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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

10.

Abschrift des Schreibens der Synode an den Kaiser Konstantius1.

I.
Wir glauben, es sey auf den Befehl Gottes durch dein frommes Gebot die Anordnung getroffen worden, daß wir Bischöfe der Bewohner des Abendlandes aus den verschiedenen Provinzen nach Rimini kommen sollten, damit der Glaube allen katholischen Kirchen klar, und die Ketzer erkannt werden möchten. Denn da wir alle, die wir rechtgläubig sind, die Sache miteinander verhandelten, faßten wir den Beschluß, an den schon von Alters her bestehenden Glauben, den wir durch die Propheten, Evangelien und Apostel, durch Gott selbst und unsern Herrn Jesus Christus, den Heiland deines Reiches und den Verleiher deines Heiles, erhalten und allzeit bewahrt haben, uns fest zu halten. Denn wir hielten es nicht für erlaubt, etwas an den Lehren der Heiligen zu ändern, und denjenigen, welche in dem Concilium zu Nicaa zugleich mit Konstantinus, dem Vater deiner Frömmigkeit, glorreichen Andenkens gesessen sind. Die Verhandlung dieses Conciliums ist bekannt gemacht, den Gemüthern der Völker eingepflanzt, und wie man sieht, damals gegen die arianische Ketzerei gerichtet worden, so daß seit dieser Zeit die Ketzereien besiegt sind; und so bald man etwas davon wegnimmt, ist den Giften der Ketzer der Zugang geöffnet.

II.
Deßhalb sind ehemals Ursacius und Valens in den Verdacht derselben arianischen Ketzerei gekommen und von der Gemeinschaft ausgeschlossen worden; und sie haben, wie ihre Schreiben enthalten, um Verzeihung gebeten, welche sie damals von dem Concilium zu Mailand erlangten, auch in Beiseyn der Legaten der römischen Kirche. Da in demselben, in Gegenwart des Konstantinus, nach genauer Prüfung niedergeschrieben wurde, an was der Getaufte sich zu halten hat, um zur Ruhe Gottes einzugehen; so halten wir es nicht für erlaubt, daran etwas zu verstümmeln, und so viele Heilige, Bekenner und Nachfolger der Märtyrer, welche jene Verhandlung niedergeschrieben haben, in irgend etwas zurückzusetzen; da auch sie nach den Schriften der frühern Katholiken Alles beobachtet haben, und es so geblieben ist bis auf die Zeiten, in welchen deine Frömmigkeit von Gott dem Vater durch unsern Herrn und Gott Jesus Christus die Weltherrschaft erhalten hat. Auch damals suchten (die Ketzer) umzustürzen, was mit Vernunft festgesetzt worden war. Denn als das Schreiben deiner Frömmigkeit befahl, von dem Glauben zu handeln, wurde uns von den oben genannten Verwirrern der Kirchen, in Verbindung mit dem Germinius, (Auxentius) und Gajus, etwas Neues zur Betrachtung dargeboten, was viele verkehrte Lehren enthielt. Ja, da das, was sie in dem Kirchenrathe öffentlich vorbrachten, Mißfallen zu erregen schien, glaubten sie selbst anders schreiben zu müssen. Und daß sie dieses in kurzer Zeit oft verändert haben, ist bekannt. Damit nun die Kirchen ferner nicht öfter in Verwirrung gebracht werden möchten, faßte man den Beschluß, an den alten vernunftgemäßen Einrichtungen festzuhalten. Um also deine Milde davon zu benachrichten, haben wir Abgeordnete abgeschickt, welche dir den Beschluß der Synode durch ein Schreiben kund thun sollen; diesen geben wir nur diesen Auftrag, die Gesandtschaft nicht anders zu überbringen, als so, daß die alten Satzungen ganz unerschüttert bleiben, damit auch deine Weisheit erkenne, daß, wenn etwas von denselben aufgehoben würde, nicht durch das, was die oben Genannten, Valens und Ursacius, Germinius und Gajus nämlich, verheißen haben, der Friede vollkommen hergestellt werden könne. Denn dadurch ist vielmehr Verwirrung über alle Länder und in die römische Kirche gekommen.

III.
Aus diesem Grunde flehen wir deine Milde an, du wollest allen unsern Abgeordneten ein gefälliges Ohr und einen freundlichen Blick verleihen. Deine Milde gestatte nicht, daß mit Unrecht irgend etwas der Alten umgestürzt werde, sondern daß das verbleibe, was wir von unsern Vorfahren erhalten haben, von welchen wir mit Zuversicht glauben, daß sie weise Männer gewesen sind und ohne den heiligen Geist Gottes nichts gethan haben; denn durch diese Neuerung sind nicht nur die gläubigen Völker betrübt worden, sondern auch die Ungläubigen werden gehindert, dem Glauben sich zu nahen. Zugleich stellen wir die Bitte, du mögest befehlen, daß so viele Bischöfe, die zu Rimini zurückgehalten werden, und von welchen die Meisten durch Alter und Armuth gebeugt sind, in ihre Provinz zurückkehren, damit nicht die Völker der Kirchen, ihrer Bischöfe beraubt, Noth leiden. Auch darum ersuchen wir wiederholter Malen, daß nichts erneuert, nichts vermindert werde, sondern Alles unverletzt bleibe, was zu den Zeiten des Vaters deiner heiligen Frömmigkeit und in deinen religiösen Zeiten geblieben ist. Und deine heilige Weisheit möge nicht zulassen, daß wir ferner beunruhiget oder von unsern Sitzen vertrieben werden; sondern daß die Bischöfe im Frieden allzeit den erforderlichen Pflichten obliegen, die sie immer haben sowohl für dein Heil, als auch für dein Reich, und für den Frieden, den dir die Gottheit für deine Verdienste vollkommen und andauernd verleihen möge. Unsere Gesandten aber werden die Unterschriften und die Namen der Bischöfe oder der Abgeordneten überbringen, so wie auch die heilige Schrift deine heilige und fromme Weisheit belehrt.

1: Dieses Schreiben wurde zuerst lateinisch verfaßt, und findet sich beim heil. Hilarius Fragment 8. die Aufschrift lautet da: „Abschrift des Schreibens des Conciliums zu Rimini an den Kaiser Konstantius, als die Bischöfe vom wahren Glauben abfielen.“ Griechisch findet es sich bei Sokrates lib. 2, cap. 37. Sozomenus lib. 4, cap. 18; Theodoret lib. 2, cap. 19. Nicephorus lib. 9, cap. 40. Die Uebersetzung des Athanasius ist mehr dem Sinne, als dem Worte getreu, und daher haben wir den lateinischen Urtext hier übersetzt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger