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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

12.

Bei diesen Verhältnissen nun erwäge einer von ihnen, welcher will, und weise sie Jemand durch die Vorstellung zurecht, ob es erlaubt sey, zu sagen, daß das, was aus Gott ist, und was seine eigene Erzeugung ist, aus Nichts sey? oder ob es vernünftig sey, daß es Jemanden auch nur überhaupt in den Sinn komme, daß das, was aus Gott ist, ihm bloß zugekommen sey, so daß er sich sogar zu sagen unterfängt, der Sohn sey nicht immer? Denn auch hierin überschreitet und übersteigt die Zeugung des Sohnes abermals die Gedanken der Menschen. Wir werden nämlich [S. 206] zu einer bestimmten Zeit Väter unserer Kinder, weil auch wir selbst früher nicht gewesen, und erst nachher entstanden sind, Gott hingegen ist, weil er immer ist, auch immer der Vater des Sohnes. Und die Zeugung der Geschöpfe erkennt man aus der Gleichheit; weil aber1 „Niemand den Sohn kennt, als der Vater, und Niemand den Vater kennt, als der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will,“ darum haben die Heiligen, welchen es der Sohn geoffenbaret hat, uns ein Bild aus den sichtbaren Dingen gegeben mit den Worten:2 „Der ein Abglanz seiner Herrlichkeit, und ein Ebenbild seines Wesens ist;“ und wiederum:3 „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens; und in deinem Lichte werden wir das Licht schauen.“ Auch das Wort sagt, indem es Israel tadelt, folgendes:4 „Ihr habet verlassen die Quelle der Weisheit.“ Diese Quelle aber ist die, welche sagt:5 „Mich haben sie verlassen, die Quelle des lebendigen Wassers.“ Unbedeutend zwar und sehr dunkel ist dieses Beispiel, um das, was wir wollen, auszudrücken; aber dennoch kann man aus demselben etwas mehr, als die menschliche Natur erkennen, und dieses, daß wir nicht glauben sollten, unsere und des Sohnes Zeugung sey gleich. Denn wer kann es auch nur denken, daß der Abglanz zu irgend einer Zeit nicht sey, so daß er es auch wagen könnte, zu behaupten, der Sohn sey nicht immer gewesen, oder der Sohn sey nicht gewesen, ehe er gezeugt wurde? Oder wer vermag den Glanz von der Sonne zu trennen, oder die Quelle einmal ohne quellendes Wasser sich zu denken, so daß er in seiner Thorheit sagen könnte, aus Nichts sey der Sohn, welcher sagt:6 „Ich bin das Leben,“ oder der sey von der Wesenheit des Vaters verschieden, welcher sagt:7 „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ Denn da die Heiligen wollten, daß wir auf diese Weise denken sollten, haben sie [S. 207] uns solche Beispiele überliefert. Und es ist albern und sehr gottlos, wenn wir, während die Schrift solche Bilder enthält, aus andern, welche weder geschrieben sind, noch irgend eine religiöse Bedeutung enthalten, eine Kenntniß über den Herrn zu schöpfen suchen.

1: Matth. Xl, 27.
2: Hebr. I, 3.
3: Psalm XXXV, 10 [Hebr. Ps. 36, 10].
4: Bar. III, 12.
5: Jer. II, 13.
6: Joh. XlV, 6.
7: Joh. XIV, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger