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Athanasius (295-373) - Geschichte der Arianer. (Historia Arianorum)

Zweites Zeugniß.

1Dieses bezeugt öffentlich durch die am Ende Unterzeichneten das Volk der katholischen Kirche zu Alexandrien, welche unter dem ehrwürdigsten Bischofe Athanasius steht.

Wir haben bereits unser Zeugniß abgelegt über den nächtlichen Angriff, durch welchen wir und die Kirche gelitten haben, obwohl kein Zeugniß nothwendig war, über Dinge, welche die ganze Stadt wußte und noch weiß. Denn die aufgefundenen Leichname der Gemordeten wurden öffentlich ausgesetzt, und die Waffen und Geschosse in dem Tempel verkündigten laut die Gräuelthat. Weil aber doch auch nach der Ablegung des Zeugnisses der berühmte Dux Syrianus Alle mit Gewalt zwingt, ihm beizustimmen, als wenn keine Unordnung vorgefallen und Niemand um das Leben gekommen wäre; (was kein geringer Beweis ist, daß dieses wider den Willen des höchst menschenfreundlichen Augustus Constantius geschah; denn er würde sich wegen dieser Handlungen nicht fürchten, wenn er dieselben in Folge eines Befehles vollbracht hätte; denn er ließ uns, da wir zu ihm gingen und ihn baten, gegen Niemanden Gewalt zu gebrauchen und das Geschehene nicht zu läugnen, obwohl wir Christen waren, mit Knitteln schlagen, wodurch er zeigte, daß der nächtliche Krieg gegen die Kirche geführt wurde; deßwegen bezeugen wir dieses auch jetzt, während Einige aus uns schon im Begriffe sind, zu dem höchst frommen Augustus abzureisen. Wir beschwören aber bei dem allmächtigen Gott, zur Wohlfahrt des höchst frommen Augustus Constantius, den Präfekten Aegyptens Maximus und die Kontrolleure, daß sie Alles vor die Frömmigkeit des Augustus und vor die Gewalt der berühmten Präfekten bringen mögen. Wir beschwören auch alle Schiffs-Inhaber, dieses allenthalben kund zu machen und es sowohl zu den Ohren des frömmsten Augustus zu bringen, als auch zur Kenntniß der Statthalter und Richter aller Orte, damit der gegen die Kirche geführte Krieg und dieses bekannt werde, daß Syrianus in den Zeiten des Augustus Constantius Jungfrauen und viele Andere zu Märtyrern gemacht hat. Denn mit Anbruch des achten Februar, das ist am vierzehnten des Monates Mechir, da wir in der Kirche wachten und den Gebeten oblagen, (denn am Charfreytage sollte eine Versammlung gehalten werden,) stürzte um Mitternacht plötzlich über uns, und die Kirche der hochberühmte Dux Syrianus her mit vielen Legionen Soldaten, welche mit Waffen, entblößten Schwertern, Geschossen und anderm Kriegsgeräthe und mit Helmen versehen waren. Während wir eben innig beteten und vorgelesen wurde, erbrachen jene die Thüren. Nachdem durch die Gewalt der Menge die Thüren erbrochen waren, gab er den Befehl, und die Einen schossen Pfeile ab, Andere erhoben ein Kriegsgeschrei, es ertönte das Geklirr der Waffen, und die Schwerter funkelten am Lampenlichte. Hierauf wurden Jungfrauen getödtet, Viele wurden zertreten und stürzten, da die Soldaten über sie herfielen, mit einander zu Boden, und viele Männer gaben, von Pfeilen durchbohrt, den Geist auf. Einige Soldaten aber wandten sich zur Plünderung und entblößten die Jungfrauen, für welche schon dieses, daß sie Einige auch nur überhaupt berührten, ein größerer Schrecken, als der Tod, war. Und der Bischof saß auf seinem Stuhle und ermahnte Alle zum Gebete. Der Dux aber führte die Rotte, begleitet von dem Notar Hilarius, welcher das betrieb, was der Ausgang zeigte. Denn der Bischof wurde fortgeschleppt und beinahe zerrissen. Er fiel nun in eine große Ohnmacht, und entzog sich, dem Tode nahe, wir wissen nicht wie, ihren Augen; denn sie suchten ihn zu tödten. Als sie dann viele Todte erblickten, gaben sie den Soldaten den Befehl, die Leichname der Getödteten wegzuschaffen und zu verbergen. Die heiligen Jungfrauen aber, welche todt zurückgelassen wurden, begrub man in den Grabstätten, sie, welche den Ruhm erlangten, daß sie in den Zeiten des frömmsten Constantius Blutzeugen Christi wurden. Die Diakone hingegen wurden in dem Hause des Herrn durch Schläge verwundet und eingesperrt. Aber auch hier blieb ihr Frevel nicht stehen; sondern nachdem dieses geschehen war, erbrach ein Jeder, welcher wollte, eine Thüre, die er erbrechen konnte, öffnete sie, und durchsuchte und plünderte, was durch dieselbe verschlossen war; ja sie drangen bis in diejenigen Oerter, in welche nicht einmal allen Christen zu gehen erlaubt ist. Dieses weiß auch der Dux der Stadt, Gorgonius, denn er war dabei anwesend. Und es ist kein geringer Beweis dieses feindlichen Ueberfalles, daß diejenigen, welche eingefallen waren, ihre Waffen, Geschosse und Schwerter in dem Hause des Herrn zurückließen; denn noch sind sie in der Kirche aufgehängt, damit jene es nicht läugnen können. Denn schon oft schickte er den Dynamius des Heeres2 und den Dux, um dieselben wegnehmen zu lassen; wir gestatteten es aber nicht, bis die Sache Jedermann bekannt ist. Wenn nun der Befehl erlassen ist, uns zu verfolgen, so sind wir Alle bereit den Märtyrertod zu sterben; ist dieses aber nicht der Wille des Augustus, so ersuchen wir den Präfekten Aegyptens Maximus und alle Obrigkeiten, ihn zu bitten, er möchte etwas solches nicht mehr verüben lassen. Zugleich bitten wir, daß ihm auch dieses unser Gesuch vorgelegt werde, sie möchten hier keinen andern Bischof einzuführen versuchen; denn bis zum Tode widersetzen wir uns, indem wir nur den höchstehrwürdigen Athanasius sehnlich verlangen, welchen uns Gott Anfangs gegeben hat, nach der Reihenfolge unserer Väter, den auch der fromme Constantius selbst mit Schreiben und eidlichen Versicherungen hieher geschickt hat. Denn wir hoffen, daß, wenn seine Frömmigkeit dieses erfährt, er über das Geschehene zürnen und nichts wider seine eidlichen Zusicherungen thun, sondern abermals befehlen werde, daß unser Bischof Athanasius bei uns bleibe.

Den Consuln, welche nach dem Consulate des hochberühmten Arbäthio und Collianus3 das Amt antreten werden, am siebenzehnten des Monats Mechir, welches ist der zwölfte Februar.

1: Das erste Zeugniß ist verloren gegangen, entweder weil es als mit diesem gleichlautend von den Abschreibern weggelassen, oder von Athanasius niemals beigefügt wurde, weil er es, da er, als er dieses schrieb, in der Wüste war, nicht bei der Hand haben mochte.
2: Der Dynamius war ein Vorgesetzter im Heere.
3: Ammianus Marcell. lib. XV, cap. 8. nennt ihn Lollianus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger