Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Geschichte der Arianer. (Historia Arianorum)

44.

Ich habe mein Bekenntniß zum ersten Male abgelegt, als unter deinem Anherrn Maximianus die Verfolgung wüthete. Wenn aber auch du mich verfolgst, so bin ich auch jetzt bereit, eher Alles, was es nur immer sey, zu erdulden, als unschuldiges Blut zu vergießen und an der Wahrheit ein Verräther zu werden. Deine Worte finden, wenn du solches schreibest und drohest, bei mir keinen Eingang. Höre auf solches zu schreiben, und sey nicht arianisch gesinnt, höre die Orientalen nicht an, und schenke dem Ursacius und Valens keinen Glauben. Denn was diese reden, sagen sie nicht wegen des Athanasius, sondern wegen ihrer Ketzerei. Glaube mir, Constantius! mir, der ich dem Alter nach dein Großvater seyn könnte. Ich wohnte der Synode zu Sardica bei, als ihr, du und dein Bruder Constans seligen Andenkens, uns alle zusammenberiefet. Und ich selbst forderte die Feinde des Athanasius auf, als sie in die Kirche kamen, in welcher ich mich befand, sie sollten, wenn sie etwas gegen ihn hätten, es vorbringen. Ich versprach ihnen Sicherheit, und versicherte sie, daß sie nichts anders zu erwarten hätten, als in Allem ein gerechtes Urtheil. Dieses that ich aber nicht ein Mal, sondern zwei Mal, indem ich sie aufforderte, sie sollten, wenn sie nicht vor der ganzen Synode wollten, wenigstens vor mir allein die Sache vorbringen; und ich fügte wieder die Versicherung bei: Wenn Athanasius schuldig gefunden wird, so wird er auch von uns gänzlich ausgestossen werden, wird er aber unschuldig gefunden, überführt er euch als Verleumder, und ihr weiset den Mann dennoch zurück, so werde ich selbst den Athanasius bereden, mit mir nach Spanien zu reisen. Und diesen Bedingungen unterwarf sich Athanasius ohne Widerspruch. Jene aber verweigerten, weil sie von Allem, was sie zu sagen hatten, keinen guten Erfolg sich versprachen, dieses gleichfalls. Athanasius aber begab sich wieder an dein Hoflager, da du ihn durch ein Schreiben dahin beschiedest, und stellte die Bitte, seine Feinde, welche eben in Antiochien zugegen waren, entweder alle mit einander, oder einen Jeden von ihnen einzeln rufen zu lassen, damit entweder sie ihn überführten, oder selbst überführt würden, und sie ihn entweder in seiner Gegenwart als einen solchen, wie sie ihn geschildert hatten, darstellten, oder in seiner Abwesenheit nicht verleumdeten. Du aber achtetest auf seine Worte nicht, und jene lehnten dieses ab. Warum gibst du also seinen Verleumdern noch Gehör? Wie kommt es, daß du den Ursacius und Valens noch geduldig anhörst, da sie doch Buße gethan und ihre Verleumdung schriftlich bekannt haben? Sie haben ja bekannt, ohne daß sie Gewalt litten, wie sie vorgeben, ohne daß sie von Soldaten genöthiget wurden, ohne daß dein Bruder etwas davon wußte; denn so etwas, wie jetzt geschieht, geschah unter ihm nicht, dieß sey ferne! sondern sie kamen freiwillig nach Rom, und schrieben dieses in Gegenwart des Bischofes und der Priester nieder, nachdem sie zuvor auch dem Athanasius einen freundschaftlichen und friedlichen Brief geschrieben hatten. Geben sie aber vor, daß man gewalthätig verfahren sey, sehen sie dieses für unerlaubt an, und billigest auch du es nicht; so höre auf, Gewalt zu gebrauchen, und schicke keine Briefe, keine Comes mehr; sondern rufe die Verbannten zurück, damit nicht, während du die Anwendung der Gewalt tadelst, jene eine noch größere Gewaltthätigkeit verüben. Denn was hat Constans gethan, welches diesem ähnlich wäre? Welcher Bischof wurde verbannt? Wann erschien er bei einer kirchlichen Untersuchung mitten in der Versammlung? Welcher seiner Hofbeamten zwang jemals Einen, gegen Jemanden zu unterschreiben, daß Valens und seine Anhänger so etwas aussagen? Höre auf, ich beschwöre dich, und bedenke, daß du ein sterblicher Mensch bist. Fürchte den Tag des Gerichtes, und bleibe rein von Schuld bis zu jenem Tage. Mische dich nicht in kirchliche Dinge, und gib uns über solche keine Befehle; sondern lerne sie vielmehr von uns. Gott hat dir die Regierung des Reiches übergeben, uns die Verwaltung der Kirche anvertraut. Und wie derjenige, welcher deine Herrschaft an sich zieht, der Anordnung Gottes sich widersetzt, so hüte auch du dich, die Gerechtsame der Kirche an dich zu reißen, und dich dadurch eines schweren Vergehens schuldig zu machen:1 „Gebet,“ steht geschrieben, „dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Eines Theils ist es also uns nicht erlaubt, über die Erde zu herrschen, andern Theils hast du, o König! keine Gewalt in geistlichen Dingen. Dieses nun schreibe ich nur aus Sorgfalt für dein Heil; was aber den Inhalt deines Schreibens betrifft, habe ich folgende Gesinnung: Ich trete mit den Arianern in keine Gemeinschaft, sondern verfluche ihre Ketzerei, und gegen den Athanasius schreibe ich nicht, welchen wir und die römische Kirche und die ganze Synode als unschuldig erklärt haben. Daß er unschuldig sey, hast auch du eingesehen; deßwegen hast du den Mann zu dir beschieden, und ihm erlaubt, mit Ehren in sein Vaterland und in seine Kirche zurückzukehren. Was ist nun die Ursache der so großen Veränderung? Denn seine Feinde sind noch dieselben, welche sie früher waren; und was sie jetzt murmeln, denn in seiner Gegenwart sagen sie nichts, das haben sie auch schon früher, ehe du den Athanasius zu dir beschiedest, gesagt, das haben sie, als sie zur Synode kamen, verbreitet, davon konnten sie aber, als sie, wie ich oben sagte, von mir aufgefordert wurden, keine Beweise vorbringen; denn hätten sie solche gehabt, so wären sie nicht so schimpflich entflohen. Wer also hat dich verleitet, daß du nach einer so langen Zeit deiner Schreiben und deiner Worte vergaßest? Halte ein, und folge den schlechten Menschen nicht, damit du nicht wegen ihrer Verbindung unter einander dich selbst strafbar machest. Denn was du ihnen jetzt gestattest, darüber wirst du am Tage des Gerichtes allein Rechenschaft geben müssen. Diese wollen ihrem Feinde vermittelst deiner Hülfe Unrecht zufügen, und dich wollen sie zum Diener ihrer sträflichen Absichten machen, um durch dich die abscheuliche Ketzerei in der Kirche auszusäen. Es ist aber nicht klug, wegen des Vergnügens Anderer sich in eine augenscheinliche Gefahr zu stürzen. Laß also ab, ich beschwöre dich, und gehorche mir, o Constantius! denn es steht mir zu, dieses zu schreiben, und dir, es nicht zu verachten.

1: Matth. XXII, 21.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 36.
. . 37.
. . 38.
. . 39.
. . 40.
. . 41.
. . 42.
. . 43.
. . 44.
. . 45.
. . 46.
. . 47.
. . 48.
. . 49.
. . 50.
. . 51.
. . 52.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger