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Athanasius (295-373) - Umlaufschreiben des heiligen Athanasius, Bischofs von Alexandrien. (Epistula encyclica)

5.

Nach diesen Thaten ruhten sie noch nicht, nicht einmal in der Folge, sondern sie faßten den Entschluß, auch in der andern Kirche, wo ich mich an jenen Tagen meistens [S. 49] aufhielt, ihre vorigen Gräuelthaten fortzusetzen, und beeiferten sich, ihre Wuth auch auf diese Kirche auszudehnen, um auf mich dort Jagd zu machen, und mich zu tödten; und dieses würde auch wohl mein Loos gewesen seyn, hätte mir nicht Christi Gnade geholfen, so daß ich mit Mühe entrann, und euch dieses, obwohl es nur wenig ist, erzählen kann. Denn da ich sah, daß sie von der größten Wuth ergriffen seyen, habe ich, aus Besorgniß, es möchte die Kirche verletzt, es möchten die Jungfrauen in derselben mißhandelt, es möchten wieder Mordthaten verübt, es möchte das Volk zum zweiten Male mißhandelt werden, mich der Volksmenge entzogen, eingedenk des Ausspruches des Erlösers:1 „Verfolgt man euch in dieser Stadt, so fliehet in eine andere.“ Denn ich schloß aus den Schandthaten, welche sie sich in der andern Kirche erlaubt hatten, daß sie auch gegen diese Kirche keine Gräuelthat unterlassen würden; und auch hier zeigten sie nicht einmal gegen den Tag des Herrn, dieses heilige Fest, Ehrfurcht, sondern sie warfen auch die Leute jener Kirche in das Gefängniß. Der Herr befreite zu dieser Zeit Alle aus den Banden des Todes, Gregor und seine Anhänger aber machten, als wenn sie einen Krieg wider den Heiland führen wollten, und kühn auf den Schutz des Statthalters vertrauend, jenen Tag der Freiheit den Dienern Christi zu einem Tage der Trauer. Denn die Heiden, welche diesen Tag scheuen, frohlockten; Gregor aber zwang, vielleicht um die Befehle der Eusebianer zu vollziehen, die Christen durch die Härte der Fesseln zur Trauer. Auf eine so gewaltthätige Weise hat also der Statthalter die Kirchen genommen, und die genommenen dem Gregor und den Ariomaniten übergeben. Und diejenigen, welche wegen ihrer Gottlosigkeit von uns ausgestossen wurden, brüsten sich nun mit der Einnahme der Kirchen. Das Volk Gottes aber und die Cleriker der katholischen Kirche sind gezwungen, [S. 50] entweder an der Gottlosigkeit der ketzerischen Arianer Theil zu nehmen, oder sich des Eintrittes in die Kirchen zu enthalten. Ja sogar auch den Schiffsherrn und Andern, welche auf dem Meere schiffen, hat Gregor keine geringe Gewalt und keinen geringen Zwang angethan, indem er durch Hülfe des Statthalters Einige foltern und mit Ruthen streichen, Andere in Fesseln schlagen und in Kerker werfen ließ, damit sie seiner widerrechtlichen Handlungsweise nicht widersprechen, sondern vielmehr Briefe von ihm annehmen möchten. Allein auch hiemit war er noch nicht zufrieden, sondern wirkte, um sich mit unserm Blute zu sättigen, bei dem höchst grausamen Statthalter, seinem Gehülfen, eine gleichsam einem Volksbeschlusse zu Folge verfaßte Klageschrift an den sehr frommen König Constantius gegen mich aus, welche gehässige Ausdrücke enthält, so daß nicht nur kein Entfliehen zu hoffen, sondern daß sogar sehr viele Hinrichtungen zu erwarten sind. Und der, welcher den Beschluß niederschrieb, ist ein Ueberläufer aus den Christen, welcher die Götzen auf eine unverschämte Weise verehrt; diejenigen aber, welche ihn unterzeichneten, sind Heiden und Diener der Götzentempel und nebst ihnen Arianer. Kurz, damit ich nicht weitläufig in meinem Schreiben werde, es herrscht hier eine Verfolgung, ja eine Verfolgung, wie noch nie eine gegen die Kirche eingetreten ist. Denn während der vorhergehenden Verfolgung konnte doch wenigstens der, welcher floh, sein Gebet verrichten, und der, welcher sich verbarg, getauft werden: jetzt aber ahmt die große Grausamkeit sogar die Gottlosigkeit der Babylonier nach. Denn wie die damaligen Verfolger den Daniel, so klagt jetzt der treffliche Gregor diejenigen, welche in den Häusern beten, bei dem Statthalter an, und beobachtet die Diener der Kirche mit allem Uebermuthe, so daß in Folge dieser so großen Gewaltthätigkeit viele noch nicht Getaufte in Gefahr schweben, und Viele, ohne von Andern besucht zu werden, krank sind und klagen, indem sie dieses Unglück für schmerzlicher halten, [S. 51] als die Krankheit selbst. Denn da die Diener der Kirche verfolgt werden, will das Volk, welches die Gottlosigkeit der ketzerischen Arianer verabscheut, lieber auf diese Weise krank und in Gefahr seyn, als die Hand der Arianer auf sein Haupt kommen lassen.

1: Matth. X, 23.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger