er aber ein Geschöpf, so ist er nicht Sohn; denn hierin liegt ein großer Unterschied, und er kann nicht Sohn und Geschöpf zugleich seyn, so daß man nicht glauben kann, daß seine Natur sowohl aus Gott als auch ausser Gott sey.

1: Sprüchw. VIII, 22.
2: Genes. I, 1.
3: Psalm CIX, 3 [Hebr. Ps. 110, 3]. Diese Worte beziehen auch Hieronymus und Augustinus auf die ewige Geburt des Sohnes Gottes aus dem ewigen Wesen des Vaters vor aller Schöpfung, vergl. Hebr. l, 5; andere Väter beziehen sie auf die menschliche Geburt Christi aus dem Schoose der allerseligsten Jungfrau vor dem Anbruche des Morgens. (Tertulian) vergl. Hebr. 5, 5.
4: Psalm II, 7 [Hebr. Ps. 2, 7].
5: Sprüch. VIII, 25.
6: Joh. I, 3.
7: Joh. I, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger