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Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

11.

Denn es schafft Gott, und es wird auch von den Menschen gesagt, daß sie schaffen; Gott ist der, welcher ist; auch von den Menschen wird gesagt, daß sie sind, indem sie dieses von Gott erhalten haben. Schafft also Gott so, wie die Menschen? oder ist er auf dieselbe Weise, wie der Mensch? Gewiß nicht; anders nehmen wir diese Ausdrücke bei Gott, und anders verstehen wir dieselben bei den Menschen. Denn Gott erschafft, indem er das, was nicht ist, in das Daseyn ruft, ohne etwas hiezu nöthig zu haben; die Menschen aber bearbeiten die vorliegende Materie, nachdem sie zuvor gebetet, und von Gott, der durch sein Wort Alles erschaffen hat, die Kenntniß des Machens erhalten haben. Ueberdieß sind die Menschen, welche durch sich selbst nicht seyn können, auf einen Raum beschränkt, und haben ihr Bestehen in dem Worte Gottes; Gott dagegen, welcher durch sich selbst ist, umfaßt Alles, und wird selbst von Nichts umfaßt; er ist in Allem in Folge seiner Güte und Macht, ist aber auch außer Allem kraft seiner eigenthümlichen Natur. Wie also die Menschen nicht auf dieselbe Weise erschaffen, auf welche Gott erschafft, und nicht auf dieselbe Weise sind, auf welche Gott ist; so geschieht anders die Zeugung der Menschen, und auf eine andere Weise ist der Sohn aus dem Vater geboren. Denn die Erzeugnisse der Menschen sind gewissermassen Theile der Erzeugenden, weil auch die Natur der Leiber selbst nicht einfach, sondern flüssig und aus Theilen zusammengesetzt ist. Die Menschen nämlich gießen bei der Zeugung etwas aus, und dagegen geht aus den Speisen, die sie zu sich nehmen, Einiges in sie über; was die [S. 205] Ursache ist, daß die Menschen nach dem Verhältnisse der Zeit die Aeltern so vieler Kinder werden. Gott aber, welcher keine Theile hat, ist auch untheilbar und leidenlos der Vater des Sohnes. Denn von dem Körperlosen gibt es keinen Ausfluß, und es findet kein Einfluß in dasselbe Statt, wie bei den Menschen. Da also Gott von Natur einfach ist so ist er auch Vater des Einen und alleinen Sohnes. Denn darum ist er auch eingeboren und allein im Schoose des Vaters, und der Vater spricht es aus, daß nur er allein aus ihm sey, mit den Worten:1 „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“ Dieser ist das Wort des Vaters, in welchem man das Leidenlose und Untheilbare des Vaters erkennen kann; denn auch das Wort der Menschen wird ohne Theilung und Leiden hervorgebracht, um wie viel mehr das Wort Gottes? Und darum sitzt er auch als Wort zur Rechten des Vaters; denn wo der Vater ist, dort ist auch sein Wort; wir aber stehen als Geschöpfe vor ihm, um gerichtet zu werden. Jener wird angebetet, weil er der Sohn des anbetungswürdigen Vaters ist; wir aber beten an, und bekennen ihn als Herrn und Gott, weil wir Geschöpfe und von ihm verschieden sind.

1: Matth. III, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger