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Athanasius (295-373)
Brief an den Kaiser Jovianus
(Epistula ad Iovianum imperatorem)

Vorerinnerung

1.

Diese kurze Schilderung des Lebens des Julianus und des Jovianus möge zur genauern Kenntniß des damaligen Zustandes der Kirche, und als Nachtrag zum Leben des heil. Athanasius dienen.

Julianus der Abtrünnige, vollständig Flavius Claudius Julianus genannt, ein Sohn des Julius Constantius, wurde zu Konstantinopel den 6. November 331 geboren. Die Sorge für seine Erziehung war dem berüchtigten Eusebius von Nicomedien anvertraut. Mardonius, sein Hofmeister, arbeitete gleichfalls an der Bildung seines Geistes und Herzens. In den Wissenschaften machte er sehr schnelle Fortschritte; er ließ sich unter die Geistlichkeit aufnehmen und war Lector (Vorleser). Nachher machte er eine Reise nach Athen, wo er auf die Astrologie, Magie und alle eiteln Künste des Heidenthumes sich verlegte. Besonders schloß er sich an den Philosophen Maximus an, welcher die Hauptursache seines Verderbens war. Im Jahre 355 wurde er Kaiser. Die zahlreichen Siege, welche er über die Feinde des Reiches erfocht, bewiesen seine großen Fähigkeiten für das Kriegswesen. Er verbarg nun seinen Hang zum Götzendienste, welchen er schon lange in sich trug, nicht mehr, sondern befahl, die verschlossenen Tempel wieder zu öffnen, betete selbst öffentlich die Götter des Heidenthumes an, und suchte durch eine schwärmerische Ceremonie das Kennzeichen der heil. Taufe in sich auszutilgen, indem er über seinen ganzen Körper das unreine Blut der Schlachtopfer herabstießen ließ. In seiner gränzenlosen Verblendung überließ er sich der Wahrsagerei, und glaubte den Orakeln. Der Zauberer Maximus und Andere seines Gelichters waren seine Vertrauten. Indessen waren ihm die Wunder Jesu allenthalben hinderlich; und es war nicht leicht, den Christen den Beweis zu entreißen, welchen sie daraus zu Gunsten ihrer Religion zogen. Statt die Wahrheit derselben anzugreifen, suchte er mittelst der Zauberei in dem Heidenthume ähnliche zu wirken. Allein alle seine Anstrengungen gereichten ihm nur zur größern Beschämung. Zur Erreichung seiner Absicht, die christliche Religion auszurotten, schlug er einen ganz andern Weg ein, als die frühern Verfolger. Er wollte kein Blut vergießen, er begnügte sich, die Christen zu den Staatsämtern für unfähig zu erklären, und verbot ihnen, die Wissenschaften zu lehren und zu lernen, weil ihnen die Kenntniß derselben immer neue Waffen gegen das Heidenthum an die Hand gab. Denn er hielt es für unmöglich, seinen zur Ausrottung des Christenthumes entworfenen Plan auszuführen, so lange es die gelehrtesten Männer seines Reiches, nämlich einen heil. Athanasius, einen heil. Basilius, einen heil. Gregor v. Nazianz, einen heil. Hilarius, einen Diodorus v. Tarsus, einen Apollinarius zu seinen Vertheidigern haben würde. Die Väter waren nicht die Einzigen, welche dieses Verbot als eine auffallende Handlung der Tyrannei ansahen; selbst die Heiden fällten dieses Urtheil. Man sehe, was Ammianus Marcellinus, der Lobredner des Julianus in dieser Beziehung sagt, lib. 22, cap. 10, lib. 25, cap. 4. Julianus blieb aber bei diesem nicht stehen, er befahl durch ein besonderes Edikt, daß die Jünger Jesu ferner nicht mehr Christen, sondern Galiläer genannt werden sollten. Er unterdrückte sie durch Auflagen, und beraubte sie ihrer Güter, indem er spottweise sagte, man müsse ihnen Gelegenheit geben, die von dem Evangelium empfohlene Armuth auszuüben. Dann nahm er wieder zu Fallstricken und Versprechungen seine Zuflucht. Obgleich er nur von Duldung sprach, ließ er doch mehrere Christen zum Tode verurtheilen, aber heimlich, und unter andern Vorwänden. Sein Zweck dabei war, ihnen die Ehre des Märtyrerthumes zu rauben. Diese Arglist hätte seinem Plane förderlich seyn können, wenn er stolze Philosophen, die nur ihre Eigenliebe zu befriedigen suchen, vor sich gehabt hätte. Allein die Jünger Jesu bedürfen keiner Zeugen. Sie lieben vor Allem die Leiden, deren Anblick und Beweggründe den Menschen verborgen sind. Diese so schöne und wahre Bemerkung hat der heil. Gregor von Nazianz, Orat. 3. in Julianum, gemacht. Man muß jedoch eingestehen, daß des Julianus Benehmen vielen Christen sehr nachtheilig war, die aus Furcht, in die Ungnade des Kaisers zu fallen, von den Staatsämtern ausgeschlossen zu werden, und die Glücksgüter zu verlieren, sich verführen ließen. Endlich bildete er sich noch ein, dem Christenthume dadurch einen harten Schlag zu versetzen, wenn er die Vorhersagung Jesu über den Tempel zu Jerusalem als unwahr nachweisen könnte. Er unternahm es daher, ungefähr dreihundert Jahre nach seiner Zerstörung unter Titus, ihn wieder aufbauen zu lassen. Kaum aber waren die Fundamente gelegt, als wirbelnde Feuerflammen hervorbrachen, und Alles vernichteten. Diese Thatsache wird von allen gleichzeitigen Schriftstellern bezeugt, sogar vom Ammianus Marcellinus, der doch ein Heide und dem Julianus gänzlich zugethan war. Eine vortreffliche Abhandlung über Julians Plan, den Tempel von Jerusalem wieder aufbauen zu lassen, findet man bei Warburton, wovon zu Paris 1754 eine gute französische Uebersetzung im Drucke erschienen ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger