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Athanasius (295-373) - Geschichte der Arianer. (Historia Arianorum)

77.

Dieses war für die Meletianer eine leichte Aufgabe. Denn die meisten jener Menschen, ja vielmehr alle, haben keine religiöse Erziehung, sie kennen den gesunden Glauben an Christum nicht, und wissen überhaupt nicht, was Christenthum sey, oder welche Schriften wir Christen haben. Denn die Einen von ihnen kamen aus der Abgötterei, die Andern aus dem Senate und von der höchsten Staatsverwaltung, um nur die elende Freiheit von Staatslasten und Begünstigung zu erhalten; und sie gelangten dadurch, daß sie die Meletianer, welche älter als sie sind, mit Geld bestachen, zu dieser Würde, ohne jemals einer Christenlehre beigewohnt zu haben. Aber wenn sie es auch scheinbar gethan hätten, welche Unterweisung in den Anfangsgründen des Christenthumes gibt es bei den Meletianern? Doch sie kamen, ohne auch nur dem Scheine nach unterwiesen worden zu seyn, plötzlich und erhielten sogleich, wie Kinder einen Namen erhalten, den Namen Bischöfe. Weil sie nun von dieser Art sind, legten sie kein Gewicht auf die Sache, und meinten, daß es zwischen Frömmigkeit und Gottlosigkeit keinen Unterschied gebe. Gern und schnell wurden sie daher aus Meletianern Arianer; würde aber der Kaiser auch etwas Anderes befehlen, so wären sie auch wieder zu diesem bereit. Denn die Unkunde der Gottesverehrung führt sie schnell zu ihrer gewohnten und anfänglichen Thorheit, welche sie gelernt haben. Denn es gilt ihnen für nichts, durch jeden Wind und jede Welle sich hin und her tragen zu lassen, wenn sie nur von Abgaben frei sind und menschlichen Schutz genießen; es gilt ihnen für nichts, sich in solche zu verwandeln, welche sie zuvor waren, und wieder in solche welche sie gewesen sind, als sie noch Heiden waren. Ja, weil sie in ihrem Charakter so wandelbar waren und glaubten, die Kirche sey ein bürgerlicher Rath, und weil sie, als Heiden, abgötterisch gesinnt waren, befleckten sie, nachdem sie den schönen Namen des Erlösers zum Deckmantel genommen hatten, ganz Aegypten, indem sie bewirkten, daß die arianische Ketzerei in demselben auch nur genannt wurde. Denn bisher durfte man nur in Aegypten allein noch überall die Rechtgläubigkeit freimüthig aussprechen; und darum suchten die Gottlosen auch gegen dieses Neid zu erregen, vielmehr aber nicht sie, sondern der Teufel, welcher sie anreizte, damit, wenn sein Herold der Antichrist kommt, auch schon in Aegypten Kirchen finde, welche ihm geweiht sind, und die Meletianer, welche bereits in seiner Lehre unterrichtet sind, und damit er in denselben sich schon abgebildet sehe.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger